Anne-Simon-Netzwerk in Mainz kümmert sich um Hebammen-Aufgaben

Gemeinsam mehr erreichen: Hebamme Anne Simon (2. v.r.) organisiert in Gonsenheim regelmäßige Netzwerk-Treffen, bei denen bis zu 20 Hebammen und andere Berufsgruppen mit Geburtsvor- und Nachsorge weiterhelfen. Foto: hbz/Judith Wallerius  Foto: hbz/Judith Wallerius

Hebamme Anne Simon hat schon zahlreiche Mainzer (und Wiesbadener) Kinder zur Welt gebracht. Heute begleitet die mittlerweile 72-Jährige die eigentliche Geburt zwar nicht mehr...

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GONSENHEIM. Hebamme Anne Simon hat schon zahlreiche Mainzer (und Wiesbadener) Kinder zur Welt gebracht. Heute begleitet die mittlerweile 72-Jährige die eigentliche Geburt zwar nicht mehr – die Liste der Frauen, die sie in der Vor- und Nachsorge betreut, ist aber weiterhin lang. Anne Simon ist Hebamme aus Leidenschaft.

Familien zu unterstützen lag ihr schon immer am Herzen und so gründete sie bereits im Jahr 2010 einen „Anvertrauensbund“ mit dem Ziel, Kindern in der Schule Unterstützung zu bieten. Diesem wandten sich im Laufe der Jahre immer mehr Frauen zu und aus dem Bund wurde ein Netzwerk, das „Anne-Simon-Netzwerk“.

Gespräche mit Politikern sind nun wichtiges Ziel

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Rund 20 Frauen sind es, die Anne Simon mittlerweile begleiten. Ihr Ziel? Sie alle möchten dem Hebammen-Notstand entgegenwirken. Dazu organisieren die Frauen Vorträge, Gespräche und präsentieren sich auf öffentlichen Veranstaltungen, wie dem Ehrenamtstag 2017 in Ingelheim. Auch an die Politik wandten sie sich bereits in zahlreichen Briefen. „Rückmeldungen gab es nur wenige“, erzählt sie. „Malu Dreyer hat mir mit einem Brief geantwortet, doch würde ich sehr gerne persönlich mit ihr darüber sprechen.“ Der Hebammen-Notstand sei ein akutes Problem vieler schwangerer Frauen, „es gibt zahlreiche – auch hier in Mainz – die keine Hebamme mehr bekommen haben. Die Vor- und die Nachsorge ist aber ebenso wichtig wie die eigentliche Geburt“, sagt Simon.

Im Netzwerk sind ganz unterschiedliche Berufsgruppen vertreten: von der Osteopathin, über die Allgemeinmedizinerin, der Psychologin, Sozialpädagogin hin zur Homöopathin. Für Simon eine tolle Möglichkeit, „ihren“ schwangeren Frauen bei Problemen sofort den richtigen Ansprechpartner vermitteln zu können.

Lisa Wimmenauer ist eine der Frauen, die sich im Netzwerk engagieren. Die zweifache Mutter und Osteopathin wurde bei ihren beiden Geburten von einer Hebamme begleitet und weiß, wie wichtig das ist. „Leider hat sich hier einiges geändert. Ich lerne viele Frauen kennen, die niemanden haben und ich kenne umgekehrt auch Hebammen, die ihren Beruf aufgeben“, berichtet Wimmenauer. „Beides sind große Probleme unserer Gesellschaft, die vielen nicht präsent sind.“ Dass so viele Frauen von dem Beruf zurücktreten, habe mit den fehlenden Zukunftsperspektiven und der nicht vorhandenen Sicherheit zu tun. Anne Simons größter Wunsch ist es, ein Zentrum zu gründen. „Ein Zentrum, in dem wir alle präsent sind und in dem Familien Unterstützung erhalten“, sagt sie. Also diejenigen, die keine Hebamme mehr gefunden haben, genauso wie jene, bei denen es Probleme rund um die Schwangerschaft gebe. „In unserem Netzwerk könnten wir ganz gezielt Hilfestellung leisten“, sagt Simon und macht deutlich: „Wir sind bereit – es fehlen uns nur die Räumlichkeiten.“