Feuerwehr kämpft gegen Großbrand in der Rheingoldhalle

Nach dem Brand Mitte Mai steht nun Schadensbegrenzung an. Archivfoto: Sascha Kopp

Der Großbrand in der Mainzer Rheingoldhalle ist gelöscht, die Einsatzkräfte sind weiter auf der Suche nach kleineren Glutnestern. Teile der Holzdachkonstruktion sind bereits...

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Ein Großbrand beschäftigt derzeit die Feuerwehren aus Mainz und der Umgebung. Das Dach der Rheingoldhalle steht in Flammen. Über 100 Einsatzkräfte versuchen derzeit, das Feuer einzudämmen. Schwierigkeit bereitet den Einsatzkräften, an die Brandnester heran zu kommen. Der beißende Brandrauch zieht in die Mainzer Innenstadt. Die Umgebung ist weiträumig abgesperrt. Foto: Sebastian Stenzel/Wiesbaden112.de
Ein Großbrand beschäftigt derzeit die Feuerwehren aus Mainz und der Umgebung. Das Dach der Rheingoldhalle steht in Flammen. Über 100 Einsatzkräfte versuchen derzeit, das Feuer einzudämmen. Schwierigkeit bereitet den Einsatzkräften, an die Brandnester heran zu kommen. Der beißende Brandrauch zieht in die Mainzer Innenstadt. Die Umgebung ist weiträumig abgesperrt. Foto: Sebastian Stenzel/Wiesbaden112.de
Kein Verständnis hatten Passanten für die Sperrungen rund um den Brandort - Retter seien teils massiv angepöbelt worden.

Das Feuer in der Mainzer Rheingoldhalle ist gelöscht, doch die Arbeiten dauern an. Das teilte Oberbürgermeister Michael Ebling am Nachmittag mit. Derzeit sei die Feuerwehr noch auf der Suche nach kleineren Glutnestern in der Zwischendecke, um diese dann auch noch zu löschen. Dafür muss die hölzerne Dachkonstruktion noch weiter geöffnet werden. Teile dieser Holzdachkonstruktion sind jedoch bereits schon eingestürzt. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, die Betondecke der Rheingoldhalle von unten abzustützen. Das ist notwendig, weil ein Bagger aufs Dach gebracht werden soll, um den dort liegenden Schutt und tonnenweise Kies abzutragen. Außerdem ist seit 14.30 Uhr ein Polizeihubschrauber im Einsatz, der von oben mit einer hochauflösenden Kamera Aufnahmen der Halle macht, um einen besseren Überblick zu bekommen. „Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde – auch von den Einsatzkräften nicht“, so Ebling weiter.

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Um 6.20 Uhr war ein Feuer in der Dachkonstruktion gemeldet worden. Innerhalb von Minuten waren die Einsatzkräfte angerückt, die mehrere Stunden brauchten, um das Feuer zu löschen. Die Löscharbeiten gestalteten sich als sehr aufwändig, weil die Feuerwehr über einen längeren Zeitraum versuchte, die Dachkonstruktion zu öffnen, um an den Brandherd heranzukommen.

Aufgrund der zunächst starken Rauchentwicklung – aus dem Dachgeschoss der Halle waren dunkle Wolken nach draußen gezogen – wurden die Anwohner gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten, außerdem Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Mittlerweile wurde diese Forderung aufgehoben. Fenster und Türen können also wieder geöffnet, Lüftungs- und Klimaanlagen eingeschaltet werden.

Feuerwehrleute aus der ganzen Region vor Ort

Zeitweise waren über 100 Einsatzkräfte aus Mainz, dem Kreis Mainz-Bingen und Wiesbaden vor Ort, außerdem die Werksfeuerwehren von Schott und Boehringer Ingelheim. Weitere 70 Einsatzkräfte hielten sich in den Wachen bereit. Ab dem frühen Nachmittag konnten erste Einsatzkräfte der Feuerwehr wieder abrücken.

Die Brandursache ist weiterhin unklar. Sicher ist aber, dass das Feuer im Bereich des sich in Renovierung befindlichen Abschnittes der Rheingoldhalle entstanden ist. Möglicherweise könnte es im Zuge der Bauarbeiten, die am Mittwochabend noch vonstatten gingen, zu einem Schwelbrand gekommen sein. Das ist nach AZ-Informationen auch für die Kripo, die nun ermittelt, ein naheliegendes Szenario. Die Feuerwehr spricht von einem „Zwischendeckenbrand“, wollte sich zu der Ursache des Brandes aber noch nicht genauer äußern und zunächst die Löscharbeiten abwarten.

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Die Polizei hatte am Morgen zunächst gemeldet, dass der Brand in der Tiefgarage des Hilton-Hotels ausgebrochen sei, weil dort die Brandmelder ausgelöst hatten. Teile des Hiltons wurden in der Zwischenzeit vorsorglich geräumt. Zwischenzeitlich waren auch einige Geschäfte am Brand geschlossen, diese haben nun aber wieder geöffnet.

„Es tut sehr weh, da ein Stück von Mainz brennt“, sagte OB Ebling. Die Rheingoldhalle habe sich zu einer wichtigen Veranstaltungsstätte entwickelt. „Wir waren auf dem Weg, sie unter hoher Druckdichte zu renovieren, um in der Branche mit den Wettbewerbern mithalten zu können“, so Ebling weiter. Welche Auswirkungen der Brand auf die Sanierung der Halle habe, werde man vermutlich erst in den kommenden Tagen abschätzen können. Der OB wollte sich zu möglichen Ursachen und der Schadenshöhe nicht näher äußern. Er sagte lediglich, dass es sich um einen „immensen Schaden“ handele.

Überblick 16.30 Uhr:

Der ursprünglich für heute in der Rheingoldhalle geplante SHK-Jahreskongress ist ins Schloss ausgelagert worden. August Moderer, Geschäftsführer von Mainzplus-Citymarketing, war zeitnah nach der Meldung an der Rheingoldhalle. „Ich bin schockiert und fassungslos“, sagte er. „Der Schaden ist noch nicht absehbar.“ Allerdings gebe es zwischen dem ersten, in Brand stehenden Abschnitt, und dem zweiten Abschnitt mit dem Gutenbergsaal eine Brandschutzwand. „Der Gutenbergsaal hat einen eigenen Technikkreislauf“, sagte Moderer.

Auch Paul Schröder, Inhaber des für die Sanierung der Rheingoldhalle zuständigen Büros „fs-archtitekten“ aus Darmstadt, bekam am Morgen einen „furchtbaren Schrecken“, wie er erzählt. „Das ist ganz entsetzlich. Ich bin froh, dass die Flammen mittlerweile aufgehört haben“, so der Architekt, der sagte, dass er durchgängig mit allen Beteiligten im Kontakt sei. Viele der Elemente, die sich noch in der Rheingoldhalle befinden, hätten im Zuge der Sanierung ohnehin erneuert werden sollen, so Schröder. „Aber man muss vor allem schauen, welcher Schaden durch das Wasser entstanden ist. Wasser ist das Hauptproblem“, sagte Schröder. Hierbei stelle sich vor allem die Frage, in wie weit der Parkettboden beschädigt sei. Denn der sollte eigentlich auch nach der Sanierung erhalten bleiben. „Wir müssen die Begehung abwarten“, sagte der Architekt.

Bürgermeister Günter Beck hatte sich am Morgen direkt aufs Fahrrad gesetzt, als er die Nachricht bekam. „Ich kann es noch gar nicht in Worte fassen“, schaute Beck ungläubig auf das Szenario. Für Beck steht schon jetzt fest, dass sich die Renovierungsarbeiten aufgrund des Brandes erheblich verzögern werden. „Das ist gerade vor dem Hintergrund des Termindruckes besonders bitter.“ Noch vor wenigen Wochen hatte sich Beck und Moderer optimistisch gezeigt, dass die Renovierung rechtzeitig fertig sein wird – gerade im Hinblick auf die kommende Kampagne der Fastnachter.

Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz sagte: „Es ist schwierig abzuschätzen, wann die Rheingoldhalle wieder zur Verfügung stehen wird.“ Der Mai zähle im Kongresswesen zu den umsatzstärksten Monaten und sei quasi komplett ausgebucht gewesen. „Wir müssen schnell dafür Sorge tragen, ein Ausweichquartier zu finden, weil wir noch nicht wissen, was baulich übrig bleibt.“

Die Vollsperrung der Rheinstraße wird bis mindestens Freitagmorgen andauern, teilte die Polizei am Nachmittag mit - der Einsatz werde auch in der Nacht fortgeführt. Vor allem im Berufsverkehr am Donnerstagmorgen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Auch die Auffahrt auf die Theodor-Heuss-Brücke von Mainz aus war nicht möglich.

Hier Fotos von unserem Bildredakteur Sascha Kopp:

Live-Update vom Nachmittag mit Statement von OB Michael Ebling

Hier ein Live-Update von 9.53 Uhr im Live-Video.

Hier unsere Live-Videos vom Donnerstagmorgen: