Beim Schilderflohmarkt ist Emaille begehrt

Mehr als 100 Besucher standen zu Beginn des Flohmarkts Schlange, um ein Schild zu ergattern. Foto: hbz/Jörg Henkel

500 Verkehrsschilder und 300 Straßenschilder aus Mainz standen bei einem Flohmarkt zum Verkauf. Für einen guten Zweck.

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MAINZ. Den eigenen Straßennamen als Dekoration an der Wand, das Halteverbotsschild aufpoliert als Tablett oder die 30er-Zone umfunktioniert als Beistelltisch? Ob Verkehrsschild oder Straßennamensschild, ob in blau, rot oder weiß: Straßenschilder, die schon vor Jahren aussortiert wurden, bekommen neues Leben eingehaucht. Dafür sorgten Hunderte Mainzer, die mit kreativen Ideen am Samstag den ersten Straßenschilderflohmarkt besuchten.

Kalter Wind weht den Besuchern um die Nase, Schilder klappern gegeneinander, es ist einiges los auf dem Betriebshof in der Emy-Roeder-Straße. Über 100 Gäste warteten bereits um 10 Uhr auf den Start des Flohmarkts. In Metallboxen lehnen Hunderte Straßenschilder aneinander. Manche sind nur leicht angerostet, bei anderen ist die rote Farbe bereits zu einem gelb-orange verblasst. An einem Stoppschild ist das Rot zur Hälfte abgeblättert. Andere Hinweisschilder sind mit Graffiti beschmiert, von Aufklebern bedeckt oder vom Ruß gräulich angelaufen. Für den Straßenverkehr sind sie nicht mehr geeignet. Eigentlich würde man sie verschrotten, bis zu 6.000 Euro Schrottwert kommen so jährlich zusammen. Der Schilderflohmarkt soll sie nun vor dem Müll bewahren. 500 Verkehrsschilder und 300 Straßennamensschilder stehen zum Verkauf.

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„Ich suche nach der Geburtsstraße meiner Mutter“

Annette Siegismund hat der Nostalgie-Faktor des Straßenschilderflohmarktes direkt angesprochen. „Ich suche nach der Geburtsstraße meiner Mutter oder nach Schildern für runde Geburtstage“, erzählt sie, während sie die Verkehrsschilder begutachtet. Ihr Sohn hat bereits ein Stoppschild für sein Jugendzimmer gefunden. Jetzt sucht die Tochter auch nach einem und streckt ihr den Hinweis zur nächsten Ortsverwaltung entgegen. Bei der großen Auswahl fällt die Entscheidung nach dem passenden Schild schwer.

Die Preise sind Verhandlungssache. Durchschnittlich 20 Euro zahlen die Mainzer für alte Straßennamensschilder aus Emaille. Alle anderen Schilder wechseln für zehn Euro den Besitzer. Besonders schlecht erhaltene sind bereits für fünf Euro erhältlich. Doch vielen Besucher geht es gar nicht um die Schnäppchenjagd. „Der erste Besucher hätte 20 Euro zahlen müssen, hat aber 50 Euro gegeben, weil es für einen guten Zweck ist“, lobt Udo Beck, Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde. Der Erlös geht an den Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“. In anderen Städten ist das Modell des Schilderflohmarkts bereits ein Erfolg. In Mainz hatte man jedoch keine Erfahrungen damit. Umso überraschter war Udo Beck von dem Ansturm auf die alten Schilder.

„Da kann man richtig kreativ werden“

Besonders emaillierte Straßenschilder in altdeutscher Schrift sind begehrt. In den Mittagsstunden sind davon schon keine mehr zu sehen. Ebenso wenig wie Tempo-70-Schilder, die Ralf Schmitt sucht. „Zum Geburtstag“, sagt er, wäre das witzig. Er hat auch noch viele weitere Ideen. „Da kann man richtig kreativ werden“, erzählt er. Aufpoliert könnte man ihnen neues Leben einhauchen, erzählt er, zum Beispiel als Tablett oder Beistelltisch. Als Magnettafel hingegen eignen sich die überwiegend aus Aluminium bestehenden Straßenschilder jedoch nicht, auch wenn einige Jugendliche sie gerne als solche verwendet hätten.

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5.263 Euro konnten für den Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ gesammelt werden. Dafür wechselten knapp 250 Straßennamensschilder und 300 Verkehrsschilder den Besitzer. Übrig geblieben sind nur stark verschmutzte Verkehrsschilder. Die wandern jetzt auf den Müll. Die Straßennamensschilder hingegen werden aufgehoben. Denn in zwei Jahren soll es eine Neuauflage des Flohmarkts geben, kündigte Udo Beck an.