Der Stadtverschönerer: Stefan Schmitz engagiert sich...

Stefan Schmitz setzt sich seit Jahren für die Stadt Mainz ein. Die Gedenkstätte St. Christoph liegt ihm besonders am Herzen, aber auch das römische Erbe möchte er erhalten. Foto: Harald Kaster  Foto: Harald Kaster

Er ist nachgerade die Personifizierung von Begriffen wie Bürgersinn und Mäzenatentum. Stefan Schmitz mischt sich ein, fordert und fördert mit klaren Vorstellungen, sieht, wo...

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MAINZ. Er ist nachgerade die Personifizierung von Begriffen wie Bürgersinn und Mäzenatentum. Stefan Schmitz mischt sich ein, fordert und fördert mit klaren Vorstellungen, sieht, wo es in der Stadt und ihrer Verwaltung hakt, nimmt kreativ auf, wo nachzubessern ist in seinem Mainz. Das achte Lebensjahrzehnt, das Stefan Schmitz am kommenden Dienstag, am 10. Juli im kleinen Familienkreis feiernd vollendet, ist für ihn nicht dazu geeignet, die Hände in den Schoß zu legen. „Wenn ich etwas sehe, was mir gröblich missfällt, muss ich einfach aktiv werden“, gesteht Schmitz.

Stefan Schmitz setzt sich seit Jahren für die Stadt Mainz ein. Die Gedenkstätte St. Christoph liegt ihm besonders am Herzen, aber auch das römische Erbe möchte er erhalten. Foto: Harald Kaster  Foto: Harald Kaster

„Ich sah als Bub das brennende Mainz“

Auslöser für derlei Handeln war der Bombenangriff auf Mainz. Der 27. Februar 1945 hat Schmitz, den gebürtigen Gonsenheimer, nachhaltig geprägt. „Dass ich mich für die Gedenkstätte St. Christoph einsetze, hat direkt etwas damit zu tun, dass ich als Bub das brennende Mainz sah“, blickt Schmitz zurück auf eine schlimme Zeit in seinem Leben. Und er erinnert sich, wie seine Großmutter, die im Gewölbekeller des zerstörten Fechenheimer Hofs (heute Maria Ward-Schule) überlebte und über Gonsenheim in den Odenwald in eine Jagdhütte bei Hollerbach vor der Obdachlosigkeit flüchtete. Hier erlebten Stefan Schmitz, seine Mutter und sein Bruder Edmund auch das Kriegsende: „Es lag plötzlich ein Brummen in der Luft – das waren amerikanische Panzer. Und der Krieg war aus …“

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Auf dem Gepäckträger des Fahrrads der Mutter über Worms zurück nach Gonsenheim. Leben mit „anderen Leuten“ im unbeheizten Gärtnerhaus, denn das Haupthaus der Schmitz’ „wurde erst von den Amerikanern, dann von den Franzosen beschlagnahmt“. Hungern, „denn meine Mutter konnte nicht quanteln“. Und vor allem: Warten auf den geschäftstüchtigeren Vater, der in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten war.

Die „rote Postkarte“ aus den USA, durch die die Familie erfuhr, dass der Ehemann und Vater lebte, „war das Ereignis schlechthin“. Großes Glück zudem: Er kam recht schnell nach Kriegsende zurück, konnte, da im Zollhafen ein Gebäude des Speditionsunternehmens G. L. Kayser, das seit seiner Gründung 1787 in Familienbesitz war, unzerstört geblieben war, wieder ins Geschäft einsteigen.

Schulzeit? Sonntagskind Stefan Schmitz zeigt sein typisch „verschmitztes“ Lächeln: „Ich wollte unbedingt mein Abi machen.“ Erster Versuch: humanistisches Gymnasium. Zweiter Anlauf: Schlossgymnasium. „Ich hatte immer viel Fantasie. Das hat sich nicht mit dem Schulstoff vertragen“, schmunzelt Schmitz, der unumwunden einräumt, im Fach Deutsch mit einem glatten „Mangelhaft“ geglänzt zu haben.

England-Aufenthalt, Lehre natürlich bei G. L. Kayser, dann ein Jahr USA. Weiterbildung bei Speditionsunternehmen in New York und Cleveland/Ohio. Stefan Schmitz machte Karriere im Familienunternehmen. War im Frankfurter Westhafen für Schiffsumschlag und Lagerei zuständig. Ende der 1960er Jahre dann in Mainz als Chef der internationalen Spedition. Als Stückgut-Spedition hatte man schon Kontakte nach Dänemark, Belgien, Holland. „Das haben wir ausgebaut“, erzählt Stefan Schmitz und erinnert sich noch an die roten Aufkleber „Täglich Paris“ auf den Lastwagen. „Wir haben uns einen Namen gemacht, wurden in Fachzeitschriften und Presse hoch gelobt“, freut sich Schmitz noch immer. Als er in die Geschäftsführung des 1987 nach Hechtsheim umgezogenen Unternehmens eintrat, war G. L. Kayser „europaweit führend im Stückgutverkehr“.

Und dann der totale Umschwung. „Meine Neffen wollten unbedingt ins Immobiliengeschäft einsteigen und der Schweizer Logistik-Konzern Kühne+Nagel wollte unbedingt G. L. Kayser kaufen“, stellt Stefan Schmitz recht emotionslos fest. Auch, dass der Zeitpunkt aus finanzieller Sicht goldrichtig gewesen sei. Und Schmitz gesteht: „Deshalb kann ich heute solche Sprünge machen.“

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Als „Sprünge“ bezeichnet er sein tatkräftiges finanzielles Engagement. Beispielsweise für die „Chagall-Kirche“ St. Stephan, der er unter anderem auch eine Statue des Kirchengründers Willigis schenkte. Dass Künstler Karlheinz Oswald dem Willigis schmitzähnliche Gesichtszüge gab, wird, weiß man, mit welcher Bescheidenheit der Stifter gesegnet ist, dann doch wohl eher ein Zufall sein …

Klar hingegen die Intention des Stefan Schmitz, aus der Kirchenruine von St. Christoph eine viel beachtete Gedenkstätte zu machen. Dafür mobilisierte er Experten, dafür gab er Geld. Ebenso für die Renovierung des Kurfürstlichen Schlosses, für die Zitadelle, für das römische Bühnentheater, für die Rheintore („Das Raimundi-Tor hat mich besonders gereizt.“). Und doch wehrt Stefan Schmitz ab: „So viel hab ich nicht gemacht.“ Das sah die Stadt anders, als sie ihm die Jupiter-Säule („Mit goldenem Jupiter drauf“) verlieh.

Bald 80-Jähriger hat noch viele Pläne

Stefan Schmitz macht weiter Druck. Ist der Ansicht, dass die Zitadelle zu sehr von der Verwaltung genutzt werde, drängt auf die Restaurierung der Substruktionspfeiler und die sinnvolle Nutzung des Römertheaters, will, dass der Zitadellengraben barrierefrei wird, zeigt Ungeduld, wenn es um die Sanierung des Turms von St. Christoph geht.

Sohn Matthias, Tochter Stefanie und Enkeltochter Maya-Katharina wissen, dass der jetzt Achtzigjährige noch viel zum Wohl seiner Vaterstadt tun will. Sein Wunsch zum Geburtstag? „Ich würde gerne an der Ecke zur Windmühlenstraße noch ein Wachhäuschen auf der Zitadellenmauer bauen lassen.“ Die Ideenflut des Stefan Schmitz ist stärker als ein Espresso.

1 Meinen Kaffee trinke ich am liebsten ...

mit „allem“, also mit Milch und Zucker.

2 Mein Lieblingscafé in Mainz ...

ist das Domcafé, aber auch das Café Blum.

3 Mein liebster Kaffee-Partner ist ...

natürlich meine Frau.