Schüler-Duo aus Oppenheim siegt beim Bundesfinale von...

Paul Nehme (links) und Milan von dem Bussche vom Oppenheim Katharinengymnasium gewinnen bei "Jugend gründet".  Foto: HS Pforzheim

Zwei Oppenheimer haben mit einer pfiffigen Geschäftsidee einen großen Coup gelandet. Sie verwandeln Plastikschrott in Handyhüllen – so smart, das auch die Jury bei dem...

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OPPENHEIM/STUTTGART. Mit einer pfiffigen Geschäftsidee haben Milan von dem Bussche (15) und Paul Nehme (16) den ganz großen Coup gelandet. Die beiden Schüler vom Oppenheimer Katharinengymnasium haben den bundesweiten Wettbewerb „Jugend gründet“ des Bundesforschungsministeriums gewonnen. Beim Finale im Stuttgarter Porsche-Zentrum setzten sich die beiden am Dienstag zusammen mit einem Team aus Berlin gegen acht Mitbewerber durch. Alle Gewinner dürfen sich demnächst auf einer Reise ins Silicon Valley fortbilden. Insgesamt waren rund 4000 Teilnehmer zu der Konkurrenz gestartet.

Nehme und von dem Bussche haben mit ihrer selbst gegründeten Firma „Qi_Tech“ (Qualitative Individual Technologies) geschredderten Plastikschrott mit Hilfe eines 3D-Druckers zu Handyhüllen verarbeitet. In Zukunft sollen Kunden die Möglichkeit haben, über eine Webseite selbst designte Hülle zu konfigurieren. Die eingespeisten Daten werden direkt zum Endprodukt verarbeitet. Dieses Zusammenspiel von Individualität und Nachhaltigkeit überzeugte auch die Jury. Sie setzte die Schüler, die nach der Vorentscheidung noch auf Platz drei gelegen hatten, auf die Spitzenposition.

"Gigantischer Messestand"

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Die Preisrichter waren nach dem Messeauftritt insbesondere angetan, wie überzeugend die beiden ihre Technik beherrschten. Sie hätten einen „gigantischen Messestand“ mitgebracht, für ihre Präsentation verschiedene Medien „abwechslungsreich“ genutzt und ihren gesamten Herstellungsprozess transparent gemacht. Erfreut stellte die Jury zudem fest, dass sie selten ein Team erlebt hätten, „das sich vom ersten Pitch-Event bis zum Finale so enorm gesteigert hat“.

„Wir spüren eine riesige Erleichterung“, sagte Milan von dem Bussche dieser Zeitung, während er mit seinem Partner und den beiden mitgereisten Austauschschülern aus den USA den Triumph gebührend feierte. „Ein Jahr haben wir darauf hin gearbeitet, es hat sich alles gelohnt.“

Dabei ist die Arbeit an ihrem Business Plan mit dem Titelgewinn in Stuttgart längst nicht abgeschlossen, sie geht jetzt mit doppeltem Einsatz weiter. Schon zum Beginn des neuen Schuljahres – dann werden beide in der Oberstufe sein – soll der Online-Shop startklar sein. „Wir können jetzt unsere Idee auf das nächste Level heben“, sagte von dem Bussche, der mit Nehme wochenlang in der elterlichen Garage in_Oppenheim den Auftritt in Stuttgart vorbereitet hatte.

„Für uns ist das ein Sprungbrett“, meinte der 15-Jährige. „Wenn wir jetzt mit Schlüsselpartnern reden, können wir diesen Titel vorweisen. Dann wissen die gleich: Uns können sie ernst nehmen.“ Schon vor dem Wettbewerbsfinale bei Porsche („Das war ein großartiges Events, auch durch den regen Austausch mit den anderen Teilnehmern“) hatte die Stiftung Bildung dem dynamischen Duo 4000 Euro Förderung zugesagt. Die fließen jetzt ebenfalls in die Weiterentwicklung.

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Die Mitschüler fiebern per Livestream auf Instagram mit

Für die beiden Startup-Gründer geht es Ende Oktober nach Übersee, rechtzeitig zu Halloween. „Da müsste uns der Schulleiter vielleicht noch einmal freistellen“, meinte von dem Bussche. Das dürfte sich einrichten lassen, denn Hendrik Förster, Direktor des Katharinengymnasiums, war auf seine beiden Zehntklässler natürlich mächtig stolz: „Ich sehe das Ergebnis in erster Linie als Ausdruck der herausragenden Kreativität, fundierten Ausbildung, aber auch der Durchsetzungsfähigkeit unserer beiden Schüler. Paul war bereits mit unserer Robotic-AG bundesweit erfolgreich. Milan hat als stellvertretender Schülersprecher gemeinsam mit der Schülervertretung schon viele tolle Ideen zum Beispiel für die Gestaltung unseres Schulhauses eingebracht und auch schon realisiert.“

Übrigens hat bei der Ergebnisverkündung und der Siegerehrung die halbe Schule in Oppenheim mitgefiebert – dank eines Livestreams, den die zwei auf Instagram eingerichtet hatten.

Von Ulrich Gerecke