Lieferdienst „Mainz liefert“ hört auf

Mit blauen Rucksäcken sind die Fahrer von „Mainz liefert“ unterwegs und liefern Speisen aus. Eine Organisation aus Frankfurt übt heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen.  Archivfoto: Sascha Kopp

"Mainz liefert" stellt den Betrieb ein: Das gab das Unternehmen am späten Donnerstagabend auf seinen Social Media Kanälen bekannt.

Anzeige

MAINZ. Der Lieferdienst „Mainz-Liefert“ stellt den Betrieb ein, wie das Unternehmen auf seiner Homepage und auf mehreren Social Media-Kanälen mitteilt. Gestartet zu Beginn der Pandemie im März 2020 war es das erklärte Ziel des Unternehmens, den Mainzer Gastronomen zu ermöglichen, trotz Lockdowns weiter ihre Kunden zu erreichen. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings zuletzt Gegenstand deutlicher Kritik seitens einer Gewerkschaft und auch eines Verfahrens beim Arbeitsgericht im Sommer 2021.

Gegründet wurde der Lieferdienst von vier jungen Unternehmern, die zuvor vor allem Events in Clubs in Süddeutschland organisiert hatten. Mit dem Beginn der Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 starteten die Anfang bis Mitte 20-Jährigen den Lieferdienst, der im Januar 2021 nach eigenen Angaben bereits mit rund 50 Restaurants in Mainz zusammenarbeitete und 73 Mitarbeiter beschäftigte. Insgesamt habe „Mainz-Liefert“ in den zwei Jahres seines Bestehens 85.000 Bestellungen ausgefahren, heißt es nun im Statement des Unternehmens zur Einstellung des Betriebs. Man habe „das Beste gegeben und der Gastronomie eine Möglichkeit gegeben, ihre Kunden auch zu Hause weiterhin zu erreichen“. Das Liefergeschäft überlasse man nun aber „den großen Global Playern“.

Anzeige

Welche Rolle die Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei „Mainz-Liefert“ bei der Schließung spielt, ist unklar. Bereits 2020 hatte eine Mitarbeiterin wegen rechtswidriger Inhalte im Arbeitsvertrag und ausgebliebenen Zahlungen das Unternehmen verklagt. Das Verfahren endete im Sommer 2021 mit einem Vergleich, in dessen Rahmen „Mainz-Liefert“ hohe Nachzahlungen leisten musste (entsprechende Dokumente liegen uns vor).

Anfang 2022 organisierte zudem die „Freie Arbeiter*innen Union“ (FAU) Proteste vor der Zentrale des Lieferdienstes, um auf nach ihrer Darstellung „inakzeptable Arbeitsbedingungen“ aufmerksam zu machen. Hierauf reagierte das Unternehmen damals mit einer Stellungnahme, in der betont wurde, dass die Mitarbeiter nicht durch die FAU vertreten würden.