Vorsitz noch frei: Wie es ohne Marcus Held und Matthias Mohr...

Die Waren abholen, einpacken, auspacken und verteilen: Bei der Tafel läuft der Betrieb auch ohne Vorsitz normal weiter.   Archivfoto: Michael Bahr  Foto:

Der Kopf der Tafel muss vorerst frei bleiben: Marcus Held und Matthias Mohr, bisher Erster und Zweiter Vorsitzender, verabschieden sich auch aus dieser Runde. Doch das bedeute...

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OPPENHEIM. Der Kopf der Tafel muss vorerst frei bleiben: Marcus Held und Matthias Mohr, bisher Erster und Zweiter Vorsitzender, verabschieden sich auch aus dieser Runde. Doch das bedeute nicht, dass die Oppenheimer Tafel kopflos umherirre, versichern die verbleibenden Vorstandsmitglieder. Ende Mai sollen neue Vorsitzende gewählt werden – und einen Kandidaten gibt es schon: Dekan Michael Graebsch. „Mir ist das wichtig, dass es einer macht“, sagt er. Im kommenden Jahr werde er zwar viel mit der Umstrukturierung des Dekanats zu tun haben, aber es sei ihm eine „Herzensangelegenheit“. Bisher ist er der einzige Kandidat.

Um die 70 Mitarbeiter zählt Geschäftsführer Walter Lang, der im Amt bleiben wird. Er habe nicht beobachten können, dass wegen der Held-Affäre Leute abgesprungen seien. Trotzdem könnten sie noch weitere Unterstützung gebrauchen. „Uns fehlen vor allem Fahrer, die montags und freitags Waren abholen“, sagt er. Dann könnten noch weiter entfernte Lebensmittelläden als Spender aufgenommen werden: Dank eines neuen Fahrers seien zum Beispiel Märkte in Mommenheim und Undenheim wieder dabei.

180 Berechtigungsscheine sind für die Oppenheimer Tafel ausgestellt. Und das obwohl es anfangs hieß, ein so reicher Kreis brauche doch keine Tafel, erinnert sich Gründungsmitglied Graebsch. Auf einen Schein kommen meist mehrere Kunden: Insgesamt sind es rund 700, die auf das Angebot angewiesen sind. Das gilt es zu organisieren: Damit keine Warteschlangen entstehen wie in vorherigen Jahren, werden die Ausweisnummern Tag und Uhrzeit zugeordnet.

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Genügend Essen, zu viele Gerüchte

Einziges Problem: Die meisten wollen lieber Samstag als Dienstag kommen. „Unter der Woche haben wir manchmal zu viel Lebensmittel, am Wochenende wird es dann knapp“, sagt Lang. Insgesamt sei die Tafel aber gut gedeckt: Gemüse, Grundnahrungsmittel, Brot sind immer da, Milchprodukte auch meistens, nur an Fleisch und Wurst mangelt es etwas. Bleibt doch mal Gemüse oder Brot übrig, bekommen der Tiergarten und Bauernhöfe die Reste, weggeschmissen wird nichts, das ist die Philosophie.

Das Essen ließ jüngst die Gerüchteküche etwas kochen: Es sei eingebrochen worden, von Umetikettierung, um der Tafel vor einem Besuch des Gesundheitsamts zu schaden, war die Rede – das stimmt aber laut Polizei und dem Verein nicht. Das Gesundheitsamt sei lediglich zu einer Routinekontrolle gekommen. „Außer ein paar Kleinigkeiten war aber alles in Ordnung“, sagt Graebsch. Genauso seufzt er über das hartnäckige und völlig unsinnige Gerücht, vor der Tafel parken teure Autos – so etwas werde hin und wieder verbeitet, er wisse nicht von wem. „Wir machen hier transparent und ordentlich unsere Arbeit“, sagt Graebsch.

Und das eben auch ohne Held am Tafelkopf. Einziges Haar in der Suppe: Die Zugangsdaten für die Homepage können noch nicht übertragen werden. Die Zugriffsrechte sind für Held und Mohr weiterhin gesperrt und momentan auch noch für alle anderen: Die Einträge zu Uhrzeiten und Ausweis-Nummern unter „Aktuelles“ hinken also gut einen Monat hinterher. „Im Moment muss es über Aushänge und Mundpropaganda funktionieren“, sagt Lang. Im Internet wird eben erst wieder gegessen, wenn wirklich alles sitzt.