Generationen von Mainzer Schülern besuchen Landschulheim...

Viele Mainzer Schüler haben schöne Erinnerungen an das Schullandheim Winterburg. Foto: Schullandheim Winterburg

Der Name Landschulheim Winterburg wird bei sehr vielen Mainzer Schülern positive Erinnerungen hervorrufen. Denn ein Aufenthalt dort war kein alltägliches Erlebnis. Nun stiegt...

Anzeige

MAINZ. Generationen von Mainzer Schülern haben Winterburg als kleine Welt erlebt. In ihr galt ein eigenes Regelwerk, das Küchendienste ebenso kannte wie feste Zeiten zum Duschen. Für ein paar Tage waren die Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung auf die Größe eines Spindes beschränkte, dafür aber eröffneten sich großartige Gemeinschaftserlebnisse.

Viele Mainzer Schüler haben schöne Erinnerungen an das Schullandheim Winterburg.
Im Laufe der Jahre hat sich das Heim immer weiter entwickelt und modernisiert. Zuletzt musste in den Brandschutz investiert werden. In diesem Zuge wurde auch der Speicher ausgebaut. 2012.
2012 noch im Rohzustand, konnten Vorstandsmitglieder in diesem Jahr schon die Betten aufbauen.

Dass auch die große Welt Einfluss auf die Umgebung des Schullandheims nahm, durfte erleben, wer in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts dort war und auf einer der gar nicht wegzudenkenden Wanderungen plötzlich auf eine leergeräumte Fläche blickte, auf der wenige Jahre zuvor noch ein Dorf gestanden hatte. Tribut an den Kalten Krieg, der in Gestalt des Nato-Flugplatzes Pferdsfeld auch im Hunsrück hautnah zu sehen und vor allem zu hören war.

Wer einige Schuljahre später nach Winterburg zurückkehrte, vielleicht als Tutor für jüngere Schüler, erlebte die Veränderungen, die großen wie die kleinen. Der Kalte Krieg und der Flugplatz waren bald Geschichte, während die unbequemen Metallbetten, die so gar nicht das erste Heimweh vergessen lassen wollten, durch gemütlichere Holzbetten ersetzt worden waren.

Anzeige

Kein alltägliches Erlebnis

Diese Verbesserungen im Kleinen verdankten sich häufig ehrenamtlichem Engagement von Lehrern, Schülern und vor allem von Mitgliedern der schon 1955 ins Leben gerufenen Schullandheim-Vereinigung, die vier Jahre nach ihrer Gründung das barocke Gebäude für die ersten Mainzer Schüler geöffnet hatte. Denn die hoch über dem Ort Winterburg gelegene Anlage hat eine bewegte Geschichte, was man als Schüler der fünften oder sechsten Klasse zwar nicht im Detail wusste, aber doch auf Schritt und Tritt spürte. Zum Beispiel wegen der Mauerreste in unmittelbarer Nähe, die an die mittelalterliche Bebauung mit einer Burg erinnern. An deren Stelle – genauer gesagt: an Stelle ihrer Vorburg – befindet sich heute das Schullandheim-Gebäude. Es wurde 1747 als Amtshaus errichtet und konnte sich lange eine geheimnisvoll knarzende Aura bewahren. Wenn die Kindheitserinnerung da nicht trügt.

Wie es sich auf die klimatischen Veränderungen in der großen Welt in der kleinen des Schullandheims reagieren lässt, erfahren die Schüler seit 1995 anhand der damals noch pionierhaften Solaranlage, die zur Warmwasserversorgung beiträgt. Denn Winterburg war nie ein fertiges, gar touristisches Produkt, sondern bedeutete für seine Gäste immer, den Alltag gemeinsam und unter ungekannten Vorzeichen zu erleben. Was jeden Winterburg-Aufenthalt dann auch zu einem garantiert nicht alltäglichen Erlebnis werden ließ, das noch Jahrzehnte später Erinnerungen weckt und deshalb zum verbindenden Austausch mit anderen Mainzer Schülern und Schülergenerationen einlädt.

Investitionen in den Brandschutz

Anzeige

Gewiss auch deshalb waren das Interesse sowie die Spendenbereitschaft groß, als vor einigen Jahren die Nachricht die Runde machte, die Existenz des Schullandheims sei in Gefahr. Der Brandschutz verlangte erhebliche Investitionen, die nur dank großzügiger Unterstützung aus Mainzer Schulen und von hiesigen Unternehmen möglich wurden. Unter der Verantwortung der Schullandheim-Vereinigung mit ihren 200 Mitgliedern galt es außerdem, das Dach auszubauen, so dass beim Schlossfest am kommenden Samstag, 18. August, der neue Gruppenraum im Speicher eröffnet wird. Außerdem können die Besucher das frisch errichtete Treppenhaus ebenso in Augenschein nehmen wie die neu aufgeteilten Zimmer.

Das Bühnenprogramm wird von den Mainzer Schulen bestritten, die regelmäßig nach Winterburg fahren, während die Freiwilligen Feuerwehren aus der Winterburger Umgebung ihren Beitrag zu Bewirtung leisten. Denn auch wenn nun eine sechsjährige Bau- und Renovierungsphase zu Ende gegangen ist, lehrt die Erfahrung: Winterburg erneuert sich ständig. Ein Grund mehr, sich beim Schlossfest vor Ort ein aktuelles Bild zu machen. Es wird sich bestimmt schon bald wieder ändern.