Zwei große Weingüter

Die Schatzkammer am früheren Stammsitz des Weinguts Gerhardt in Nierstein. Das Gelände in der Oberdorfstraße wurde 2015 an den Investor Michael Stock verkauft.Foto: hbz/Michael Bahr (Archiv)  Foto: hbz/Michael Bahr (Archiv)

Es gibt viel zu berichten über Persönlichkeiten, die das alte Nierstein durch ihre Motivation und Zielstrebigkeit prägten. Hier eine kleine Auslese:Georg Schmitt Georg...

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NIERSTEIN. Es gibt viel zu berichten über Persönlichkeiten, die das alte Nierstein durch ihre Motivation und Zielstrebigkeit prägten. Hier eine kleine Auslese:

Georg Schmitt

Georg Schmitt wurde 1849 in einem Haus geboren, das an der Stelle des späteren Weinhauses „Zur Krone“ stand. Nachdem er das Geometer-Examen abgelegt hatte, absolvierte er noch eine kaufmännische Lehre. Danach gründete er im Hause Langgasse 13, heute Weingut Heinrich Braun, eine Holz- und Kohlenhandlung. Nebenher erwarb er sich fortgesetzt Weinbergsbesitz, der immer größere Dimensionen annahm.

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Am 2. Mai 1907 heißt es in der „Niersteiner Warte“: „Das hinter der neuen Post gelegene Baugelände von annähernd 400 Klafter, welches sich bis zur Ernst-Ludwig-Straße erstreckt, ging an Herrn Georg Schmitt über. Das Grundstück gehörte bisher Herrn Bürgermeister Wernher. Herr Georg Schmitt wird auf diesem Gelände einen Keller bauen, der über 200 Stück Wein fassen wird. Neben einem Wohnhaus wird noch ein Lagerplatz für Holz, Kohlen und sonstige Materialien errichtet.“

Die drei Söhne Georg, Gustav Adolf und Karl Ludwig übernahmen nach ihrer Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg das Gut des Vaters. Der weitläufige Keller wurde errichtet und die anfänglich für das Holz- und Kohlengeschäft vorgesehene Anlage wurde vollständig umgebaut und ein großes Kelterhaus errichtet.

Die „Warte“ berichtet am 20. Juni 1931: „Der Umbau des Georg Schmitt’schen Weingutes, in welchem sich im rechten Eckbau das Niersteiner Postamt befindet, ist nunmehr vollständig fertiggestellt. Das Gebäude ist durch seine neugeschaffene Einheit zu einer Zierde des Postplatzes geworden.“

Der Gründer des Weingutes, Georg Schmitt, starb im Jahre 1934.

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Jakob und Hans Gerhardt

Am 14. Juli 1910 erwarb Jakob Gerhardt aus Dalheim das Haus Fronhof Nummer 10 von der Familie Heinrich Schlamp und eröffnete darin eine Küferei. In einem Inserat in der „Niersteiner Warte“ vom 28. Oktober 1911 bot er unter anderem Apfelwein an. Etwa im Jahre 1924 kaufte Jakob Gerhardt das 1893 von Georg Schuch I. erbaute Gasthaus „Zur Krone“ mit seinem großen Saal in der Oberdorfstraße. Zum gleichen Zeitpunkt firmierte Jakob Gerhardt, der durch Zukäufe von Niersteiner Weinbergen seinen Besitz immer mehr vergrößern konnte, mit dem Zusatz „Weinbau und Weinhandel“. Die Belieferung von Endverbrauchern durch ein Netz von Vertretern und Auslieferungslagern wurde immer mehr ausgebaut.

Der Saal der „Krone“, der bis zu 600 Gäste aufnehmen kann, wurde im August 1926 neu renoviert. In der „Niersteiner Warte“ wird über die Einweihung folgendermaßen berichtet: „Am Samstag soll der nunmehr neu hergerichtete Kronensaal nach seiner Fertigstellung eingeweiht werden. Der Besitzer des Hotels ‚Zur Krone‘, Herr Jakob Gerhardt, hat denselben durch die beiden hiesigen Malermeister, die Herren Hans Schubert und Anton Molkenboer, ausmalen lassen.“

Sohn Hans übernahm nach dem Tod seines Vaters den Betrieb, der sich inzwischen in der Oberdorfstraße 27 etabliert hatte. 1958 kaufte Hans Gerhardt das Weingut Georg Friedrich Kehl auf dem Fronhof hinzu, später wurden in Dexheim in einem Neubau Verwaltung und Produktion zusammengefasst. Hans Gerhardt starb im Jahr 1972.

1987 kaufte Dieter Altmann aus Hamburg das Weingut und führt dieses unter dem gleichen Namen weiter.