Von der Magie verzaubert: Jonas Haag und Kolja Hirdes aus...

Die jungen Zauberer Jonas Haag (links) und Kolja Hirdes haben verschiedene Programme zusammengestellt und lassen sich nicht in die Trickkiste schauen.Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

Verraten wird hier gar nichts! Keine Tricks und nichts von doppeltem Boden. Das ist auch bei Nachwuchszauberern so etwas wie Berufsehre, Betriebsgeheimnis. Jonas Haag und Kolja...

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UNDENHEIM. Verraten wird hier gar nichts! Keine Tricks und nichts von doppeltem Boden. Das ist auch bei Nachwuchszauberern so etwas wie Berufsehre, Betriebsgeheimnis. Jonas Haag und Kolja Hirdes plaudern dennoch aus dem Nähkästchen und gestatten Einblicke hinter die Kulissen der Illusionen. Sie zaubern ihr halben Leben lang und sind dabei, sich als Duo „JoKo Magic“ einen Namen zu machen. Über ihren ersten großen Auftritt als Weihnachtsshow in Uelversheim berichtete diese Zeitung.

Aus Grundschulfreunden werden Zauberlehrlinge

In der Grundschule wurden die beiden Undenheimer mit Zauberkästen beschenkt und ließen sich von der Magie gefangen nehmen. Das Hobby verbindet sie, bis sich ihre Wege vorübergehend trennen. Jonas wechselt aufs Gymnasium nach Oppenheim, Kolja nach Nieder-Olm. Beide machen die gleiche Erfahrung: „Ist man dem Zauberkasten entwachsen, beherrscht die begrenzten Tricks aus dem Effeff und kann das überschaubarer Publikum aus Freunden und Familie nicht mehr hinter dem Ofen herlocken, wird’s fad“, erzählen sie. Der Zauberkasten ist auserzählt und landet in der Ecke. Zaubern nur der Zauberei wegen und für sich allein sei doof.

Die Beiden kommen wieder zusammen, führen sich ihre Zauberstückchen gegenseitig vor, improvisieren, strukturieren die Nummern, erfinden Geschichten drum herum, kaufen neue Tricks, reichern mit Musik an, filmen das Ganze und bannen es auf DVD. „Damit könnt ihr auftreten“, kommentiert Koljas Mutter das Ergebnis. „Auftreten. Das bedeutet wechselndes Publikum. Wir müssten nicht immer wieder neue Nummern präsentieren“, stellt Jonas fest. Denn das ist das Problem. Wer über den Kinderzauberkasten hinaus will, spielt in einer anderen Liga. Da mitmischen, heißt Geld mitbringen.

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Jonas: „Ich habe das Internet durchforstet. Was da für Illusionen aufgerufen wird, das ist für Schüler unerschwinglich. Für große Teile geht es locker bei 2000 Euro los.“

Auf ihren ersten Auftritt 2015 im Gemeindehaus folgen Engagements zu Kindergeburtstagen. Jetzt treten sie in der Goldbachhalle auf, während der Fastnachtszeit sind sie jeden Samstag ausgebucht.

Kolja erzählt: „Wir haben unser Repertoire als Bausteinsystem organisiert. Daraus stellen wir zusammen, ob wir 15, 30 oder 60 Minuten auftreten und richten uns an ein Publikum ab fünf Jahre.“

Bei der Weihnachtsshow jedoch saßen auch Großeltern im Publikum. Alle ließen sich in einem 100 Minuten Programm faszinieren und verblüffen. „Ja, ein Programm für die ganze Familie hatten wir uns vorgestellt“, sagen beide. „180 verkaufte Karten. Ein großartiger Erfolg. Aber genau da ist der Haken. Je größer der Rahmen, umso größer die Illusionen. Kartentricks erkennt ab Reihe zehn keiner mehr.“

„Man kann Bauanleitungen bestellen. Das zieht einen Großeinkauf im Baumarkt nach sich und man braucht eine gut sortierte Werkstatt. Fertige Illusionen, so nennt man das Equipment, sind sperrig und teuer, zerlegbare unerschwinglich“, berichtet Jonas. Kolja erzählt: „Mein Vater hat gerade mit mir sechs Stunden an einem Ding gebaut. Der ganze Trick dauert gerade mal drei Minuten. Auch wenn er klasse ist.“

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Inzwischen kaufen sie gebraucht über ebay und bieten da ihre ausgedienten Utensilien auch wieder an. „Die Nummer mit Kolja in der Holzkiste können wir nicht mehr bringen. Er passt nicht mehr hinein“, berichtet Jonas. Mit 15 wächst man eben noch.

Einmal im Jahr eine große Show, das können sie sich gut vorstellen. Erschwingliche Veranstaltungsorte sind dafür ebenso Voraussetzung, wie chauffierende und tatkräftige Eltern. Koljas Vater hat inzwischen einen geräumigen Hänger angeschafft. Über die Eintrittspreise lässt sich das nicht refinanzieren.