Mainzer-ÖPNV: Mehr Komfort und leistungsfähiger für Linie 52

Die Wendeschleife wird saniert und komplett als Rasengleis gestaltet, hinzu kommt ein stumpf endendes Gleis in der Mitte, das auch vom Bus angefahren werden kann. Zwischen den Gleisen wird ein barrierefrei zugänglicher Bahnsteig errichtet.

Straßenbahn-Endstelle in Mainz-Hechtsheim „Am Schinnergraben“ wird erneuert: zusätzliches Gleis, ein Bahnsteig auch für Busse – und alles soll barrierefrei zu erreichen sein.

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HECHTSHEIM. Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit die Wendeschleife der Straßenbahn-Endhaltestelle „Am Schinnergraben“ wegen maroder Gleise gesperrt werden musste. Und mancher Hechtsheimer hatte angesichts des Provisoriums schon an eine unendliche Geschichte gedacht. Aber seit November läuft der Umbau, der die Endhaltestelle der Linie 52 nach Bretzenheim nicht nur wiederherstellen, sondern auch leistungsfähiger machen soll. Das heißt: Barrierefreiheit, weniger Lärm, ein Bahnsteig für zwei gleichzeitig dort stehende Wagen, der zudem von Bussen angefahren werden kann.

Die Wendeschleife wird saniert und komplett als Rasengleis gestaltet, hinzu kommt ein stumpf endendes Gleis in der Mitte, das auch vom Bus angefahren werden kann. Zwischen den Gleisen wird ein barrierefrei zugänglicher Bahnsteig errichtet.
Was man auf den ersten Blick für eine Renaturierungsmaßnahme halten könnte, ist der umfangreiche Ausbau der Endhaltestelle „Am Schinnergraben“ in Hechtsheim. Foto: Lukas Görlach

Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) und MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof machten sich vor Ort ein Bild von den Umbauarbeiten. „Wir sind im Zeitplan“, sagte Projektleiter Anton Semma und ist sicher, dass die Arbeiten bis Ende September abgeschlossen sein werden. Nachdem im Stadtteil nicht nur durch die lange defekte Wendeschleife die Furcht gewachsen war, die Strecke könne stillgelegt werden, sieht die Verkehrsdezernentin den Umbau als klares Bekenntnis zur Straßenbahn: „Wir legen nicht still, sondern bauen aus.“

Das Problem im Herbst 2016 war, dass die Gleise so abgefahren waren, dass Unfälle nicht mehr ausgeschlossen waren. Als Provisorium fährt die Straßenbahn seither in die Haltestelle bis zum eigens gebauten Ausstiegsbahnsteig und von dort wieder zurück, ohne die Wendeschleife zu nutzen.

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Die Endhaltestelle ist nach dem Bahnhofplatz die älteste noch bestehende in Mainz. Sie ist seit 1891 in Betrieb, damals gab es aber noch keine elektrische Straßenbahn, sondern eine Eisenbahn. Die von kleinen Dampfloks gezogenen Züge fuhren vom Fischtor via Große Bleiche, Untere Zahlbacher Straße und Zahlbach – mit Abzweig nach Bretzenheim – hoch zur Alten Ziegelei und erreichten von dort in großem Bogen das Jägerhaus und die heutige Strecke. Am Schinnergraben entstand ein Bahnhof mit Stationsgebäude, Wagen- und Lokschuppen und der Möglichkeit, Kohlen und Wasser zu nehmen. Die fünf Gleise endeten an der Bahnhofstraße.

Als 1923 die Straßenbahn auf der heutigen Strecke via Gaustraße die Dampfbahn ersetzte, verschwand der Bahnhof, und die Wendeschleife entstand. Diese hatte Jahrzehnte ein stumpf endendes Gleis in der Mitte, und genau so eines wird die neue Endhaltestelle wieder erhalten. Denn obwohl die Wendeschleife erneuert wird, soll sie – auch aus Lärmschutzgründen – nur noch in Ausnahmefällen genutzt werden. Stattdessen fahren die Straßenbahnen wie bisher in die Haltestelle an der Talstraße ein und von dort zurück. „Wir kommen dem Wunsch des Ortsbeirats nach und erneuern die Wendeschleife“, so Erlhof. „Und das gibt uns auch die Möglichkeit, den Schinnergraben in Ausnahmefällen auch mit neuen Fahrzeugen anzufahren.“ Durch das zusätzliche Stumpfgleis in der Mitte können nun zwei Straßenbahnen gleichzeitig in der Endhaltestelle warten.

Neu ist, dass zwischen dem Gleis an der Talstraße und dem Stumpfgleis in der Mitte ein richtiger Bahnsteig gebaut wird, der barrierefrei zu erreichen ist und einen ebenso barrierefreien Zugang zu den Fahrzeugen gewährleistet. Neu ist ebenso, dass das Stumpfgleis in der Mitte im Asphalt liegt, wodurch auch Busse, etwa im Schienenersatzverkehr, direkt an den Bahnsteig fahren können. Für sie gibt es zu beiden Seiten der Haltestelle eine Zufahrt.

„Wir schlagen mit dieser Lösung alle Fliegen mit einer Klappe“, sagt MVG-Geschäftsführer Erlhof, und auch Ortsvorsteher Franz Jung (CDU) ist zufrieden: „Es ist eine tolle Lösung – auch wenn es lange gedauert hat.“ Mit der Eröffnung Ende September soll übrigens noch ein Provisorium ein Ende haben: Seit Jahren schon übergibt der Straßenbahnfahrer, der den kurzen eingleisigen Streckenabschnitt am Jägerhaus verlässt, seinem entgegenkommenden Kollegen einen Signalstab, denn nur der darf einfahren, der diesen Stab hat. „Das ist Technik aus dem vorletzten Jahrhundert“, so Erlhof, „nun wird eine neue Signalanlage in Betrieb genommen, die das überflüssig macht.“