Lebenslange Haft wegen Mordes an Nachbarin in Laubenheim

Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Landgerichts.

Das Gericht in Mainz sah es als erwiesen an, dass der 22-jährige Täter seine Nachbarin im April mit mehreren wuchtigen Messerstichen getötet hat. Auch ein Grund wurde genannt.

Anzeige

Mainz. Zu lebenslanger Haft wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge hat das Mainzer Schwurgericht am Donnerstag einen 22 Jahre alten Mann verurteilt. Er soll seine 41 Jahre alte Nachbarin am Morgen des 19. April 2022 in ihrer Laubenheimer Wohnung mit zehn wuchtigen Messerstichen ins Gesicht, den Hals und den Rücken getötet haben, weil er ihr Auto haben wollte.

Er hatte seiner bei Marburg lebenden Freundin versprochen, sie zu besuchen. Das spätere Opfer war bei den Nachbarn im Haus als scheu und ängstlich bekannt. Sie lebte sehr zurückgezogen. Ihr Auto, ein Audi A1, hütete sie nach Zeugenaussagen wie ihr eigenes Baby, sie habe nie jemanden damit fahren lassen.

Vorsitzender Richter: „Der klassische Raubmord“

Der in einem verwaschenen roten Sträflingsanzug aus der U-Haft vorgeführte Angeklagte knetete nervös seine Finger, als sich das Gericht zur Urteilsverkündung erhob. Ansonsten zeigte er keine Regung. Die Mutter der damals Getöteten fixierte den 22-Jährigen mit starrem Blick. Das Urteil der Kammer entsprach dem Antrag des Staatsanwalts, der wie die Richter keinerlei Hinweise auf eine möglicherweise eingeschränkte Schuldfähigkeit gesehen hatte und eine lebenslange Haft gefordert hatte. Zwei Mordmerkmale seien erfüllt, das der Habgier und das des Ermöglichens einer weiteren Straftat, hier das Töten, um an das Auto zu kommen. „Der klassische Raubmord“, so der Vorsitzende Richter.

Anzeige

Der junge Angeklagte der in desolaten Familienverhältnissen aufgewachsen, bereits wegen Eigentumsdelikten und Gewalt aufgefallen war und zuletzt von 2018 bis 2020 eine Jugendhaft verbüßen musste, hatte sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Doch die Indizien und tatsächliche Spuren reichten laut Gericht, um den 22-Jährigen zweifelsfrei zu überführen. Haarklein schilderte der Richter, was genau sich in der Zeit vor der Tat und dann in der Wohnung des späteren Opfers abgespielt haben muss.

Schon am Abend vorher hatte der Angeklagte demnach seiner Freundin erklärt, er könne ein Auto haben und würde zu ihr kommen. Das Paar plante einen Start in ein gemeinsames Leben. Immer wieder telefonierten oder chatteten die beiden in der Nacht, noch vor der Tat erklärte der 22-Jährige bereits, er werde mit dem Auto der Schwester kommen, das würde genauso aussehen wie das seiner Nachbarin. Die Freundin solle sich also nicht wundern.

Nach Auffassung des Gerichts hatte der Täter Knebel und Handfesseln noch in der Wohnung seines Vaters, mit dem er zusammenlebte, gebastelt, dann habe er Gummihandschuhe übergestreift und sei mit einem Messer bewaffnet gegen 5.12 Uhr zur Nachbarin gegangen. Eine Zeugin hatte dem Gericht berichtet, sie habe dumpfes Poltern aus der Wohnung der später Getöteten gehört, habe erfolglos geklopft und gefragt, ob Hilfe benötigt werde. Als sie durch ihr Badezimmerfenster sah, dass der jetzt Verurteilte gegen 6 Uhr in das Auto der 41-Jährigen stieg und davonfuhr, habe sie die Polizei alarmiert. Die fand die Nachbarin tot in ihrem Badezimmer liegend.

Die Verteidiger hatten keinen konkreten Strafantrag gestellt. Sie konzentrierten sich auf die 2010 bei dem Angeklagten festgestellte Minderbegabung und wollten daraus eine eingeschränkte Schuldfähigkeit ableiten. Das hatte ein psychiatrischer Gutachter ausgeschlossen, weil der 22-Jährige im Leben allein zurechtgekommen sei und im Prozess adäquat auf Situationen reagiert habe. Auch der Einfluss von Drogen zur Tatzeit war von einem Rechtsmediziner ausgeschlossen worden. Proben hatten ergeben, dass ein angegebener Konsum von Amphetaminen erst Stunden nach der Tat erfolgt sei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Anzeige