Eltzer Hof in Mainz für mehr als fünf Millionen Euro...

Verkauft: Der Eltzer Hof geht an einen Käufer aus Montabaur, ein Alternativkonzept zur kulturellen Nutzung kam nicht zum Tragen. Foto: Harald Kaster

Mehr als fünf Millionen Euro zahlt ein Projektentwickler aus Montabaur nach Informationen dieser Zeitung für den Eltzer Hof. Das Bieterverfahren zum Verkauf des Barockpalais...

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MAINZ. Mehr als fünf Millionen Euro zahlt ein Projektentwickler aus Montabaur nach Informationen dieser Zeitung für den Eltzer Hof. Das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer der Immobilie zwischen Großer und Mittlerer Bleiche hatte das barocke Stadtpalais in einem Bieterverfahren angeboten.

Auch Investoren aus Mainz hatten sich beworben – dem Vernehmen nach lagen deren Angebote aber weit unter dem nun aufgerufenen Betrag. Insider sprechen von einem überhöhten Preis und zweifeln angesichts der fünf Millionen daran, dass das Objekt eine angemessene Rendite erzielt.

Das Finanzministerium bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass das Bieterverfahren abgeschlossen ist und aktuell Gespräche mit dem Meistbietenden laufen. „Es geht nun um die juristische Ausformulierung des notariellen Kaufvertrages“, sagte Ministeriumssprecherin Annika Herbel. Zu Details wollte sie sich mit Hinweis auf die vereinbarte Vertraulichkeit nicht äußern.

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Alternativ-Konzept kam nicht zum Tragen

Das Land macht dem künftigen Investor klare Auflagen, welches Konzept er an dem zentralen Standort in der Innenstadt umsetzen muss: gut 20 Wohnungen, Gewerbe, Platz für Kunst und Kultur, Restaurant, Vinothek, ein Veranstaltungsraum für etwa 100 Personen, Tiefgarage und ein moderner, 700 Quadratmeter großer Innenhof. Baurecht wurde bereits geschaffen.

Der alte Veranstaltungssaal für mehr als tausend Menschen, in dem bis zur Schließung 2004 Konzerte stattfanden, muss zurückgebaut werden. An dieser Stelle soll der Innenhof entstehen. Die 1965 im Barock-Stil errichtete Fassade soll weitgehend erhalten bleiben. Mit dem Verkauf der Immobilie sind auch endgültig alle Träume derjenigen geplatzt, die im Herzen der Stadt gerne weiterhin einen Konzertsaal gesehen hätten. Nach Informationen dieser Zeitung hatte ein Projektentwickler aus der Region beim Finanzministerium parallel zum Bieterverfahren ein Alternativkonzept vorgelegt.

Dies sah eine Ertüchtigung der Konzerthalle und ein durchgerechnetes Nutzungskonzept für Show- und Kulturveranstaltungen vor. Eine Wohnnutzung war dabei nicht vorgesehen. Gerechnet hätte sich das Konzept bei einem Kaufpreis von knapp zwei Millionen Euro, wobei sich der Projektentwickler angesichts der kulturellen Nutzung auch Hoffnung auf Fördermittel gemacht hätte.

Unter anderem an Räume für die Villa Musica oder auch das Philharmonische Staatsorchester hatte der Investor nach AZ-Informationen dabei gedacht, Kreative und andere Kulturschaffende hätten Platz für Konzerte, Ausstellungen oder Austausch finden können.

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Zukunft des 50 Grad bleibt offen

Offen ist derzeit die Frage, was aus der Diskothek 50 Grad im Keller des Palais wird. Die Betreiber des Clubs, Matthias Orlowski und Pascal Hedrich haben noch keine Nachricht darüber erhalten, wer der künftige Eigentümer sei, sagen sie im AZ-Gespräch. Natürlich, das betonen sie, würden sie sich freuen, wenn sie mit dem erfolgreichen Club, der Besucher aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet anzieht, auch weiterhin im Keller des Eltzer Hofs bleiben könnten. Seit 16 Jahren ist der Club dort beheimatet.

Dass irgendwann der Moment des Verkaufs und Umbaus des historischen Ensembles kommen würde, war den beiden seit Jahren klar. Sie hoffen nun, dass sie mit dem neuen Eigentümer in konstruktive Gespräche einsteigen könnten. „Sollte der neue Eigentümer das hier lesen: "Ein kühles Bier oder ein Kaffee steht bei uns immer für ihn bereit“, laden die beiden Clubbetreiber den Investor ein.

Trotzdem brauchen die beiden einen Plan B – schließlich ist der Weiterbetrieb des Clubs in den Plänen für den „neuen“ Eltzer Hof nicht direkt vorgesehen. Was mit der Diskothek passiere, hänge vom neuen Eigentümer ab, hatte das Land 2015 bei der Präsentation der Pläne erklärt.

„Natürlich halten wir die Augen und Ohren nach alternativen Locations fürs 50_Grad offen“, sagen Orlwoski und Hedrich. Für Tipps seien sie dankbar.