Geschichten ohne Menschen: Sarah Zagefka zeigt ihre Werke im...

Sarah Zagefka eröffnet mit ihren Bildern ein Universum aus Zimmern, Ateliersituationen und vielem mehr. Foto: hbz/Sämmer  Foto: hbz/Sämmer

Vor dem „Club Diamond“, dessen Eingang ein riesiger realistisch gemalter Diamant ziert, steht ein schweres Motorrad, bemalt mit zischelnden Feuerflammen in glühendem Rot...

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MAINZ. Vor dem „Club Diamond“, dessen Eingang ein riesiger realistisch gemalter Diamant ziert, steht ein schweres Motorrad, bemalt mit zischelnden Feuerflammen in glühendem Rot auf schwarzem Lack. Eine graue Stahltür mit Längsstreben wirkt abweisend. Rechts und links vom Eingang hängen zwei Automaten – Zigaretten, Kondome, man weiß es nicht genau. Die Malwelt von Sarah Zagefka ist real und in höchstem Maße detailgetreu.

Die 1977 in Münster geborene Künstlerin zeigt ihre fotorealistische Malerei nun im Kunstverein Eisenturm. Hier eröffnet sich ein Universum, das aus Zimmern, Ateliersituationen, Außenansichten von Kiosken, skurrilen Läden und einer Reihe Miniaturen, die nächtliche Szenarien auf Campingplätzen einfängt, besteht. Auffallend ist, dass auf keinem Bild Menschen zu sehen sind. Und trotzdem erzählt jedes Werk die Geschichte der Bewohner, die durch die Räumlichkeiten definiert werden. „Am Anfang“, sagt Sarah Zagefka, „habe ich direkt in den Zimmern oder Atelierräumen gemalt, das kann ich den Bewohnern heute nicht mehr zumuten“.

Fotografien, realistisch nachgemalt

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Jetzt fotografiert sie, was sie sieht, und malt es im heimischen Atelier in München realistisch nach. Da berührt das Muster des rotbraunen Teppichs ob der großen Detailverliebtheit. Ebenso ergeht es dem Betrachter bei den Miniaturen der Campingplatz-Atmosphäre bei Nacht. „Bei meinem Gang zur Dusche auf dem Campingplatz, wo auch wir waren“, erzählt die Künstlerin, „fielen mir die Campingwagen und ihre heimelige Ausstrahlung im Dunkeln auf.“ Die Faszination trauter Zweisamkeit mit Lichterketten und Campingmöbeln vor den Wohnwagen reflektiert jedes einzelne Werk. Während einer Studienreise nach New York faszinierten Sarah Zagefka die vielen kleinen Läden und Cafés mit ihrer individuellen Außen- und Schaufenstergestaltung vor der Skyline New Yorks. Zu Hause hat sie diese Straßenensembles nachempfunden.

Der Maluntergrund der Künstlerin ist nicht die Leinwand, sie malt auf MDF Platten, ein festes Holz, das sich nicht verzieht und die Oberfächen der Malwerke betont. Jedes Bild von Sarah Zagefka ist ein kleines Universum, in dem man sich verlieren kann.