Vom Staunen zum Begreifen kommen: „Entdecken und Forschen“...

Was passiert, wenn man Wasser mit anderen Flüssigkeiten mischt? Das wollen die Schlaufüchse, die schon sehr professionell mit Reagenzgläsern und Pipetten hantieren, herausfinden.Foto: hbz/Michael Bahr  Foto: hbz/Michael Bahr

In der Kindertagesstätte Herrnweiher haben so einige erstaunliche Wandlungen stattgefunden. Aus den „Füchsen“ sind „Schlaufüchse“ geworden, die am liebsten in der...

Anzeige

OPPENHEIM. In der Kindertagesstätte Herrnweiher haben so einige erstaunliche Wandlungen stattgefunden. Aus den „Füchsen“ sind „Schlaufüchse“ geworden, die am liebsten in der Auseinandernehmwerkstatt tüfteln. Die „Eichhörnchen“ mutierten derweil zu „Laborhörnchen“, die die Welt der Farben ergründen. Und die „Sonnenblumen“ lassen sich als „Glühwürmchen von Licht und Schatten faszinieren. Die ganze Einrichtung beschäftigt sich derzeit und in den kommenden Monaten mit dem Thema „Forschen“. Keine Frage – die städtische Kita hat die Naturwissenschaften für sich entdeckt.

„Dabei darf man keine Angst haben, dass der Physikunterricht der Schule durch die Hintertür bei uns Einzug hält“, betont Kita-Leiterin Martina Stöber. Mit dem Jahresprojekt „Entdecken und Forschen“ sollen die Kinder „mit einer sorgsamen Auswahl an Experimenten auf spielerische Weise vom Staunen über naturwissenschaftliche Phänomene zum Begreifen geführt werden“, sagt Martina Stöber. „Wir haben einen Bildungsauftrag – den verstecken wir im Spiel.“

Ganzheitliche Förderung – spielerisch verpackt

Anzeige

Bei den naturwissenschaftlichen Experimenten gehe es nicht darum, Kinder zu Leistung anzutreiben. „Hier findet ganzheitliche Förderung statt.“ Jungen und Mädchen „arbeiten“ in der Gruppe, das stärkt die sozialen Kompetenzen. Der Sprachschatz wird erweitert, die Kreativität gefördert. Und im Umgang etwa mit einer Pipette wird die Motorik geschult. „Vor allem aber dürfen sie ihre Neugier entfalten.“

Benotungen gibt es nicht, genauso wenig wie Lehrpläne. „Wir lassen uns vom Wissensdurst und von der Fantasie der Kinder leiten“, erklärt Stöber. Das sei auch für die Erzieherinnen und Erzieher ein „unglaublich spannender“ Prozess. „Wir werden auch zu Lernenden, haben die wunderbare Chance, gemeinsam mit den Kindern etwas zu entdecken und zu erforschen“, schwärmt die Kita-Leiterin. „Nicht selten führt das Abenteuer dabei durch Wissensgebiete, die in der eigenen Kindheit unentdeckt oder sogar unbeliebt waren.“ Denn die Forscher in der Kita Herrnweiher bekommen auf ihre Fragen niemals diese Antworten: „Dafür bist du noch zu klein“, oder: „Das verstehst du nicht.“

Die Kinder lernen: Auch Erwachsene wissen nicht alles. Doch es gibt Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen – andere zu fragen, zum Beispiel, oder ein Lexikon zu benutzen. „Dies ist schon eine wertvolle Kompetenz“, sagt Martina Stöber. Ganz wichtig ist den Erzieherinnen, dass die Erfahrungen begreifbar sind. Was passiert, wenn Wasser auf Öl trifft? Das dürfen die „Schlaufüchse“ natürlich ausprobieren. Oder: Kann man Wind einfangen? Klar doch: Die Plastiktüten mit „gefangener“ Luft hängen an der Pinnwand vorm Gruppenraum der „Schmetterlinge“, die sich nun „fliegende Forscher“ nennen.

Schon die Kleinsten, die Krippenkinder, sind in das Jahresprojekt involviert. Hier steht das Fühlen im Vordergrund, wenn die „Samtpfötchen“ und „Kätzchen“ ihre Welt ertasten. „Viele Kinder verbringen aufgrund des Wandels der Familienstruktur einen Großteil ihrer frühen Kindheit in unserer Kita“, betont Martina Stöber. Daher suchen wir immer wieder neue Herausforderungen, um die uns anvertrauten Jungen und Mädchen stark für das Leben zu machen.“ Kinder seien generell sehr wissensdurstig. „Jeder, der mit ihnen zu tun hat, kennt die berühmten Warum-Fragen.“

Kinder zu starken Persönlichkeiten erziehen

Anzeige

Die kann ein Erwachsener nun mehr oder weniger gut beantworten. Oder, wie beim Forscherprojekt in der Kita, mit den Kindern gemeinsam nach Antworten suchen, in Experimenten. „Auf dem Weg zur Lösung erfahren die Kinder eine positive Wertschätzung, und das stärkt ihr Selbstvertrauen“, ist Stöber sicher. „Sie erlangen dadurch mehr Sicherheit und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten – und werden starke Persönlichkeiten.“