Fastnacht, Wein und Wirtschaft

Peter Hähner Archivfoto: Alexander Sell

Der neue IHK-Präsident Peter Hähner hat in Rheinhessen seine Heimat gefunden und will etwas zurückgeben. So engagiert er sich ehrenamtlich auch für die Villa Musica.

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RHEINHESSEN. Die jungen Mädchen werden sich vermutlich schwer gewundert, um nicht zu sagen etwas geschämt haben. Peter Hähner, ihr Vater, aber erzählt die Geschichte im Rückblick mit freudigem Stolz. Der „Kölsche Jeck“ war mit seiner Familie nach Hamburg gezogen, und seine drei Töchter brachten die Gepflogenheit, an Altweiber kostümiert in die Schule zu kommen, mit in die Hansestadt. Dort kennt man Kostümierte allerdings nur aus dem Fernsehen. „Autofahrer haben angehalten, um sie zu fotografieren“, erzählt der 62-Jährige. „Das haben meine Töchter nur einmal gemacht.“

Kein Wunder, dass Hähner, „kaum dass ich angekommen war“, schon im Großen Rat des MCV gelandet ist. „Zu meiner Studienzeit war ich dem Karneval sehr zugewandt“, erzählt er. Das hat er offenbar sowohl vererbt als auch sich bewahrt.

Vor siebeneinhalb Jahren zog der neue Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen nach Rheinhessen. Nach drei Jahren des Pendelns kam seine Frau nach, die Töchter sind längst erwachsen. Hähner, geborener Sauerländer, kam herum in der Republik. Schule und Studium in der Domstadt, Traineeprogramm und weitere frühe Karriereschritte in Nürnberg, zu Zeiten der Währungsunion Niederlassungsleiter in Jena – für einen Bänker einprägsame Jahre.

Dann ging es zurück nach Franken und dann zurück nach Köln, Aufbau- und Erweiterungsarbeit für die Hypovereinsbank. Den Karriereweg, der seit Jahrzehnten nur Führungspositionen beinhaltet, krönte mit Mitte 50 ein „unanständiges Angebot“ aus Stuttgart. Die Rheinland-Pfalz-Bank, heute LBBW, suchte jemanden, der in Hamburg und Köln neue Standorte ins Leben ruft. „Da war ich auf einmal Regionaldirektor für den Raum Südpfalz bis Sylt.“ Mit Dienstsitz Rheinhessen. Hähner zog nach Budenheim – und fand die Region, den Menschenschlag, die Lebensart vor, die er, wohl ohne es so recht zu wissen, immer schon gesucht hat.

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„Ich bin eher Jäger als Sammler, ich möchte immer gern weiterentwickeln“, sagt er über seinen bewegten Lebenslauf, der nun einen Zielpunkt erreicht zu haben scheint. „Wir fühlen uns sauwohl“, betont Hähner. Rheinhessen soll Lebensmittelpunkt bleiben. Der Wein war vorher schon seine „große Liebe“, die letzten Urlaube verlebte das Ehepaar nicht nur aufgrund der Pandemie in unserer Region, der nächste soll mal wieder nach Südtirol führen – Wein und Wandern. Kulturelle Integration nennt man das wohl. „Ich bin noch nirgends so herzlich, offen und fair aufgenommen worden wie in Rheinland-Pfalz, Rheinhessen, Mainz“, sagt er, „da will ich etwas zurückgeben.“

Also gab es kein langes Zaudern, als sein Vorgänger Dr. Engelbert Günster und IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz die Fühler ausstreckten. „Der Engelbert, der Günter.“ Hähner spricht von einem „freundschaftlich-unsittlichen Antrag“, unter schallendem Lachen. Ehrenämter gehören für das kulturell und musikalisch interessierte Kuratoriumsmitglied des Rheingau-Musik-Festivals, der Villa Musica Rheinland-Pfalz und der Alexander-Karl-Stiftung dazu. Nach Jertz’ Offerte und der ersten „Schnappatmung“ gab es, natürlich, grünes Licht vom Arbeitgeber – und jüngst auf der Vollversammlung dann die Wahl.

Seit Herbst saß Hähner regelmäßig mit Jertz zusammen, um zu sinnieren, wie man die regionale Wirtschaft nach der Pandemie wieder in Schwung bringen kann. Dass der führende Hauptamtliche und der führende Ehrenamtliche der Kammer einen Faible für Classic Rock, sportive Freizeitgestaltung auf Wanderungen und Rennrad sowie den Genuss guter Weine teilen, war sicher nicht von Nachteil. Jertz’ Smartphone-Hintergrund ziert ein „Pink Floyd“-Motiv, und wären es bei Ski-Enthusiast Hähner nicht die verschneiten Berge, dann David Bowie oder die „Rolling Stones“. „Wir schicken uns am Wochenende auch schon mal Playlists hin und her.“

Hähner, der bei öffentlichen Anlässen gerne mal zu Begrüßungsworten in Versform anhebt, will Musik in die rheinhessische Wirtschaft bringen, mit Beratungsangeboten und Webinaren zum Thema Restart und Förderung. Für eine moderate, zügige Öffnung der Außengastronomie und Belebung des Rheinufers spricht sich Hähner aus. Digitalisierung und Gründerwesen, Ausbildung und Außenwirtschaft werden Schwerpunktthemen bleiben.

Der neue IHK-Präsident spricht auch von „agilem Führen“, mit mehr Heimarbeit und Flexibilität sowie flacheren Hierarchien. Und Mainz und Rheinhessen sollen ein Biotech-Standort werden, mehr noch als bisher. „Mit der ersten oder zweiten Impfung ist Corona nicht vorbei.“ Und noch eine flachgefallene Kampagne würde die Familie Hähner wohl kaum durchstehen.