Händels „Messias“ beeindruckt in Oppenheim

Kantor Ralf Bibiella leitete das Konzert: Die Kantorei St. Katharinen und die Churpfälzische Hofkapelle brillierten mit Händels „Messiah“. Foto: hbz/Michael Bahr

Jubilierend den Erlöser preisen: Kantorei und Churpfälzische Hofcapelle brillieren mit Händels Oratorium in der Katharinenkirche

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OPPENHEIM. Der Kantor der Oppenheimer Katharinenkirche, Ralf Bibiella, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alljährlich zum Weihnachtsfest ein großes geistliches Werk aufzuführen. Nach Messen und Oratorien von Bach, Brahms, Dvorák und Verdi stand in diesem Jahr Georg Friedrich Händels englischsprachiger, in Irland komponierter „Messiah“ auf dem Programm. Der Blick ins üppige Programmheft trägt durch den Abdruck der Übersetzung zum Verständnis bei. Manche lesen eifrig mit, doch die meisten Konzertbesucher lassen sich von der prächtigen, wohlklingenden Musik tragen. Auch in diesem Jahr sind die Kantorei St. Katharinen und die Churpfälzische Hofcapelle sowie vier Solisten unter dem Dirigat Ralf Bibiellas an der Aufführung beteiligt.

Zu hören sind neben der melodienseligen orchestralen Einleitung und einem Zwischenspiel mit eingängiger Hirtenmusik die wechselnde Abfolge von Rezitativen, Arien und meist vierstimmigen Chören. Als Gesangssolisten sind die an der Mainzer Musikhochschule lehrende Sopranistin Ursula Ott, die Frankfurter Altistin Melinda Paulsen, der am Staatstheater Saarbrücken beschäftigte Tenor Sung Min Song und Bariton Stefan Stoll vom Mainzer Staatstheater in bisweilen ausufernden Koloraturen und Textwiederholungen zu hören. Die wenigen Männerstimmen der mächtigen fünfzigköpfigen Kantorei können im vierstimmigen Wechselgesang gut mithalten. Die facettenreiche Musik der Hofcapelle trägt über weite Strecken die wechselnden Gesänge und somit den Text des Librettisten Charles Jennens, der sich zu Beginn auf Texte des alten und später des Neuen Testaments bezieht. Die 17-köpfige Hofkapelle ist bekannt für ihre authentisch-historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten wie zwei feierlich klingende, stabförmige Bachtrompeten, zwei sonore Oboen, Fagott, zahlreiche Streicher sowie die Generalbassinstrumente Kontrabass, Cello und eine kleine Orgel. Das Oratorium besteht aus drei Teilen. Der erste schildert die Ankündigung von Christi Geburt. Der Chor „Die Herrlichkeit Gottes“ gibt der Freude über die Ankunft Ausdruck. Nach dem Chor „Denn es ist ein Kind geboren“ stimmen die Engel ihr Gloria an: „Ehre sei Gott und Friede auf Erden“. Die Lebens- und Lehrzeit Jesu wird nur kurz behandelt. Der zweite Teil stellt die Leidensgeschichte Christi dar und endet mit seiner Auferstehung.

Das allseits bekannte „Halleluja“ mit Worten aus der Offenbarung bekräftigt als Höhepunkt den Leidensweg der Passion Christi und den Sieg Gottes über das Böse. Der dritte Teil verkündet die Erlösung der Welt und die Überwindung des Todes durch Christus. Pauken und Trompeten lassen die feierliche Musik und hymnischen Chöre an Ausdruck und Dramatik anschwellen. Im großen hymnischen Schlusschor wird das Opferlamm zwecks Vergebung unserer Sünden besungen, dem sich ein schlichtes, weit ausgesungenes „Amen“ als Schlusspunkt anschließt. Das üppig inszenierte Oratorium feiert den Messias so passend zur Weihnachtszeit mit deklamatorischen Rezitativen, dramatischen Arien, hymnischen Chören und wohlklingenden Orchesterharmonien.

Von Fred Balz