Nierstein: Jimmerthal soll CDU-Bürgermeisterkandidat werden

Sein erstes Leuchtturmprojekt: Thomas Jimmerthal (rechts) bei der Einweihung des neuen Schwabsburger Kunstrasenplatzes. Am Pult steht der Mann, der ihn in die Politik holen will: CDU-Stadtbürgermeister Thomas Günther. Fotos: hbz/Michael Bahr (Archiv); JFV Rhein-Selz

Lange war spekuliert worden, wenn die Union als Bewerber um die Nachfolge von Thomas Günther nominiert. Nun scheint der parteilose Chef des JFV Rhein-Selz das Rennen zu machen.

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NIERSTEIN. Was die Mainzer CDU kann, können die Parteifreunde in Nierstein schon lange. Nachdem die Union in der Landeshauptstadt den parteilosen Nino Haase als OB-Kandidaten aus dem Hut gezaubert hat, wird der Niersteiner Ortsverband aller Voraussicht nach ebenfalls mit einem Nicht-Mitglied in die Kommunalwahl am 26. Mai ziehen. Thomas Jimmerthal heißt der Mann, der sich am Montag, 28. Januar, bei der Mitgliederversammlung um das Mandat bewirbt, als Stadtbürgermeister für die CDU zu kandidieren.

Der Name des 62-Jährigen wird schon länger gehandelt, mit der Einladung an die Mitglieder verschickte der Vorstand nun Vita und Vorstellungsschreiben Jimmerthals. „Der Vorstand hat ihn kennengelernt und unterstützt ihn mehrheitlich“, bestätigte Matthias Stubbe, Vorsitzender des Ortsvereins.

Einige sehen seine Kandidatur skeptisch

Jimmerthal gilt als Wunschkandidat von Thomas Günther, der 20 Jahre Stadtbürgermeister war, aber im Mai nicht mehr antreten wird. „Wir sind beim Adventsmarkt ins Gespräch gekommen“, berichtet Jimmer- thal. Daraus hätten sich weitere Kontakte und Perspektiven ergeben, die nun zu seiner Bewerbung führen. „Ich werde mich den Mitgliedern anbieten, weil ich glaube, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.“ Zugleich will er ein Team von Mitstreitern präsentieren. Namen nannte Jimmerthal noch nicht, sprach aber von „sehr konkreten Ideen“.

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Jimmerthal ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt seit 2002 in Nierstein. Beruflich ist er in der Leitung Produktion- und Sendebetrieb des ZDF tätig, wo er seit 1985 zahlreiche journalistische, finanzielle und administrative Aufgabenfelder betreute. Daher sind ihm Organisation und Personalverantwortung vertraut.

Inhaltlich wollte sich Jimmerthal noch nicht festlegen, seine Ideen zuerst den Mitgliedern darlegen. Als wichtige Eckpunkte für Nierstein in den kommenden Jahren nannte er den Rhein-Selz-Park, das neue Rheinufer, Kita-Plätze und Einkaufsinfrastruktur. Er fühle sich auch ohne Parteibuch der CDU verbunden. „Ich mag starke Menschen, aber mein Stil ist eher ein moderater“, umschreibt er sein Credo. Zudem habe er ein Faible für „Leuchtturmprojekte“. Mit einem solchen hat er in Nierstein bereits auf sich aufmerksam gemacht: Jimmerthal ist erster Vorsitzender des JFV Rhein-Selz, der kürzlich fusionierten Jugendfußballabteilungen von VfR Nierstein und 1. FC Schwabsburg.

Er hoffe auf breite Unterstützung, sagt Jimmerthal – wohl wissend, dass es in der CDU Personen gibt, die seine Kandidatur skeptisch sehen. Zwar habe Jimmerthal einen guten Eindruck hinterlassen, heißt es aus Parteikreisen, auch seine fehlende politische Erfahrung und Stallgeruch wären kein K.o.-Kriterium. Allerdings treibt einige die Sorge um, ob man Jimmerthal in der Stadt bis zum Wahltag so bekannt machen kann, dass er gegen den bestens vernetzten FWG-Kandidaten Jochen Schmitt bestehen kann. „Es ist legitim, wenn solche Fragen kommen, ich sehe das sportlich“, sagt Jimmerthal.

Sollte er als Kandidat akzeptiert werden, wäre auch eine weitere Amtszeit Günthers endgültig vom Tisch. Der amtierende Stadtchef hatte im September seinen Abschied angekündigt. Lange galt der Dritte Beigeordnete Tobias Bieker als sein designierter Nachfolgekandidat, bis auch dieser sich aus der Politik zurückzog. Umgehend setzten Spekulationen ein, Günther plane vielleicht den Rückzug vom Rückzug – was er selbst aber nie bestätigt hat. Einigen sich die Mitglieder nun auf Jimmerthal, wäre auch eine CDU-Unterstützung für FWG-Mann Schmitt kein Thema mehr. Diese Option war in Parteikreisen ebenfalls erwogen worden.

Von Ulrich Gerecke