Cannabis-Verkauf auf Niersteiner Schulhof veranlasst: Fünf...

Einem heute 23 Jahre alten Mann aus Oppenheim wurde die Unachtsamkeit seiner damaligen Freundin im Mai 2016 zum Verhängnis. Damals verlor die erst 16-Jährige im Klassenraum...

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OPPENHEIM. Einem heute 23 Jahre alten Mann aus Oppenheim wurde die Unachtsamkeit seiner damaligen Freundin im Mai 2016 zum Verhängnis. Damals verlor die erst 16-Jährige im Klassenraum ihrer Schule in Nierstein ein Cannabisbriefchen aus ihrer Tasche, das von der Lehrerin in der Pause am Boden entdeckt wurde. Die Pädagogin rief die Polizei, die befragte die Schülerin und deren Freundin intensiv: Heraus kam, der gelernte Metzger verkaufte regelmäßig Marihuana und zweimal auch Kräutermischungen an 15- und 16-Jährige. Jetzt wurde der 23-Jährige vom Mainzer Landgericht wegen zehn Fällen der Drogenabgabe an Jugendliche sowie des Bestimmens von Jugendlichen zum Verkauf von Drogen zu fünf Jahren Haft verurteilt.

In die Strafe floss eine Vorverurteilung von zweieinhalb Jahren wegen gleichartiger Fälle ein. Das Gericht folgte den Ausführungen von Staatsanwalt und Verteidigerin, die vor allem deshalb auch von minderschweren Fällen ausgegangen waren, weil sämtliche jugendlichen Kunden des Angeklagten schon vor ihrem Kontakt zu dem heute 23-Jährigen hier und da mal Cannabis konsumiert hatten. Vielleicht weil es ihnen unangenehm war, wollten sich die Zeugen kaum noch bis gar nicht an die Ereignisse von damals erinnern. Alles sei schon „extrem lange her“, meinten sie.

Die Freundin hatte dem jetzt Angeklagten damals erzählt, ihre Schule sei für den Handel mit Drogen bekannt und sie könne dort ebenfalls verkaufen. Er war einverstanden, sagte sie. „Es war ein komisches Gefühl, als ich die Drogen mit in die Schule nahm. Aber Freunde hatten mich vorher schon gefragt, ob ich was besorgen kann.“ Einmal hatte sie zwölf Gramm in Einheiten abgepackt mitgenommen, einmal sollen es zehn Gramm gewesen sein.

„Dummheit und Naivität“ als Motiv nahm die junge Zeugin für sich in Anspruch. Das konnte der Angeklagte nicht. Er war bereits mehrfach mit Drogen aufgefallen. Auch musste er einräumen, über das Alter seiner Kunden Bescheid gewusst zu haben. Seine Anwältin übernahm im Weiteren den Part, das Geständnis für ihren Mandanten vorzutragen. Demnach gab er alle 14 ihm vorgeworfenen Fälle vom Januar 2015 bis Mai 2016 zu, zuletzt aber wurden vier Fälle eingestellt. Hier hatte er per Handynachricht versucht, einer Schülerin jeweils ein Gramm Marihuana zu verkaufen. Diese war aber auf die Angebote nicht eingegangen.

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Zwei Entgiftungen hat der Verurteilte bereits hinter sich

Der Metzger hatte insgesamt nur jeweils zehn Euro pro Gramm verlangt, vor allem sei es ihm darum gegangen, seinen eigenen Cannabiskonsum damit zu finanzieren. Er hatte bis dahin bereits zwei Entgiftungen gemacht, war aber jedes Mal in seine alten Gewohnheiten zurückgefallen. Seit er in Haft sitzt, hat sich seine Sicht auf die Drogen geändert. Er hat Kontakt zur Drogenberatung aufgenommen und strebt nun auch eine Langzeittherapie an. Wegen seiner Sucht hatte er nach eigenen Angaben bald nach der Lehre 2013 seinen Job verloren und hatte seither nur noch gelegentlich gearbeitet. Zuletzt lebte er von der Unterstützung von Mutter, Tante und Schwester, räumte der Mann ein.