Sommerabend der Wirtschaft bei der VRM feiert runden Geburtstag
Vor neun Jahren etablierten VRM, Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer ein Event, eine gelungene Mischung aus Show, Festivität und Begegnungsstätte. Am Freitag feiert der Sommerabend der Wirtschaft zehnten Geburtstag. Rund tausend Gäste kamen zum Gratulieren.
Von Reinhard Breidenbach
Leitung Politikredaktion, Chefreporter
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MAINZ - Eine magische Zahl, diese Zehn. Zehn Gebote. Der zehnte Geburtstag. Das Kind ist aus dem Gröbsten raus. Hat die Kinderkrankheiten gut überstanden. Und manchen Sturm. Zum Beispiel vor zwei Jahren, als der Sommerabend der Wirtschaft in einem Wolkenbruch abzusaufen drohte. Die Väter des Ereignisses „Sommerabend“ können sich jetzt, zum zehnten Geburtstag, erstaunlicherweise gerade an diese Regenschlacht besonders gut erinnern.
2010 hatten Hans Georg Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der VRM, Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer und Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, eine super Idee: Sommerabend der Wirtschaft, Event, Feier, Begegnungsstätte, Show, Festivität, Kulinarisches. Lauschiges Ambiente. Das hundertmal und zu Recht gelobte Toskana-Ambiente. Ein paarmal war es knapp, aber letztlich immer: der Segen von oben, gutes Wetter. Aber dann, 2017, der große Regen. Wolkenbruch. „Das war ein tolles Erlebnis“, strahlt Hans-Jörg Friese in der Gesprächsrunde mit Schnücker und Günster, interviewt von VRM-Volontär Frederik Voss, der den Job locker macht „wie ein Alter“. Und Günster weiß noch gut, wie er im regendampfigen VRM-Garten ungerührt seine Begrüßungsrede durchgezogen hat, Disziplin ist halt hilfreich.
Rasante Entwicklung im Medienbereich
Vom Digitalen ist viel die Rede an diesem Abend, von den Herausforderungen neuer Technologien. Die vergangenen zehn Jahre seien wie im Flug vergangen, resümiert Schnücker, eine rasante Entwicklung, gerade im Medienbereich. Aber gerade deshalb bleibe so etwas wie der Sommerabend wichtig, „man braucht die persönliche Begegnung, das Gespräch, face to face, die Körpersprache.“ Stillstand wäre Rückschritt: Friese berichtet von Dachdeckerbetrieben, die Drohnen über den Dächern einsetzen. Alle wissen, dass Fachkräfte fehlen, dass sie junge Leute brauchen. Tröstlich und schön zu sehen, dass eine junge Familie ihr kleines Kind mit in den VRM-Garten bringt, im doppelt breiten Kinderwagen alles dabei, was Babys so brauchen, Essen, Anziehen, Spielzeug. So ein Event bereitet echt aufs Leben vor.
Die Gastgeber beim Sommerabend der Wirtschaft: Hans-Jörg Friese (Präsident HWK Rheinhessen), Dr. Engelbert J. Günster (Präsident IHK Rheinhessen), Anja Obermann (Hauptgeschäftsführerin HWK Rheinhessen); Anna Göhring (rheinhessische Weinkönigin), Hans Georg Schnücker (Sprecher der VRM-Geschäftsführung) und Günter Jertz (Hauptgeschäftsführer IHK Rheinhessen)
(Foto: Lukas Görlach)
Auch die jungen Damen und Herren des Landesjugendorchesters Rheinland-Pfalz sind guter Dinge, auch schon vor ihrem Auftritt. Probieren, ob man so eine Trompete auch auf dem Kopf balancieren kann. Da lässt man sich als Auditorium gerne den Marsch blasen. Wie stets beim Sommerabend: breites Spektrum, generationenübergreifend. Tiefe Einblicke. Modisch: sehr gediegen, eleganter als bei vielen Events ähnlicher Art.
Für guten Nachwuchs attraktiv sein
Zurück zum Unternehmertum. IHK-Präsident Günster mahnt: Um für guten Nachwuchs attraktiv zu sein, müsse „das gesamte Umfeld in einem Betrieb stimmen, und bevor die Ausbildung beendet ist, muss man schon an die Weiterbildung denken.“ Günster, Friese und Schnücker sind spürbar froh und stolz auf ihr „Kind“, den Sommerabend. Mit großem Nachdruck dankt Schnücker allen Unterstützern, die dazu beigetragen haben.
Malu Dreyer lächelt an diesem Abend, als gäbe es keine 12-Prozent-Umfragen für ihre Partei, die SPD, auf Bundesebene. Eine Ehre sei es ihr, hier zu sein. Sie sagt: „Heutzutage ist nichts mehr selbstverständlich.“ Sie meint das in diesem Moment in Bezug auf die völlig neue Verteilung der Medienwelt, in der Konzerne wie Google brachial um die Vorherrschaft kämpfen. Aber kaum jemand weiß besser als sie, dass dieser Satz für alles gilt, für Politik, Wirtschaft, das ganze Leben. Nicht muttihaft, aber fast mütterlich ihr Tonfall, wenn sie sagt: Die Medien seien „extrem gefordert“ in der neuen digitalen Welt.
"Wir wollen freien Journalismus schützen"
Hochachtung habe sie vor Zeitungsverlagen, die, wie die VRM, bereit seien, die Veränderungen voranzutreiben. Nur wenn Journalisten frei arbeiten können, sei eine Demokratie gesichert. „Wir wollen den freien Journalismus schützen“, sagt sie ernst.
Deshalb werde in Rheinland-Pfalz alsbald das Projekt „Verfolgen und Löschen“ gestartet, um Hass im Internet zu bekämpfen; gerade Journalistinnen und Journalisten würden oft mit Hasskommentaren angegangen.
Dreyers Grundton trotz aller Sorgen: optimistisch. Es gebe derzeit mehr Unternehmensgründungen als in früheren Jahren. Gerade auch von jungen Frauen. Das freut sie, bekennende Feministin, natürlich besonders.