Hochschulpräsident klagt: Es wird eng auf Gelände an der...

Das Gelände in der Nähe der Fachhochschule. Foto: Harald Kaster

Multifunktionshalle, Hochschulerweiterung, IGS, andere neue Gebäude: Hochschulpräsident Muth sieht die zahlreichen Ideen für das Gelände an der Saarstraße in Mainz...

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MAINZ. Der 10. November begann unschön für Prof. Gerhard Muth. Als er die AZ aufschlug, wollte er sie am liebsten direkt wieder wegwerfen, erzählt er. „Ich dachte: Nicht schon wieder!“ Unter einem großformatigen Bild der Felder, die zwischen Saarstraße und Stadion an die Hochschule grenzen, erklärte dort der Präsident des Sportbundes Rheinhessen seine Ideen für das Gelände: Eine Multifunktionshalle, ein neues Haus des Sports und eine neue Sportschule könne er sich dort vorstellen, erklärte Helmut Graf von Moltke.

Eine ganze Sportstadt entstand vor dem inneren Auge. Was Hochschulpräsident Muth dabei allerdings fehlte, war ein zentraler Begriff: „Hochschulerweiterungsgelände“. Denn als solches ist die Fläche zwischen Saarstraße und Hochschule aktuell im Bebauungsplan ausgewiesen.

Und trotzdem habe niemand das Gespräch mit ihnen gesucht, beschweren sich Muth und Hochschulkanzlerin Dr. Valérie Schüller. Weder der Sportbund, noch Bürgermeister Günter Beck, der die Idee wenige Tage später als „charmant“ bezeichnete, noch Schuldezernent Dr. Eckart Lensch, der am Europakreisel gerne die vierte IGS errichten würde. In jedem dieser Fälle habe er die neuesten Ideen aus der Zeitung erfahren, sagt Muth. Und die Details, etwa zu den IGS-Plänen, seien ihm bislang immer noch nicht bekannt.

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Ein Vorgehen, das ihm nicht gefällt. „Ich stelle mir das so vor, dass man gemeinsam über solche Dinge spricht.“ Beim Stadion der 05er sei das im Vorfeld so gelaufen und habe gut funktioniert. „Deshalb finde ich, man sollte alle Beteiligten an einen Tisch holen. Dann kann man über alles diskutieren. Wir wollen gar nicht als die Verhinderer oder Nein-Sager auftreten.“ Doch es brauche ein Gesamtkonzept.

Hochschule benötigt weitere Flächen

Denn auch die Hochschule benötige weitere Flächen, betont der Hochschulpräsident. Im Foyer wird die Studierendenzahl der Hochschule auf einer Tafel noch mit 5.000 angegeben. Doch die Marke ist längst Geschichte: Über 5.600 Studierende lernen mittlerweile an den unterschiedlichen Standorten, die bald auf dem Campus an der Koblenzer Straße zusammengeführt werden sollen. Auf einer Fläche, die im Moment als Schotterparkplatz verwendet wird, soll ab 2020 der zweite Bauabschnitt entstehen. 2023 sollen die neuen Gebäude stehen, in die dann Fachbereiche einziehen, die derzeit noch in der Innenstadt angesiedelt sind.

„Aber auch wenn der zweite Bauabschnitt fertig ist, wird es eng“, sagt Muth. Deshalb müsse seiner Meinung nach 2023 schon der dritte Bauabschnitt vorbereitet sein. „Denn wir wachsen stetig“, betont Kanzlerin Schüller. Und das Hochschulerweiterungsgelände sei die einzige Fläche, auf der sich die Hochschule noch weiterentwickeln könne. „Es darf nicht sein, dass wir dann schon wieder keinen Platz haben.“

Und nicht nur für sich selbst brauche die Hochschule mehr Platz: Wie im Bebauungsplan vorgesehen, sei eigentlich geplant, in der Nähe der Hochschule Firmen anzusiedeln, die wie in den USA von der Nähe zum Campus profitieren könnten. Für Ausgründungen, etwa der besonders forschungsstarken Geo-Informatiker, könne das sehr interessant sein, sagt Muth.

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Muth klingt wenig optimistisch

Und man sei mit den Interessen nicht allein: Bei dem Vorhaben, die Flächen als Hochschulerweiterungsgelände nutzen zu können, ziehe man mit der benachbarten Johannes Gutenberg-Universität an einem Strang. Von dort kommen allerdings auf Nachfrage deutlich zurückhaltendere Töne: Man sei zunächst an der „Arrondierung der Gebäudesituation auf dem Campus“ interessiert, erklärt Sprecherin Petra Giegerich. Falls aber Erweiterungsflächen außerhalb des Campus benötigt würden, habe man „ein gemeinsames Interesse mit der Hochschule Mainz, dass hierfür die Fläche zwischen Saarstraße und der Hochschule zur Verfügung steht“.

Ob es möglich sei, auf dem Gelände die Interessen aller Beteiligten zu verwirklichen, könne er nicht einschätzen, sagt Hochschulpräsident Muth. Dafür wisse er nicht genug über die anderen Projekte. Optimistisch klingt das allerdings nicht.