Hinter den Kulissen von „Mainz bleibt Mainz“: Neues aus...

Der eine kommt, der andere geht... Lars Reichow hetzte wenige Minuten vor seinem Auftritt ins Schloss (Mitte). Und Hans-Peter Betz verabschiedet sich heute abend in der Live-Sendung als Guddi Gutenberg. von der „Mainz bleibt Mainz“-Bühne.   Foto:

So allmählich wird‘s knapp. „Der Lars hat bestimmt die Freitagszeit im Kopf“, meint einer. Die Livesendung startet schließlich eine Stunde später als die Generalprobe....

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MAINZ. So allmählich wird‘s knapp. „Der Lars hat bestimmt die Freitagszeit im Kopf“, meint einer. Die Livesendung startet schließlich eine Stunde später als die Generalprobe. „Wahrscheinlich ist er von vier AfDlern entführt worden“, mutmaßt Hans-Peter Betz – und erntet Kichern.

Der eine kommt, der andere geht... Lars Reichow hetzte wenige Minuten vor seinem Auftritt ins Schloss (Mitte). Und Hans-Peter Betz verabschiedet sich heute abend in der Live-Sendung als Guddi Gutenberg. von der „Mainz bleibt Mainz“-Bühne.   Foto:
Maskenbildner Guido Paefgen machte zuerst Andreas Schmitt (oben) komiteetauglich, dann verpasste er Frank Brunswig die Trump-Visage (Mitte). Und Thorsten Ranzenberger gönnte sich nach seinem gelungenen Debüt erstmal ein Getränk mit Techniker Peter Weitmann (unten).   Foto:
Diesen Blick haben die Redner auf den Saal, wenn sie durch die Showtür auf die Bühne treten. Fotos:Sascha Kopp  Foto:

Nur noch ein paar Minuten bis zu Lars Reichows Auftritt bei der Generalprobe zu „Mainz bleibt Mainz“ – und der „Anchorman der Fastnachtsthemen“ ist noch nicht in Sicht.

Andy Ost, der eigentlich nach ihm dran ist, steht schon in den Startlöchern, um auf die Bühne zu gehen. Da fliegt die Tür auf, Lars Reichow hetzt mit Sturmfrisur in Richtung Backstage-Bereich. Wer den zuständigen SWR-Redakteur Günther Dudek kennt, der weiß, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Lars Reichow schafft es an diesem Abend.

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Gleich mehrere Techniker hakeln Reichow das Mikro ans Gesicht, irgendjemand reicht ihm eine Mappe mit einem Text. Hektisch beginnt er, auf den Seiten herumzukritzeln. Das, was er da in der Hand hält, ist nicht seine Rede, es ist ein alter Entwurf seines Vortrags.

Noch eine Minute bis zum Auftritt – es bleibt ihm nichts anderes übrig, er geht raus, mit Schweißperlen auf der Stirn und mit dem falschen Text in der Hand.

Später wird sich manch einer wundern, welch seltsamen Auftritt Lars Reichow da hingelegt hat. Reinhard Urban, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins, ärgert sich direkt nach der Sitzung über den seiner Meinung nach misslungenen Auftritt Reichows. Da wusste er noch nichts von dem Drama hinter den Kulissen.

Aus dem Gartenhaus ausgesperrt

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Die Story, die Lars Reichow als Erklärung für seine Verspätung auftischt, kann man nicht schöner erfinden: Er habe sich aus seinem Gartenhaus, in dem sich sein Arbeitszimmer befinde, ausgesperrt. Drinnen lag der Vortrag. Die Kinder seien ihm zu Hilfe geeilt, hätten dann versucht, über eine Luke im Dach mithilfe eines Magneten nach dem Schlüssel zu angeln – ohne Erfolg. Er musste also ohne Text ins Schloss. Weswegen die Zuschauer im Saal am Mittwoch einen anderen Reichow-Auftritt erlebt haben als ihn die Fernsehzuschauer am heutigen Freitag sehen werden.

Der Rest der „Mainz bleibt Mainz“-Aktiven ist an diesem Abend glücklicherweise pünktlich – und mitunter ziemlich aufgeregt.

Thorsten Ranzenberger hat sein Debüt bei „Mainz bleibt Mainz“ hinter sich, erleichtert, dass sein „Schwellkoppträscher“-Lied gut angekommen ist –und das, obwohl er schon 40 Auftritte in der Kampagne hinter sich hat. Seit 30 Jahren macht er Musik, seit zehn Jahren tritt er in der Fastnacht auf. Jetzt der Ritterschlag, bei „Mainz bleibt Mainz“ dabei sein zu dürfen. „Das ist eine absolute Ehre“, freut er sich. Mit dabei ist, wie immer, sein Techniker, Peter Weitmann. Der nimmt ihn auch diesmal nach dem Auftritt in Empfang, hängt ihm das Handtuch um, gibt ihm was zu trinken. „Der Peter ist für mich unersetzlich. Der ist mein Mädchen für alles“, meint der 37-Jährige. Ganz fremd ist ihm die Backstage-Technik im Schloss übrigens nicht. Im Hauptberuf ist Thorsten Ranzenberger Teamleiter der Aufnahmeleiter beim ZDF – und ganz nebenher inzwischen Aktiver unter anderem bei seinem Heimatverein, dem CKV Bretzenheim „Die Uffstumber“, beim KCK, beim MCC, beim MCV und bei den Eiskalten.

Mulmig, bevor's auf die Bühne geht

Frank Brunswig, als Fernsehkoch auch nicht gerade kamerascheu, lässt sich da gerade erst schminken. „Ich hab meine Ernährung umgestellt“, witzelt er. „Viele Karotten.“ Sein Gesicht wird von Maskenbildner Guido Paefgen in Trump-Gelb eingefärbt. Kurz bevor‘s auf die Bühne geht, wird‘s ihm dann doch ein bisschen mulmig: „Warum denn jetzt schon, lieber Gott?“ Die Trump-Show, die er mit Thomas Becker hinlegt, wird zur umjubelten Vorstellung. Klar, dass er sich danach erstmal eine kubanische Zigarre gönnt.

Andere gehen von der Bühne direkt Richtung Theke. „Wie heißt die Kneipe hier?“ „Das ist die Bar zum scheppe Aff‘“, ruft Corinna Leber. Sie hat hier das Sagen – und sie hat dieses Jahr für mehr Häppchen und Süßes als sonst gesorgt. Ihr Mann und MCV-Vizepräsident Alexander Leber lehnt nach seinem Auftritt entspannt in der Ecke. „Die Sitzung bietet eine gute Mischung“, findet er. „Wir machen hier in Mainz eine großartige Fastnacht. Und müssen unser Gemeinschaftsgefühl leben. Schließlich vertreten wir Mainz.“

Erhard Grom, der nach zehn Jahren erstmals wieder in der „Mainz bleibt Mainz“-Bütt steht, strahlt übers ganze Gesicht ob seines gelungenen Protokolls. „Es war toll. Wie früher.“

Dann wird‘s plötzlich voll in der „Bar zum scheppe Aff‘“. „Macht Platz, die Schnorreswackler kommen, die habbe Dorscht!“, ruft Hofsänger-Kapitän Christoph Clemens. Bierkorken ploppen, Flaschen klirren. Hans-Peter Betz stößt mit den Kollegen an. Es sei sein letzter Auftritt bei „Mainz bleibt Mainz“ gewesen, sagt er. Und sein letzter Auftritt als Guddi Gutenberg. Kommendes Jahr will er in einer anderen Rolle – zumindest bei den GCV-Sitzungen – wiederkommen, meint er. Und denkt schonmal laut über eine Rückkehr des „Schiffschaukelbremsers“ nach...