Jazzabend in der Katharinenkirche

Olaf Schönborn (Saxophon) und das Georgii-Trio, zu dem Christoph Georgii (Piano), Torsten Steudinger (Bass) und Tobias Stolz (Drums) gehören, gaben ein Jazzkonzert im Schatten der „Feuersäule“ in der Katharinenkirche. Foto: Michael hbz/Bahr

Ein roter transparenter Stoff als „Feuersäule“ war der Augenfang bei einem Jazzkonzert mit dem Georgii-Trio in der Katharinenkirche.

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OPPENHEIM. Jazz im Kirchenraum, da gibt es doch gleich Bedenkenträger. Doch Musik kann Räume öffnen, Zugang zu fremden Klängen schaffen und nebenbei Gefühlswelt und Spiritualität jedes Einzelnen beflügeln. So gesehen ist das Christoph Georgii Trio mit dem Saxophonisten Olaf Schönborn die perfekte Wahl, der Atmosphäre der durch die „Feuersäule“ von Marie-Luise Frey erleuchteten Katharinenkirche eine klangliche Komponente hinzuzufügen. Da passt es gut, dass Georgii Kirchenmusiker ist und populäre gesangliche und barocke Klänge in seine weitläufigen Jazzkompositionen einbringt. Am Anfang steht, wie in der Bibel, die Finsternis, die Georgii mit einem durch die Instrumente gereichten Ostinato dissonanter Noten charakterisiert. Beginnend mit einsamen Saxophonklängen, kurzem Ensemblespiel und dem Donnergrollen des Schlagzeugers Tobias Stolz, ist die Eröffnung durch Anschwellen von Intensität und Dramatik charakterisiert. Im Klangraum der Kirche entsteht durch den natürlichen Hall ein Gefühl von Weite. Improvisationen, die um das Thema „Licht“ kreisen, wurden versprochen, und man kann die Musik durchaus so deuten.

Das „Lamento“ nimmt das Publikum an die Hand, den musikalischen Weg aus der Finsternis ans Licht sinnbildlich mitzugehen. Der Übergang düsterer Basslinien zu liedhaft harmonischen Klängen voller Wehmut und der Übergang melancholischer Molltöne zu strahlendem Dur wird als inspirierende Reise erlebt. „Hope in Her Eyes“ ist eine luftige Pianoballade mit groovendem Mittelteil, in dem Kontrabassist Torsten Steudinger und Olaf Schönborn am Sopransaxofon aufwühlende Soli spielen. Der Jesaja-Text „Finsternis zu Licht“ wird mit perlenden Pianokaskaden und mystischen Obertönen mittels Flageolett-Bogenspiel des Bassisten klangmalerisch interpretiert. „Meines Vaters Haus“ ertönt als höchst eingängige Pianoballade mit Popappeal.

Das anschließende geradlinige „Zwischenspiel“ bringt Tempo und Groove ins Spiel, während „Die Erkenntnis der Liebe“ als zarte Popballade gedeutet werden könnte. Das fröhlichste Stück des Abends ist das infektiöse „Es werde Licht“ mit starkem Sopransaxsolo. „Glory to God“ klingt schließlich wie ein Jazzstandard oder Musicalsong aus den vierziger Jahren mit wundervoller Melodie. Als Zugabe gibt es eine weitere lyrische Pianoballade mit starker Interaktion der Musiker.

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Von Fred Balz