Zeugnisse ohne Noten in der Schillerschule

Vorsitzende Barbara Hof-Barocke, Stellvertreter Udo Mosbach und Museumswart Rainer Hofmann (v.l.) am Sarkophag, einem Objekt des Museums in der Weisenauer Schillerschule. Foto: hbz/Stefan Sämmer

Ein Museum in einer aktiven Grundschule, das ist deutschlandweit einzigartig: In der Schillerschule in Weisenau zeigt der Geschichtsverein, was er über die Vergangenheit weiß.

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WEISENAU. „Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wohin er geht“: ein weiser Satz, dem sich die Mitglieder des Weisenauer Geschichts- und Brauchtumsvereins gerne anschließen. Sie haben es sich zur Aufgabe gestellt, die bewegte Geschichte des Ortes zu erforschen und zu dokumentieren. Schon zur Gründung 1981 schwang der Gedanke mit, viele Zeugnisse zusammenzutragen und öffentlich in einem Geschichtsmuseum zu präsentieren. Vor 30 Jahren ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden: Im Frühjahr 1994 wurden Teilabschnitte auf historisch bedeutsamen Boden eröffnet, wo einst Römerstraßen verliefen. Untergebracht ist die vielseitige Schau in einem denkmalgeschützten Jugendstil-Gebäude, der Schillerschule.

Von der Kelten- und Römerzeit bis zur Neuzeit

Ein Museum in einer aktiven Grundschule, das ist deutschlandweit eine Besonderheit, erklären Barbara Hof-Barocke, Udo Mosbach und Rainer Hofmann, die sich ehrenamtlich engagieren. Früher waren sie neben Beruf und Familie im Verein tätig, nun sind sie im Ruhestand aktiv. Stolz zeigen sie auf das erste Exponat, prominent im Eingangsbereich platziert: Der Sarkophag ist ein Original aus der Römerzeit. Früher, auf dem Weg zum einstigen Vereinsheim unter dem Dach, schien er zu flüstern: „Ich bin der Anfang“. Als Initiatoren hatten sich Werner Hörter und Manfred Otters für das Museum eingesetzt, das seither beständig gewachsen ist. Ziel ist es, die Historie des Mainzer Stadtteils vom Ursprung bis zur Gegenwart lebendig darzustellen.

Im Treppenhaus der Schule wird die Geschichte des Ortes präsentiert, anschaulich und leicht verständlich, schon für die Jüngsten: Von der Kelten- und Römerzeit geht es weiter über die Franken und das Mittelalter bis zur Neuzeit. Einiges ist im Museumsführer nachzulesen, der viele Informationen und Bilder enthält. Auf Tafeln und in Vitrinen werden die Epochen und Ereignisse beleuchtet, wobei zu Funden aus Weisenau meist gute Repliken oder Fotografien gezeigt werden. Zu den größten Originalen zählen die Pfeifen im Prospekt der Orgel aus der katholischen Kirche. Lohnenswert ist auch ein genauer Blick auf Gefäße aus Glas und Ton, Schmuck oder Münzen.

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Wie verbunden Weisenau mit dem Fluss war und ist, verdeutlicht eine Schauvitrine zum Leben mit dem Rhein. Modelle von Schiffen, einer Schiffsmühle oder einer römischen Villa hat Rainer Hofmann angefertigt, nach Plänen und mit feinsten Details, komplett per Hand geformt und unterstützt von Ehefrau Gisela. Auch ein topografisches Modell haben sie erstellt. Stand 2014, zeigt es noch die Lage von IBM als großen Arbeitgeber und dass sich ständig etwas ändert, sich das Rad der Geschichte immer weiterdreht. Doch das ist auch das Schöne für die Mitglieder im Geschichtsverein: neue Entwicklungen und Erkenntnisse, die Freude über Funde, Leihgaben und Aha-Erlebnisse, durch die auch das lebendige Weisenauer Ortsmuseum immer weiter wächst.