Demo statt Klassenzimmer: Tausende demonstrieren für Klimaschutz

Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.   Foto: Sascha Kopp

Etwa 6.500 Menschen haben sich in Mainz am Freitag den weltweiten Demonstrationen für den Klimaschutz angeschlossen. Demonstriert haben aber nicht nur Schüler.

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MAINZ. Tausende Schüler und andere junge Leute sind am Freitagmittag zu Fuß auf den Mainzer Straßen unterwegs. Aber nicht alle Schüler machen beim Streik mit: Kurz nach Schulschluss ist die Verwunderung in einer Schülergruppe am Landtag groß. Alle Busse haben Verspätung, heute kommen sie nicht pünktlich nach Hause. Aber warum das? „Fridays for Future“, ruft ein Junge aufgeregt, „Heute ist doch die Demo!“

Anlässlich der Vorstellung des Klimapakets der Bundesregierung am Freitag und des UN-Klimagipfels in New York am Wochenende hat die Fridays for Future-Bewegung (F4F) am 20. September zum weltweiten Klimastreik aufgerufen. Unter dem Motto „#AlleFürsKlima“ sind neben den Schülern zum ersten Mal explizit Erwachsene aufgefordert worden, sich zu beteiligen. Diesem Aufruf sind auch die „Parents for Future“ (P4F) Mainz als eine von über 230 Ortsgruppen in Deutschland gefolgt. In einem von drei Demonstrationszügen sind sie von Mainz-Kastel über die Theodor-Heuss-Brücke bis zum Gutenbergplatz gezogen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, skandieren die Demonstranten lautstark, als sie am Landtag vorbeilaufen.

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Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
Impressionen der Fridays for Future-Demo in Mainz am 20.9.2019.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Luisenplatz in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Luisenplatz in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Luisenplatz in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Luisenplatz in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Luisenplatz in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Luisenplatz in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.
"Fridays for Future"-Aktivisten am Hauptbahnhof in Wiesbaden.

„Es geht darum, die jungen Leute zu unterstützen und eine breite Masse der Bevölkerung zu erreichen“, erklärt Silke von P4F. Sie sei durch ihre Tochter auf die F4F-Bewegung aufmerksam geworden und habe sich dann bei der Eltern-Initiative engagiert. Seit ihrer Gründung im Oktober 2018 haben sich etwa 100 Eltern für den E-Mail-Verteiler der P4F-Gruppe Mainz angemeldet, weiß Pressesprecher Michael Lengersdorff. Ihm persönlich gehe es darum, dass die Schüler nicht mehr als Schulschwänzer dargestellt werden. „Das ist gelebte Demokratie“, meint Lengersdorff.

Viele Eltern schließen sich den Demonstrationen an

Das Schulschwänzen scheint ein großes Thema bei der Demonstration zu sein. Nachdem Maurice Conrad, Mitorganisator der F4F-Bewegung Mainz, der Politik „konsequente Handlungsunfähigkeit“ in Bezug auf die Klimapolitik attestiert hat, geht er näher auf den neusten Erfolg der Politik ein:„Die Politik hat in einem Jahr F4F nichts erreicht außer einer Sache. Sie haben Bußgelder an Schüler verteilt. Schüler, die sich für das Klima und für ihre Zukunft einsetzen.“

Die Gründung der P4F zeige, dass viele Eltern sich den Meinungen ihrer Kinder anschließen, berichten einige Schüler im Gespräch mit der AZ: „Meine Eltern unterstützen, dass ich hier herkomme. Sie motivieren mich auch immer, auf die Demos zu gehen“, erzählt die 15-jährige Anna, eine Zehntklässlerin des Maria-Ward-Gymnasiums.

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„Es wird Zeit, dass was getan wird“, sagt Birgit (58), eine Passantin, die den Protestzug beobachtet. „Ich finde, es ist ihr gutes Recht, das zu tun. Man muss dazu stehen, was man will, und ich hoffe, es ist mehr als nur eine Schulfreibewegung.“

Das denkt auch Matthias. Er ist 53 Jahre alt und läuft bei dem Demonstrationszug der P4F mit: „Ich habe zwar selber keine Kinder, aber Parents4Future ist ja für alle Erwachsenen.“ Ein grundlegender Wandel unserer Lebensweise sei notwendig, aber dieser müsse auch für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglich sein. „Ich erhoffe mir, dass es noch mehr Menschen dazu anregt, selbst etwas zu tun, und dass die Bewegung wachsen kann“, so Matthias.

6.500 Demonstranten auf dem Gutenbergplatz

Und die Zahl der Klimaaktivisten scheint gewachsen zu sein: Über 6.500 Menschen haben sich laut Polizei auf dem Gutenberg-Platz versammelt. „Ich glaube, wir müssen das nächste Mal einen Flugplatz mieten“, verkündet Maurice Conrad mit Stolz.

Der Protest der P4F- und der F4F-Bewegung wurde unter anderem von Scientists4Future, Extinction Rebellion Mainz, Foodsharing, dem Naturschutzbund, Amnesty International, Fluglärmaktivisten und Hanne Kah sowie von einigen lokalpolitischen Gruppen unterstützt. Die Fridays4Future-Demonstration vom Freitag galt als Auftakt für die kommende Aktionswoche „#week4Climate“.

In dieser Woche veranstalten die F4F sogenannte Fokusdemonstrationen in verschiedenen Städten, die einen thematischen Bezug zum Thema Klima haben. In Mainz findet am Samstag, 21. September, ab 11 Uhr der „Park(ing) Day“ in der Neubrunnenstraße statt, bei dem auf mögliche Freiräume aufmerksam gemacht wird. Ab 13 Uhr startet die Demonstration „Wir haben es satt“ auf dem Bahnhofsplatz, bei der ein Wandel in der Ernährung und der Landwirtschaft gefordert wird.