Mainz: Abi-Arbeiten nach 50 Jahren ausgehändigt

Schulleiterin Karin Ding überreicht den damaligen Absolventen bei ihrer Feier die Original-Abiturarbeiten – 50 Jahre nach dem Abi am Schlossgymnasium. Foto: hbz/Judith Wallerius

Revoluzzer feiern nicht: So hatten die 1969er-Abiturienten am Schlossgymnasium entschieden. Jetzt traf man sich an alter Wirkungsstätte wieder und holten ihre Feier nach.

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MAINZ. 68er-Revoluzzer feiern nicht – zumindest nicht anno 1969, im Sommer am Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss. Doch 50 Jahre nach ihrem Abitur haben sich jetzt rund 30 Ehemalige getroffen und doch noch ihre Feier erhalten – und sogar die schriftlichen Abiturprüfungen überreicht bekommen.

Schulleiterin Karin Ding überreicht den damaligen Absolventen bei ihrer Feier die Original-Abiturarbeiten – 50 Jahre nach dem Abi am Schlossgymnasium. Foto: hbz/Judith Wallerius
Trotz Schlips und Kragen: Die 1969er-Abiturienten am Schloss waren ganz schön gegen den Strich gebürstet. Foto: Jürgen Fritsch

„50 Jahre Befreiung“ feiert einer der Anwesenden. „Vor 50 Jahren bin ich aus diesem Gefängnis ausgebrochen“, gibt er schmunzelnd preis. Trotz des „Ausbruchs“ sind er und seine ehemaligen Kameraden wieder an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Obwohl einige von ihnen weiter entfernt – etwa in Hannover oder Baden-Baden – wohnen, sind sie fast vollständig zusammengekommen und schwelgen gemeinsam in Erinnerungen. Es werden Anekdoten von damals erzählt und selbstgedrehte Filme aus ihrer Schulzeit gezeigt. Der damalige Französischlehrer Armin Reit wird in einem Beitrag von Gerd Woidisch alias „Boskopp“ ordentlich aufs Korn genommen. Viel Gelächter gibt’s, und hier und da geht ein Raunen durch die Reihen, wird ein Mitschüler oder Lehrer erkannt.

„Wir hatten damals keine Abiturfeier. Das wollten wir nicht“, erinnert sich Wolfgang Mathea an den Geist von damals. „Viele von uns gingen in zerrissenen Hosen zur mündlichen Prüfung.“ Ein Affront gegen die Schulleitung. „Daraufhin mussten wir unser Zeugnis im Sekretariat abholen“, berichtet Mathea weiter.

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Die ausgefallene Feier von 1969 holen die Männer der ehemaligen Jungenschule fünf Jahrzehnte später nach. Die amtierende Schulleiterin Karin Ding überreicht den Anwesenden ihre schriftlichen Prüfungsarbeiten. „Jetzt habe ich sie abgeholt und kann sie persönlich daheim schreddern“, verkündet Holger Bertholat lachend: „Damit kann ich heute keinen Blumentopf mehr gewinnen.“

Nachdem die Jubilare am Mittag bereits von Oberbürgermeister Michael Ebling im Rathaus empfangen worden waren, durften sie bei einer Führung ihre alte Schule neu entdecken. Viel hat sich in dieser Zeit verändert. Die Sporthalle und die Aula existierten zu ihrer Zeit noch nicht. Trotzdem ist auch einiges erhalten geblieben. Die alten Klassensäle werden begutachtet, die Sitzordnung rekonstruiert.

„Bis heute treffen wir uns mehr oder weniger regelmäßig“ freut sich Mathea über den Zusammenhalt. „Das ist nach der langen Zeit etwas ganz Besonderes.“ Zum Abschluss des Tages kommen die Klassenkameraden von damals in einer Weinstube zusammen. Bei einem Glas Wein wird sicherlich noch die ein oder andere längst vergessene Geschichte ausgegraben – das dann aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit ...