Andrang bei Warentauschtag des Mainzer Entsorgungsbetriebs

Für jeden was dabei: Warentauschtag im Entsorgungsbetrieb. Foto: hbz/Jörg Henkel

Im Prinzip geht es auch bei der 8. Veranstaltung dieser Reihe um Abfallvermeidung: Was der eine nicht mehr will, kann vielleicht ein anderer brauchen. Zeit auch für Schnäppchen...

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MAINZ. Zu Beginn war der Ansturm riesig. Viele Menschen warteten bereits um 7 Uhr morgens vor der Schranke des Entsorgungsbetriebs, obwohl diese erst zwei Stunden später den Weg freigeben würde zum Ort des Begehrens, zur Fahrzeughalle mit dem Warentauschtag. Diesmal hatte die Mainzer Abfallberatung das Event unter das Motto „draußen unterwegs“ gestellt. Pförtner Peter Schmidt hat sie gesehen, die Menschenmengen am frühen Morgen. „Es war alles zu, da ging kein Auto mehr rein.“

Sinngemäß geht es bei der nunmehr achten Veranstaltung wie bei allen anderen davor um Abfallvermeidung. Was der eine nicht mehr will, kann vielleicht ein anderer brauchen. Überall in der riesigen Halle stehen Tische mit Waren, die Fahrräder, Roller, Dreirädchen und alles andere, was zum Bewegen taugt und keinen Verbrennungsmotor hat, steht draußen und muss nicht lange auf Interessenten warten. Eine Stunde später ist hier schon fast alles weg. Sogar ein Kinderrollstuhl ist darunter, der aber vorerst keinen Abnehmer findet.

Die Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs in der Zwerchallee nehmen die mitgebrachten Waren entgegen, andere sortieren sie auf die Tische, die bald hochbeladen und nicht viel später wieder leergeräumt sind. Der Kunde bekommt einen Stempel, der ihn berechtigt, alles mitzunehmen, was er tragen kann. Manche sitzen bis zum Ende und warten, ob noch etwas Attraktives hereinkäme. Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) gefällt die Idee so gut, dass sie nicht nur die Gäste begrüßt, sondern eine ganze Weile bei der Annahme mithilft.

Blickt man in die Halle und auf die Tische, so gleicht das Angebot jedem anderen Flohmarkt. Raritäten gibt es wenig, Kuriositäten auch kaum. Und es gibt zwei Arten von Käufern: die, die sich manche Dinge einfach nicht leisten können, und die, die etwas Besonderes suchen aus Freude am Stöbern. Sabine Kaden hat doch etwas Einzigartiges gefunden, denn sie hält viel von Upcycling: ein Rucksack, genäht aus einem karierten Geschirrtuch. Auch eine Spielzeugfigur von Lego Plüsch ist dabei. „Die kostet im Laden 20 Euro“, fügt die 17-jährige Tochter Linda an. Vor ein paar Jahren, als sie noch ein Kind war, hat sie sich hier einen Schrank ausgesucht. Daran können sich Mutter und Tochter noch gut erinnern. Ein hölzernes Laufrad geht auch noch mit. Vorsorglich, falls Linda mal selbst Mutter wird.

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Geld geht wenig über die Theke. Nur wer nichts mitgebracht hat, zahlt eine Spende an den Verein Armut und Gesundheit, wo Geschäftsführer Jari Trabert an einem Stand informiert. Hauptthema zurzeit seien die in Mainz lebenden EU-Bürger, die nicht sozialversichert sind, „weil es keine Struktur dafür gibt“, erklärt Trabert, der Sohn des Gründers Gerhard Trabert. Wohnsitzlose medizinisch zu versorgen, bleibt natürlich weiter das große Anliegen. Da könne man das Geld sowieso gut brauchen. Etwa 600 Euro kämen zumeist zusammen, sagt Ulrike Laubenheimer, Öffentlichkeitsarbeit Abfallberatung.

Am Ende sieht es aus wie nach einer rauschenden Party, wenn alle Gäste gegangen sind. Scherben liegen auf dem Boden, eine einsame Kaffeemaschine hat vergeblich auf Abnehmer gewartet und die Videokassetten kann auch kaum jemand mehr verwenden. Ansonsten bleibt nicht viel, was der Entsorgungsbetrieb anschließend wegwirft. Franziska Bauer, die mit Mann und Kind gekommen ist, hat den Ansturm am Morgen nicht so berauschend gefunden: „Viele sind hier durchgerannt, als ginge es zu einem Kelly-Konzert“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Der Umwelt- und Klimaschutz sind ihr wichtig, deshalb ist sie hier. Aber sie hat auch was gefunden: eine aluminiumfarbene Lampe, die im Garten als etwas anderes Verwendung finden soll.