Hat Marcus Held Vertraute im Vorzimmer des Oppenheimer...

Hat Ex-Stadtbürgermeister Marcus Held (SPD) kurz vor seinem Abgang aus Oppenheim enge Vertraute an neuralgischen Stellen in der Stadt platziert? Erst wurde bekannt, dass er...

Anzeige

OPPENHEIM. Hat Ex-Stadtbürgermeister Marcus Held (SPD) kurz vor seinem Abgang aus Oppenheim enge Vertraute an neuralgischen Stellen in der Stadt platziert? Erst wurde bekannt, dass er seinen Wahlkreismitarbeiter Marco Meidinger als Prokurist bei der HGO eingesetzt hat. Doch auch im Rathaus gibt es eine Personalie, die aufhorchen lässt. Das Oppenheimer SPD-Mitglied Kerstin Hendricks, die in Kreisen der Sozialdemokraten als enge Held-Vertraute gilt, arbeitet nach AZ-Informationen seit einigen Tagen im Vorzimmer des Stadtbürgermeisters.

Hendricks war nicht nur über die „Parteischiene“ mit Marcus Held bekannt – er war bei der GWG auch ihr Chef. Hendricks, arbeitet, so ist auf der Homepage der Genossenschaft zu lesen, im Service-Team; Held war bis zum 5. März, dem Tag, an dem er seine sämtlichen Ämter in Oppenheim niederlegte, der Vorstandsvorsitzende der GWG.

Interimsstadtchef Helmut Krethe (parteilos) bestätigt auf Anfrage der AZ, dass Hendricks seit 15. März in Teilzeit angestellt ist. Er bestätigt auch: „Die Einstellung der Frau Hendricks in den Dienst der Stadt Oppenheim hat Herr Held veranlasst.“ Die Stelle sei ordnungsgemäß ausgeschrieben gewesen. Interessant ist der Zeitpunkt der Anstellung – diese erfolgte, als Held bereits krankgeschrieben war. Die Krankmeldung hatte dieser am 30. Januar bekannt gegeben.

Unterzeichnet wurde Hendricks Arbeitsvertrag allerdings nach diesem 30. Januar – von Helds Vertreter. „Ich war Anfang Februar mit dem Vollzug dieser Entscheidung befasst, indem ich den Arbeitsvertrag unterschrieben habe“, erklärt Krethe. „Dies geschah auf Veranlassung von Herrn Held.“

Anzeige

Held, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue, der Bestechlichkeit und der Vorteilsnahme ermittelt, hat selbst keinen Zugang mehr zu „sensiblen Bereichen“ im Rathaus; er wurde aufgefordert, die Schlüssel abzugeben, die elektronischen Zugänge wurden gekappt. Skeptiker befürchten dennoch, dass Held versuchen könnte, sich über Bekannte auf dem Laufenden zu halten, im Rathaus wie anderswo.

Krethe dazu: „Ich weise darauf hin, dass jeder Mitarbeiter vor Arbeitsaufnahme eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben muss. Hierin verpflichtet sich der Arbeitnehmer zur Verschwiegenheit aller im Dienst erlangten Kenntnisse. Ich muss davon ausgehen, dass jeder Mitarbeiter sich daran hält. Wer dagegen verstößt, muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.“

Kritiker unterstellen Held schon lange, dass er Menschen durch Druck oder Abhängigkeiten an sich band – und dass solche Verbindungen bis heute Bestand haben könnten. Hendricks war bis vor kurzem Mitglied im Vorstand der SPD Oppenheim, legte dieses Amt nach AZ-Informationen erst kürzlich nieder. Ende 2017 schaltete sie sich einmal in die öffentliche Diskussion um Held und seine mutmaßlichen Verfehlungen ein und schrieb einen Leserbrief, in dem sie Position für ihren damaligen GWG-Chef ergriff: „Mach weiter so Marcus, lass dich nicht in Schande und Schuld bringen, die du nicht hast“, hieß es da, und weiter: „Wir werden dafür sorgen, dass die Vermummten ihr Gesicht zeigen müssen und geradezustehen haben für das, was sie Oppenheim und dem Schultheiß angetan haben.“ Held durfte sich Hendricks’ Loyalität also ziemlich sicher sein, als er ihr wenige Wochen später den Job im Rathaus besorgte.

Kein Anlass zur Sorge für Helmut Krethe: „Frau Hendricks ist deutsche Staatsangehörige. Ihr stehen alle im Grundgesetz genannten verfassungsrechtlichen Rechte zu. Sie hat unter anderem das Recht, sich öffentlich für oder gegen eine Person, Personengruppe, Verein, Verband, Partei auszusprechen.“