Farbenfrohe Politreden, beeindruckende Tänze und neue...

Das kommt davon, wenn man Büttenschieber aus Wiesbaden engagiert. Fast hätten die beiden, die als Pferdeersatz herhalten, den Komiteetisch zu Fall gebracht, als sie den...

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MAINZ. Das kommt davon, wenn man Büttenschieber aus Wiesbaden engagiert. Fast hätten die beiden, die als Pferdeersatz herhalten, den Komiteetisch zu Fall gebracht, als sie den Streitwagen mit der edlen Dame hereinfahren. Johannes Bersch, als grazile Moguntia, kann sich gerade noch festhalten, dann wettert er auch schon los. Und das so gar nicht damenhaft.

Bersch hat beim Karneval Club Kastel (KCK) die Rolle des Protokollers inne – und die füllt er herrlich locker, frech und unprätentiös aus. „Merkel, der Rotweinfleck im Kanzleramt. Einfach nicht wegzukriegen.“ Oder der „St. Martin aus Würselen“. Aber was ist eigentlich Würselen? „Das was Trump aufm Kopp hat?“ Der hat ja gemeinsam mit Kim Jong-un ohnehin „die bekloppteste Frisur seit Mooshammer“.

Mit Merkel auf die Salmonellen

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Es wimmelt beim KCK nur so vor Promis auf der Bühne: Die Eisbären (Leitung: Roman Trutzel und Christopher Ludwig) lassen, begleitet von ihren beeindruckenden Stimmen, Michael Jackson seinen Moonwalk aufführen, holen Elton John samt dem König der Löwen und den King of Rock‘n‘Roll auf die Bühne. Thorsten Ranzenberger mimt Maffay: „Irgendwo tief in mir, bin ich ein Narr geblieben“.

Mit seinen Politvorträgen wagt sich der KCK dieses Jahr an unkonventionelle Formate – die beim Publikum gut ankommen. Schade nur, dass, wie bei vielen anderen großen Vereinen, die Mainzer Lokalpolitik kaum Raum erhält.

Einer, der diesen Weg mit beschreitet, ist Gerald Kollek, ein ganz neues Gesicht in der Mainzer Bütt. Der professionelle Stimmenimitator aus Speyer wagt eine kurios-köstliche Reise auf die Salmonellen – mit an Bord sind illustre Gäste wie Angela Merkel, Norbert Blüm und Gerhard Schröder. Unglaublich, dass die urkomische Korrespondenz der Politiker tatsächlich aus nur einem Mund kommt.

Der Hoppes, Hansi Greb, reist da lieber selber in himmlische Gefilde und berichtet von seiner Reise nach Rom. Die pikantesten Reiseerlebnisse hat er sich für die Bütt aufgehoben. Er tanzt mit Narrenkapp um den Papst, überreicht ihm sogar selbst eine. Solange bis „Franziskus ganz verwirrt, und sich hat im Hut geirrt.“ Ein sehr lustiger Urlaubsbericht – gerade, da die Rom-Reise der Mainzer Narrenabordnung – wenn auch nicht ganz so chaotisch – tatsächlich stattgefunden hat.

Die Altrheinstromer sind mit Fleischworscht-Pralinen auf unterhaltsamer Partnersuche; und räumen schlussendlich wieder einmal mit ihrem „Handkäs mit Musik“ beim Publikum ab.

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Die Stimmung im Gutenbergsaal der Rheingoldhalle ist bestens – daran können auch die „Bad Vibes“ der Tanzgruppe „Unique“ unter der Leitung von Larissa Schweikard nichts ändern. Die bieten eine akrobatische und toll anzusehende Show; ebenso wie „Fit for Dance“ (Leitung: Katrin de Jong und Sarah Wenselowski), die zu zünftiger Schlager-Musik auf der Bühne kunstvoll und sportlich abrocken. Beim KCK tritt dieses Jahr sogar der Boss selbst im Narrenspektakel an: Club-Präsident Professor Dirk Loomans geht auf Nostalgie-Tour und gibt, ganz im Stil der 70er-Jahre-Stars Willi Görsch und Egon Häusler, gemeinsam mit Reinhard Schwarz die „Tramps von de Palz“. Das Publikum stimmt auf Anhieb begeistert mit ein – ein politisch angehauchtes Narrenvergnügen. Das hat auch Andy Ost dabei: Der singt von der Eiskönigin und wettert gegen Trump: „Über Trump macht man keine Witze, da lacht man direkt.“ Sein neuer Jamaika-Hit klingt ebenfalls vielversprechend: „No Lindner, no Cry ...“. Eine urkomische Schau.

Bernhard Knab, der seit 40 Jahren, davon 20 beim KCK, auf der Bühne steht, kommt in seiner Paraderolle als „Deitscher Michel“. Er macht seinem Ruf als knallharter Politredner alle Ehre. Nur einen spart er aus: „Für Erdogan und dessen Eskapade, ist mir die Fassenacht zu schade.“ Er erntet zu Recht tosenden Applaus des Publikums.

Markus Weber alias Fräulein Baumann erzählt von ihren Erlebnissen als Exponat der Körperwelten-Ausstellung, während sie überlegt, ob sich in ihrem Alter eine Langspielplatte überhaupt noch lohnt. Quietschfidel hat der Kabarettist aus Weinheim das Publikum im Griff.

Der KCK setzt immer mehr auf Bühnenprofis: Nach Markus Weber und Gerald Kollek ist Detlev Schönauer der nächste, der auch außerhalb der Fastnacht mit Komik Geld verdient. Und der ist wieder als munter mosernder Bio-Lehrer am Start. Er gibt sich so gar nicht gemüsefreundlich: „Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Vegetarier werden, hätte er die Tiere nicht aus Essen gemacht.“ Die närrische Kost, die der KCK diese Kampagne serviert, dürfte aber kaum einen Narren gaghungrig zurückgelassen haben.