Mainz: 70-jährige Anne Simon ist Hebamme aus Leidenschaft

Hebamme Anne Simon (4.v.l.) mit „ihren“ Müttern. Fotos: Torsten Boor  Foto:

Anne Simon ist Hebamme aus Leidenschaft. Erst war sie Angestellte, dann machte sie sich vor dreißig Jahren selbstständig und spezialisierte sich auf Hausgeburten. Heute ist...

Anzeige

MAINZ. Anne Simon ist Hebamme aus Leidenschaft. Erst war sie Angestellte, dann machte sie sich vor dreißig Jahren selbstständig und spezialisierte sich auf Hausgeburten. Heute ist sie 70 Jahre alt, betreut die Geburt nicht mehr, aber ist weiterhin aktiv. Sie hält Vorträge, begleitet Frauen bei der Vor- und Nachsorge und sie hat das Netzwerk „Anne Simon“ gegründet. Eine Hebamme, deren Beruf bis heute ihre Berufung ist.

Hebamme Anne Simon (4.v.l.) mit „ihren“ Müttern. Fotos: Torsten Boor  Foto:
Betreut zwar keine Geburten mehr, ist aber immer noch in der Vor- und Nachsorge aktiv: Hebamme Anne Simon.  Foto:

Simon ist selbst gerade elf Jahre, als ihr jüngster Bruder zur Welt kommt: „Ich erinnere mich noch sehr genau an die Zeit damals“, erzählt sie. „Ich erlebte die Schwangerschaft meiner Mutter intensiv mit und ab dem Moment, als der Bruder da war, hatten wir einen ganz engen Draht zueinander. Das war damals meine erste Vollvorsorge und da wusste ich, dass ich Hebamme werden möchte.“

Anne Simon wächst als Kind in Oppenheim auf, später zieht die Familie nach Mainz, wo sie ihre Mittlere Reife absolviert. Ihr Berufswunsch ändert sich im Laufe der Jahre nicht mehr. Allerdings ist sie nach ihrem Schulabschluss noch zu jung und macht vorerst die Ausbildung zur Arzthelferin. Im Anschluss geht sie nach Hamburg. „Dort gab es die erste Schule, bei der die Ausbildung nichts kostete und man dazu 400 Mark Taschengeld bekam. Die einzige Bedingung: Wir mussten in der Klinik wohnen.“ Währendessen lernt Simon ihren Mann kennen.

Anzeige

Der Auslandskorrespondent lebt in London und ist gerade auf der Durchreise, „zwischen uns ging alles recht fix und ich bin nach meinem Abschluss in Hamburg mit ihm nach London gegangen“. Nach einem halben Jahr kommt das Paar zurück nach Deutschland und wieder hat Simon Glück: Sie erhält einen Job in der Augenheilanstalt in Wiesbaden, in der auch Geburtshilfe angeboten wird. Doch allzu lange sollte sie in Wiesbaden nicht bleiben.

Nach der Hochzeit 1974 geht Anne Simon mit ihrem Mann nach New York. Aus geplanten drei Jahren werden zehn und in dieser Zeit bringt die junge Frau selbst ihren Sohn Daniel auf die Welt. Eigentlich eine einfache Geburt, erleidet sie im Anschluss eine atonische Nachblutung. Die Folge: Simon wird die Gebärmutter entfernt. Für eine Hebamme ein bitterer Moment, „ich hatte damals Glück, überhaupt zu überleben. Dieses Erlebnis hat mich sehr geprägt. Heute denke ich, dass es so sein sollte.“

Nach zehn Jahren New York geht Anne Simon zurück nach Mainz und bekommt ein Angebot, „ein Professor, mit dem ich über all die Jahre in Kontakt geblieben war, fragte mich, ob ich mit ihm eine Hebammenschule aufbauen und leiten wolle“. Die Schule geht 1985 an den Start. Anne Simon kümmert sich um die Dozenten, wählt die Schülerinnen aus, managt die Schule. Dennoch merkt sie nach ein paar Jahren, dass dies noch nicht ihr Weg ist. Sie kündigt und macht sich selbstständig.

Ihre letzte Hausgeburt begleitete Anne Simon 2013. Für die Vor- und Nachsorge ist sie aber weiterhin da und auch ihre werdenden Mütter können sie jederzeit erreichen, wenn Fragen aufkommen. Jeden Mittwoch bietet Anne Simon einen Kurs für werdende Mütter in Gonsenheim an, im Anschluss treffen sich alle in einem Café. Und die Männer? „Männer müssen nicht wissen, wie man hechelt und deshalb brauche ich sie nicht in meinem Kurs. Aber Männer haben trotzdem eine sehr wichtige Funktion bei der Geburt, weshalb ich mich vor dem Termin mit ihnen treffe und ihnen ihre Aufgaben erkläre.“

Anzeige

Seit 1991 gibt es außerdem das Netzwerk „Anne Simon“, mit dem die Hebamme einige Projekte auf die Beine stellt. Mittlerweile sind Ärztinnen, Heilpraktiker oder auch Psychotherapeuten unter den Mitgliedern. Simon selbst hält bis heute regelmäßig Vorträge.

Ist sie mal nicht im Amt, schreibt sie Gedichte, Kinderbücher oder kümmert sich um ihre vier Enkelkinder. Vor allem aber ist sie eines: Hebamme mit Herz und Leidenschaft, die immer für andere da ist.