Bauchnabel, Wehen und Mutterkuchen: Hebamme besucht Mainzer...

Bitte vorsichtig und leise, das kleine Menschlein macht ein kurzes Nickerchen: Hebamme Anne Simon (re.) mit unserer Autorin und Mutter Alexandra Rohde und deren Baby sowie Grundschülern.  Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

Zu Besuch bei der vierten Klasse der Mainzer Gleisbergschule. Hebamme Anne Simon ist an diesem Morgen in der Grundschulklasse zu Gast, um den Schülerinnen und Schülern das...

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MAINZ. Zu Besuch bei der vierten Klasse der Mainzer Gleisbergschule. Hebamme Anne Simon ist an diesem Morgen in der Grundschulklasse zu Gast, um den Schülerinnen und Schülern das Thema Geburt näher zu bringen. Als Hebamme hat die 71-Jährige die Geburt von vielen Kindern im Vor- und Nachhinein betreut, und sie ist an diesem Morgen im Unterricht, um über ihre Erfahrungen zu berichten.

Anne Simon trifft auf besonders aufgeweckte Kinder, die sehr interessiert sind und eine ganze Reihe Fragen vorbereitet haben. So möchten die Kinder wissen, wie lange die längste Geburt dauerte und wie kurz die kürzeste, was Anne Simon mit den Mamas gemacht hat, wenn es diesen vielleicht nicht so gut ging – und ob das mit dem Fruchtwasser zu vergleichen ist, wie wenn man auf Toilette muss? Was macht eine Hebamme nach der Geburt als Erstes mit dem Baby, und worauf muss sie achten? Wie ist das mit dem Bauchnabel? Und gibt es auch männliche Hebammen?

350 Hausgeburten in 30 Jahren betreut

Auch von den Wehen haben die Mädchen und Jungen schon gehört und Anne Simon erklärt ihnen außerdem, wie das mit dem Mutterkuchen funktioniert. Sie beschreibt den Vorgang einer Geburt dabei sehr liebevoll und betont immer wieder, dass die Natur viel von alleine regelt, wenn man sie denn lässt.

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Mit Anne Simon hat die Klasse eine ganz besondere Hebamme als Ansprechpartnerin an diesem Morgen: Sie war bis vor wenigen Jahren selbstständig und betreute in rund 30 Jahren 350 Hausgeburten. Von diesen Erfahrungen berichtet sie. Sie erklärt, wie sie eine Hausgeburt durchgeführt hat und was dabei wichtig war: „Ich habe eine Hausgeburt immer nur dann zugelassen, wenn ich mir ganz sicher war. Sobald von meiner Seite Bedenken aufkamen, habe ich die Frauen in eine Klinik geschickt und sie begleitet. In dieser Hinsicht war ich sehr streng, da gab es keine Diskussion.“

Das spezielle Thema Hausgeburt ist für viele der Kinder neu. „Ich habe zwei Geschwister“, erzählt Niklas (10). „Beide sind jünger, und beide sind im Krankenhaus zur Welt gekommen.“ Sein Freund Lenni fügt hinzu: „Wenn man klein ist, gibt es ja die Geschichte mit dem Storch – aber daran habe ich nie geglaubt. Ich wusste einfach, dass Kinder im Krankenhaus zur Welt kommen.“ Erfahrung mit einer Hausgeburt hat Pauline (9) gemacht; ihre kleine Schwester ist vor sieben Jahren von Anne Simon im Haus der Eltern auf die Welt gebracht worden.

Lehrerin Tanja Hißnauer bearbeitet die Geburt im Rahmen der allgemeinen „Sexualerziehung“, die für Viertklässler auf dem Lehrplan steht. „In das Fach gehören natürlich noch weitere Themen wie die Babypflege, die Pubertät, aber auch über Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Körperpflege sprechen wir. Die Geburt haben wir detailliert behandelt, weshalb es mir auch wichtig war, eine Expertin einzuladen.“

Ihr sei es positiv aufgefallen, wie interessiert die Kinder seien. Jungen wie Mädchen. Die Lehrerin ist überzeugt, dass diese Themen für sie alle wichtig seien, „denn in ihrem Alter sind sie nicht mehr ganz Kind, sie interessieren sich für andere Dinge und kommen in eine Art Vor-Pubertät.“ Dabei durchliefen sie eine ganz besondere Phase. „Deshalb muss ich sie ja auch in wenigen Tagen quasi ,freigeben‘, damit sie auf weiterführende Schulen gehen können.“