Ingelheimer Aue in Mainz: Neues Kraftwerk ist in Deutschland...

In blaue Folie verpackt sind die riesigen Gasmotoren, die von einem Rigakran in den Neubau des Blockheizkraftwerks auf der Ingelheimer Aue eingehoben  werden. Fotos: Harald Kaster  Foto:

Hochgerechnet rund 50 000 Haushalte hängen in Mainz am Fernwärmenetz. Der Uni-Campus, die Unimedizin, Ministerien, der Dom, mehrere Wohngebiete – die Heizungen in diesen...

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MAINZ. Hochgerechnet rund 50 000 Haushalte hängen in Mainz am Fernwärmenetz. Der Uni-Campus, die Unimedizin, Ministerien, der Dom, mehrere Wohngebiete – die Heizungen in diesen Gebäuden werden mit Fernwärme gespeist. Meist kommt das heiße Wasser von Kraftwerken auf der Ingelheimer Aue. Und um die Versorgung sicherzustellen, investieren die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) jetzt sehr viel Geld. Mit 100 Millionen Euro ist das auf der Industrie-Halbinsel entstehende Blockheizkraftwerk (BHKW) die größte Investition in Mainz, berichtet Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Mittwoch bei einem Pressetermin auf der Baustelle.

In blaue Folie verpackt sind die riesigen Gasmotoren, die von einem Rigakran in den Neubau des Blockheizkraftwerks auf der Ingelheimer Aue eingehoben  werden. Fotos: Harald Kaster  Foto:
Auch die Pumpen, die in die neue Anlage der KMW eingebaut werden, haben beachtliche Dimensionen.  Foto:

Motor ist so schwer wie 140 Kleinwagen

Anlass des OB-Besuchs war das Einheben eines der zehn riesigen Gasmotoren mit einem Riga-Kran in den Kraftwerksneubau. 140 Tonnen wiegt ein solcher Motor, das entspricht dem Gewicht von 140 Kleinwagen, sagte KMW-Aufsichtsratsvorsitzender Ebling.

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Die Anlage ist für Mainz von großer Bedeutung. Bislang wird das Fernwärmenetz über insgesamt 70 Kilometer lange Leitungen aus der im Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) bei der Stromproduktion entstehenden Wärme versorgt. Aufgrund schwankender Preise an der Strombörse läuft die GuD-Anlage aber nicht mehr rund um die Uhr, sondern nur noch 3500 bis 4000 Stunden im Jahr, erklärte der KMW-Vorstandsvorsitzende Dr. Lars Eigenmann. Also meist zu den Zeiten, an denen Windkraft oder Solaranlagen nicht ausreichend Strom liefern.

Mit dem Blockheizkraftwerk, das in zwei Minuten hochgefahren werden kann, will die KMW eine Versorgungslücke bei der Fernwärme während der GuD-Stillstandzeiten vermeiden. Zumal in der Stadt weitere große Neubaugebiete wie der Zollhafen und das Heiligkreuz-Viertel ans Fernewärmenetz angeschlossen werden.

Neben dem Blockheizkraftwerk errichtet die KMW eine Anlage, in der Fernwärme gespeichert wird, um je nach Bedarf das heiße Wasser ins Netz einspeisen zu können. Der Wärmespeicher soll zur Heizperiode im Winter 2018 in Betrieb gehen. Dabei handelt es sich um eine Anlage, in der die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme genutzt wird, um Wasser in mehreren riesigen gedämmten Spezialbehältern zu erwärmen.

Vor knapp zehn Monaten hat der Bau des Blockheizkraftwerks begonnen. Für die KMW und die finnische Herstellerfima Wärtsilä Energy Solutions ist nun ein wichtiger Meilenstein erreicht: Spezialkräne hieven seit dem 5. Februar die Gasmotoren in das Gebäude auf dem KMW-Gelände ein. Sieben der zehn Motoren sind inzwischen eingebaut – die anderen folgen in den nächsten Tagen. Läuft auf der Baustelle, auf der bis zu 80 Leute arbeiten, weiterhin alles glatt, kann das Gasmotorenwerk Ende 2018 in Betrieb gehen. Aus Erdgas soll damit effizient und umweltfreundlich Wärme und Strom erzeugt werden. Die Motoren der Wärtsilä Corporation sind die Herzstücke des Kraftwerks und kamen im Herbst auf dem Wasserweg nach Mainz. Jeder der gut 13 Meter langen und fünf Meter breiten Motoren verfügt über eine elektrische Leistung von zehn Megawatt. Das 100-Megawatt-Kraftwerk nutze mit über 85 Prozent die Energie des Erdgases hervorragend aus, betonten Eigenmann und KMW-Vorstand Stephan Krome. Ebling: „Das neue Blockheizkraftwerk benötigt im Vergleich zum bestehenden Gas- und Dampfturbinenkraftwerk deutlich weniger Erdgas bei gleicher Fernwärmeerzeugung für Mainz und ist damit sehr umweltfreundlich.“ In Deutschland seien die KMW mit dieser Anlage ein Vorreiter. Nur in Kiel werde ein vergleichbares Blockheizkraftwerk gebaut, so Eigenmann.

Von Michael Erfurth