19 neue Stolpersteine an fünf Häusern in Mainz

Verlegung von „Stolpersteinen“ zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus in der Welschnonnengasse 7. Foto: hbz/Stefan Sämmer  Foto: hbz/Stefan Sämmer

Welschnonnengasse 7. Letzter frei gewählter Wohnsitz von sechs jüdischen Mitbürgern. Vier dieser Mainzer werden 1942 unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Piaski in der...

Anzeige

MAINZ. Welschnonnengasse 7. Letzter frei gewählter Wohnsitz von sechs jüdischen Mitbürgern. Vier dieser Mainzer werden 1942 unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Piaski in der heutigen polnischen Woiwodschaft Lublin deportiert. Regina Frieda Blum, Albert Rosenthal, Recha Rosenthal und Johanna Geldzähler fielen der gnadenlosen Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten zum Opfer. Nur Lilly Blum und Friedrich Blum überlebten. Sie hatten schon 1938/39 die mörderischen Zeichen richtig gedeutet und konnten in die Vereinigten Staaten fliehen.

Grosse: „Fester Bestandteil unserer Erinnerungskultur“

Der sechs jüdischen Regimeopfer galt am Jahrestag der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde des Nazi-Reichs das Gedenken. Sichtbar gemacht durch die Verlegung von „Stolpersteinen“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Rote Rosen waren der Gruß der Stolperstein-AG des von Renate Knigge-Tesche vertretenen Vereins für Sozialgeschichte. Blumen und Erinnerungsbilder legte die eigens aus Los Angeles angereiste Joan Phyllis (geborene Blum) für ihre Vorfahren nieder, drei Klarinettistinnen des Frauenlob-Gymnasiums umrahmten mit Mozart.

Anzeige

„Es ist uns ein stetiges Anliegen, an die Opfer des NS-Regimes zu erinnern. Das Verlegen von Stolpersteinen ist fester Bestandteil unserer Erinnerungskultur geworden“, erklärte Kulturdezernentin Marianne Grosse.

Am 6. November 2007 wurde der erste Stein mit einer Messingplatte, auf der Name und Lebensdaten der Opfer eingraviert sind, in Mainz verlegt. Inzwischen sind es 202. Und diese Kultur solle, so Grosse, fortgesetzt werden: „Unter Geschichte darf und kann kein Schlussstrich gezogen werden.“

Die kleine Feierstunde in der Welschnonnengasse gelte „stellvertretend für alle Opfer, die ermordet worden sind“, erklärte Grosse und machte den Sinn der 2003 von Gunter Demnig ins Leben gerufenen Stolperstein-Aktion deutlich: „Wir stolpern nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen.“

Demnigs inzwischen europaweite Aktion bezeichnete die Kulturdezernentin als „größtes dezentrales Mahnmal der Welt“. Altstadt-Ortsvorsteher Brian Huck erinnerte an die soziale Vernichtung und Deportation von vor allem in der Altstadt und in der Neustadt lebenden Juden. „Die Namen der Deportierten sollen für uns stete Erinnerung sein.“

Erinnert wurde an diesem Tag auch durch die Verlegung von Stolpersteinen vor vier weiteren Häusern (siehe Info-Kasten), die dem Gedenken an 13 jüdische Mitbürger dienen, die Opfer des Nazi-Terrors wurden. Großer Dank an Renate Knigge-Tesche und Hedwig Brüchert (Verein für Sozialgeschichte) galt deren Forschungsarbeit und dem Erstellen der Opfer-Biografien, aber auch den Paten der Stolpersteine, durch die erst die Verlegung finanziert werden konnte.