325 Millionen Dollar für Mainzer Firma Biontech

Krebstherapien im Blick: Das Büro- und Laborgebäude von Biontech an der Goldgrube. Foto: Harald Kaster

Entwicklung von individualisierten Krebstherapien und Heilung anderer schwerer Erkrankungen: Mainzer Biotechnik-Unternehmen erhält Rekord-Finanzierung über 325 Millionen...

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MAINZ. Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen Biontech geht erneut in die Geschichte seiner Branche ein – mit einer rekordverdächtigen Summe von 325 Millionen US-Dollar (etwa 290 Millionen Euro), die das Unternehmen jetzt in einer Serie-B-Finanzierungsrunde erzielen konnte.

2018 hatte die Firma bereits 270 Millionen US-Dollar in einer Serie-A-Finanzierungsrunde erhalten. Laut Biontech handelt es sich dabei um eine der größten Einzelfinanzierungen eines privaten europäischen Biotechnologie-Unternehmens.

Biontech hat sich der Entwicklung von individualisierten Krebstherapien und anderer schwerer Erkrankungen verschrieben. Mit den neuen Finanzmitteln soll die Therapeutika-Pipeline und die Produktionsinfrastruktur weiterentwickelt werden. Auch das sogenannte „Manufacturing“ spiele eine große Rolle, erklärt das Unternehmen: Der Plan sei, auch hier weiter aufzubauen. Dazu gehörten Erweiterungen der Zell- und Gen-Therapie-Herstellung, der mRNAö- und der Peptid-Biomarker-Herstellung. Gerade der Herstellungsprozess und die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung seien für die individualisierten Krebstherapien schließlich enorm wichtig. Das betont Prof. Dr. Ugur Sahin, CEO und Mitbegründer von Biontech: „Die Serie-B-Finanzierungsrunde ist ein signifikanter Meilenstein, die unsere wissenschaftlichen und ersten klinischen Erfolge anerkennt. Mit unserem kontinuierlichen Fokus auf der Zusammenführung transformativer Technologien freuen wir uns besonders über die Unterstützung durch Hochtechnologie-Investoren“, sagt er. Diese sähen in der rasanten Verschmelzung von Bioinformatik, Robotik und künstlicher Intelligenz mit den Biowissenschaften eine interessante Möglichkeit für die Entwicklung präziser, effektiver und kostengünstiger individualisierter Immuntherapien.

Wie Biontech, das als europäische Aktiengesellschaft (SE) firmiert, mitteilt, sei die Finanzierungsrunde überzeichnet gewesen. Geleitet wurde die Runde von Fidelity Management & Research Company, beteiligt waren die bestehenden und neuen Investoren Redmile Group, Invus, MiraeAsset Financial Group, Platinum Asset Management, Jebsen Capital, Steam Athena Capital, BVCF Management und das Struengmann Family Office. Zwei Drittel des Kapitals stammten von neuen Investoren.

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Helmut Jeggle, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Biontech, schätzt das Engagement der bestehenden und neuen Investoren „in diesem herausragenden internationalen Konsortium mit Beteiligung aus Nordamerika, Europa und Asien“.

Die bisherigen Finanzierungen ermöglichten dem Mainzer Unternehmen, das inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter hat und seinen Hauptsitz An der Goldgrube unterhält, sieben Produktkandidaten in acht laufenden klinischen Studien zu testen sowie eine zweite GMP-Produktionslizenz für die Herstellung seiner individualisierten Neoantigen-spezifischen Immuntherapien zu erwerben. Zudem hat Biontech unlängst seine Antikörper-Pipeline erweitern können, indem es von MabVax Therapeutics Inc., einem Unternehmen mit Sitz im amerikanischen San Diego, einen weit fortgeschrittenen Produktkandidaten gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, außerdem Infrastruktur übernommen hat.