Was kommt nach Held? Zukunft der Oppenheimer...

GWG und HGO befinden sich unter einem Dach in der Rheinstraße. Foto: hbz/Michael Bahr  Foto: hbz/Michael Bahr

OPPENHEIM. Am Montag hat Marcus Held (SPD) nicht nur sein Amt als Stadtbürgermeister niedergelegt. Auch die GWG und die HGO stehen nun ohne Vorstandsvorsitzenden...

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OPPENHEIM. OPPENHEIM. Am Montag hat Marcus Held (SPD) nicht nur sein Amt als Stadtbürgermeister niedergelegt. Auch die GWG und die HGO stehen nun ohne Vorstandsvorsitzenden beziehungsweise Geschäftsführer da – Held hatte beide Posten jahrelang inne und lenkte die Geschicke sowohl der Wohnungsbaugenossenschaft als auch ihrer 100-prozentigen Tochter, der Haus- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft. Allerdings mit starker Unterstützung seiner Parteigenossen: Sämtliche Positionen in Aufsichtsrat und Vorstand waren und sind mit SPD-Mitgliedern besetzt.

Held-Vertrauter führt nun die Geschäfte

Das ist nichts Neues, wie aber nun bekannt wurde, hat Held offenbar schon einige Zeit vor seinem Ausscheiden einen engen Vertrauten in Stellung gebracht. Marco Meidinger, der im Wahlkreisbüro Helds arbeitet und Mitglied seines Oppenheimer „Kompetenzteams“ war, bekam schon vor Wochen Prokura für die HGO. Dies bestätigt der GWG-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Waldschmidt auf AZ-Anfrage. Ansonsten gibt er sich auffallend schweigsam – ebenso wie andere Verantwortliche, die zur Frage, wie es mit der GWG und der HGO weitergehen soll, wenig bis nichts sagen wollen: Es wird gemauert.

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Zunächst zur GWG. Deren Vorstand bestand bislang aus zwei Personen – dem Vorsitzenden Marcus Held und Franz Kram. Dieser ist nun übrig geblieben; ob, wie und wann ein neuer Vorsitzender gewählt werde, müsse nun mit dem Aufsichtsrat geklärt werden, sagt Kram. Auch er war in Helds Kompetenzteam. Er gehört aber auch der Gruppe von SPD-Stadtratsmitgliedern an, die nach dem Bekanntwerden von Helds privatem Grundstücksdeal aus der Fraktion austraten und dem Ex-Stadtbürgermeister die Gefolgschaft aufkündigten.

Neben dem Vorstand hat die GWG einen ausschließlich mit Genossen besetzten Aufsichtsrat. Er ist etwas kleiner geworden, auf der Liste, die auf der GWG-Homepage einzusehen ist, fehlen seit Dienstag mindestens zwei Namen: Bärbel Trost, die neben ihrem SPD-Stadtratsmandat auch ihren Aufsichtsratsposten niederlegte – und Marco Meidinger, der neue HGO-Prokurist.

Zu seiner neuen Tätigkeit, seiner Ernennung und seiner Person will Meidinger selbst keine Angaben machen, verweist auf Klaus Waldschmidt. Dieser sei, darauf habe man sich geeinigt, für Auskünfte zuständig. Zu einem Gespräch steht der GWG-Aufsichtstratsvorsitzende nicht zur Verfügung. Von daher gehen ihm die Fragen dieser Zeitung schriftlich zu. Wir wollen unter anderem wissen: Welche Aufgabenfelder hat der neue Prokurist? Wer hat ihm Prokura erteilt und wann? Welche Qualifikationen bringt Marco Meidinger mit, um die Geschäfte für die HGO zu führen, und welches Gehalt bekommt er hierfür? Und: Wird Meidinger Geschäftsführer der HGO oder wird diese Stelle nach dem Ausscheiden Helds neu besetzt?

Der Inhalt der Fragen „überrasche“ ihn, teilt Waldschmidt, der seit dieser Woche die Cafeteria im Oppenheimer Hallenbad betreiben darf, mit; zudem sieht er in ihnen „teilweise Unterstellungen“. Knapp fällt seine Stellungnahme zum Thema Prokurist aus: „Herr Meidinger unterstützt uns mit seiner Prokura für die HGO. Dies wurde bereits vor einigen Wochen so vereinbart, um die Handlungsfähigkeit sicher zu stellen.“

Wie Meidinger auf der SPD-Homepage selbst angibt, ist sein Beruf „Wissenschaftlicher Mitarbeiter“. Korrekt ist: Der Endzwanziger verdient seine Brötchen als Wahlkreismitarbeiter für den Bundestagsabgeordneten Marcus Held, der derzeit krankgeschrieben ist, sein Mandat aber nach wie vor innehat. Sollte er dieses doch noch niederlegen, wie es viele führende Sozialdemokraten fordern, wäre auch Meidinger diesen Job los. Sollte er also bei der HGO „versorgt“ werden? Eine Frage, auf die es keine Antwort gibt.

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Welche Qualifikationen Meidinger als Prokurist mitbringt, bleibt offen. Fest steht, dass die HGO eine qualifizierte Führung braucht, steht sie doch vor einigen Herausforderungen. Sie soll schließlich das Neubauprojekt auf dem Gradinger-Grundstück realisieren. Und dann gibt es da noch bekanntlich die brisante Sache mit den Abrisskosten für den alten Gradinger-Bau. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Held wegen des Verdachts der Untreue, spricht von Interessenkollision zu Lasten von GWG und HGO. Als Stadtbürgermeister soll Held die zusätzlichen Abrisskosten auf die HGO gewälzt und das als deren Geschäftsführer so akzeptiert haben. Schaden für die Gesellschaft: 205 000 Euro.

Wie gedenken GWG und HGO damit umzugehen? Keine Antwort vom Aufsichtsratsvorsitzenden, nur so viel: „Herr Held hat notariell genau das umgesetzt, was in Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen worden ist. Es gab immer die Zusage, dass an der Stadt keine Kosten hängen bleiben sollen. Insofern gibt es hier keine Gründe für rechtliche Schritte.“ Von seinem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden hat Ex-Geschäftsführer Held also wohl nichts zu befürchten.