Überparteiliches Aktionsbündnis schlägt Generalleutnant...

Walter Jertz ist der Kandidat eines überparteilichen Bündnisses für das Amt des Stadtbürgermeisters.Archivfoto: Feuerwehr  Foto:

Der erste Kandidat für die Oppenheimer Bürgermeisterwahl heißt Walter Jertz. Ein überparteiliches Aktionsbündnis, das aus den Montagsdemos gegen den zurückgetretenen...

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OPPENHEIM. Der erste Kandidat für die Oppenheimer Bürgermeisterwahl heißt Walter Jertz. Ein überparteiliches Aktionsbündnis, das aus den Montagsdemos gegen den zurückgetretenen Stadtchef Marcus Held (SPD) hervorgegangen war, nominierte den 72 Jahre alten früheren Generalleutnant am späten Freitagabend. Der Urnengang soll voraussichtlich am 3. Juni stattfinden, rund 5900 Bürger sind in der Stadt wahlberechtigt. Der Wahlsieger kann maximal bis Sommer kommenden Jahres regieren. Bei der Kommunalwahl 2019 wird dann ein neuer Stadtchef für weitere fünf Jahre gekürt.

Unterstützende Unterzeichner der Erklärung für Jertz sind Christina Bitz (Sprecherin der Bündnisgrünen Rhein-Selz), Axel Dahlem (Orgnisator der Montagsdemos), Raimund Darmstadt (AL-Vorsitzender Oppenheim), Franz-Josef Kolb (Mitglied der CDU Oppenheim), Torsten Kram (Mitglied der SPD Oppenheim), Peter Pfau (CDU-Vorsitzender Oppenheim) und Stephanie Steichele-Guntrum (FDP-Vorsitzende Rhein-Selz). Die Unterzeichner wollen den Personalvorschlag nun in ihre Parteien, Wählervereinigungen und Gruppen hineintragen. Gelingt dies, dürfte Jertz breite Unterstützung sicher sein.

„Walter Jertz ist aus unserer Sicht bestens für dieses Amt geeignet“, heißt es in der Erklärung weiter. Er bringe die Fähigkeiten für die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen mit. „Er ist in dieser außergewöhnlichen Situation für uns der Richtige. Er ist bereit Verantwortung zu übernehmen. Er ist in der Lage glaubwürdig die notwendigen Prozesse anzustoßen und umzusetzen.“ Zudem sei Jertz „parteiunabhängig und überparteilich anerkannt. Er handelt aus Überzeugung für Oppenheim.“

Der bisherige Amtsinhaber Held, der seit 2004 in Oppenheim am Ruder war, war am Mittwochabend nach einer Welle monatelanger öffentlicher Kritik zurückgetreten. Der Landesrechnungshof hatte ihm Verschwendung und rechtswidriges Verwaltungshandeln vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft ermittelt in 15 Fällen wegen Untreue- und Bestechlichkeitsverdacht, insbesondere aufgrund dubioser Grundstücksgeschäfte. Zuletzt hatte diese Zeitung enthüllt, dass Held ein Grundstück zum doppelten Preis des Einkausfpreises an einen kirchlichen Sozialträger veräußert hatte.

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Daraufhin rückten auch fast alle Parteifreunde von dem 40-Jährigen ab, der sich Ende Januar bereits auf unbestimmte Zeit krankgemeldet hatte.

Jertz wurde in Mainz geboren, wuchs in Oppenheim auf und machte dort am damaligen Neusprachlichen Gymnasium sein Abitur. 1965 trat er der Luftwaffe bei, 1995 befehligte er für sechs Monate die zur Friedenssicherung im früheren Jugoslawien eingesetzten deutschen Luftstreitkräfte beim ersten Auslandseinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zuletzt machte sich Jertz, der keiner Partei angehört, auch als Kinderbuchautor einen Namen.

Politisch war Jertz in Oppenheim zuletzt auf dem alternativen Neujahrsempfang am 14. Januar in Erscheinung getreten. Als Weinritter hatte er zwar eine Einladung zum parallel stattfindenden Neujahrsempfang der Stadt erhalten – sich aber für die Alternativveranstaltung im Casino-Saal des Merian-Hotels entschieden. Warum? „Um ein Zeichen zu setzen“, hatte Jertz damals der AZ gesagt. „Ich bin wie viele Leute hier parteilos, aber auch wir wollen unsere Stimme erheben.“ Auch für Held, hatte der ehemalige Luftwaffenkommandant damals betont, gelte das Gesetz der Unschuldsvermutung; doch der Weg, den die Stadt in den letzten Jahren eingeschlagen habe, sei klar falsch gewesen. „Ich würde mir wünschen, wir würden auf einen Weg zur Gemeinschaft zurückfinden, auch wenn’s steinig wird.“ Jertz ist in Oppenheim Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr und Zweiter Vorsitzender des Orgelbauvereins der Katharinenkirche. Zudem ist er Mitglied im Geschichtsverein, beim TVO und beim Rotary Club Rhein-Selz.

Von Ulrich Gerecke