„Ich bin ein Niersteiner“: "Rhine River Crossing Memorial"...

Das Rhine River Crossing Memorial wird enthüllt. Foto: hbz / Michael Bahr

Das "Rhine River Crossing Memorial" ist eingeweiht. Das Denkmal soll an die historische Rheinüberquerung des 247. Engineer Combat Battalions erinnern. Unter den Gästen befand...

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NIERSTEIN. Er war einer von ihnen. Von „Pattons Brückenbauern“. Bob Shelato war 19, als er zum ersten Mal am Niersteiner Rheinufer stand. Der blutjunge US-Soldat glaubte, sein Leben sei keinen Pfifferling mehr wert, als sein Captain Freiwillige suchte für die Sturmboote. „Wir dachten“, erinnert sich Shelato, „dies wäre ein Selbstmordunternehmen. Wir hatten die schrecklichen Verluste vom D-Day im Kopf.“

Heute, fast auf den Tag genau 72 Jahre später, steht Bob Shelato wieder am Rhein in Nierstein. Ein Überlebender. Ein Sieger. Ein Freund. Kurz bevor das Denkmal, das an die historische Rheinüberquerung des 247. Engineer Combat Battalions erinnert, feierlich enthüllt wird, sorgt der Veteran für Gänsehautgefühl bei Ehren- wie Zaungästen. In gebrochenem Deutsch sagt er: „Ich bin ein Niersteiner.“

Es ist der vielleicht emotionalste Moment in einer an Emotionen wahrlich nicht armen Veranstaltung. Was zur Einweihung des Monuments, das landläufig längst „Patton-Denkmal“ genannt wird, geboten wird, ist großes Kino. Vorneweg ein Umzug mit historischen US-Militärfahrzeugen, zum Abschluss eine Flugshow mit vier ebenso historischen Piper-Maschinen, dazwischen Musik, feierliche Reden und Freundschaftsbezeugungen. Wer befürchtet hatte, es laufe auf eine Huldigung des umstrittenen George S. Patton heraus, wird eines besseren belehrt – der General ist an diesem Samstag bestenfalls eine Randfigur, und selbst auf der militärischen Meisterleistung seiner Pioniere – deren Brückenbau und Rheinüberquerung trug entscheidend dazu bei, dass der Zweite Weltkrieg früher beendet werden konnte – liegt nicht der Fokus. Im Mittelpunkt steht ganz klar die freundschaftliche Verbundenheit zwischen Deutschland und Amerika. Der historische wird zum symbolischen Brückenbau: „Baut Brücken – nicht Mauern!“, ruft etwa Gerald McCarthy, Präsident der Veteranen des 249. Engineer Battalions, den Gästen zu.

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Hochrangige Vertreter von Bundeswehr und US-Army zu Gast

Gerade in Nierstein, daran erinnert Stadtbürgermeister Thomas Günther, sind viele Freundschaften zwischen Amerikanern und Deutschen entstanden. Und so sei es überall im Lande, darauf weist Brigade General Phillip Jolly, stellvertretender Befehlshaber der US-Army in Europa, hin. „Sie sind ein hervorragendes Gastgeberland, unsere Soldaten und deren Familien fühlen sich zu Hause hier.“

Hochrangige Vertreter von Bundeswehr und US-Army, darunter auch mit Julie Balten die heutige Kommandeurin des 249. Engineer Battalions, sind zu der Feier ans Niersteiner Rheinufer gekommen, dazu aus der örtlichen Politik alles, was Rang und Namen hat. Claus Schick, etwa, der bald Niersteiner Ehrenbürger wird – er erinnert sich daran, wie in den Nachkriegsjahrzenten die US-Soldaten immer zur Stelle gewesen seien, wenn Hilfe gebraucht wurde. Zu den rund 150 Ehrengästen gesellen sich kapp 500 Zuschauer, die am Rande des Festplatzes zuschauen oder über das kleine Ausstellungsgelände schlendern – hier ist zum Beispiel ein riesiges Amphibienfahrzeug der Bundeswehr, das eigens aus Braunschweig herbeigeschafft wurde, zu bewundern. Zu kaufen gibt es neben Nierstein-Mitbringseln auch Patton-Wein und Patton-Bier.

Finanziert wurde das Denkmal von der Schey Foundation – die Stifterin ist bei der Einweihung vor Ort. Der Gedenkstein sei „ein Symbol unserer gemeinsamen Geschichte und Zukunft“, sagt Luci Schey. „Wir sollten immer bestrebt sein, für Frieden und eine bessere Welt für die uns nachfolgenden Generationen einzustehen.“

Klares Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie

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Nach Gebet, Flaggenparade und dem Singen der Nationalhymnen wird das Denkmal enthüllt. Und während die historische Rheinüberquerung reine Männersache war, ist diese symbolische Akt fest in Frauenhand: Neben Luci Schey ziehen Helen Patton, Enkelin von George S. Patton, und Catherine Rommel, Enkelin von „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel, den roten Samststoff von der Stele. Noch so eine Verbindung, die Symbolcharakter hat: Während sich Patton und Rommel im Zweiten Weltkrieg als Gegner gegenüberstanden, sind ihre Enkeltöchter gut befreundet.

Die Befreiung Deutschlands von der Nazidiktatur, das klare Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie, die Freundschaft zwischen Völkern – für all das soll das Denkmal stehen. Und es soll erinnern an das, was geschehen kann, wenn diese Werte verraten werden. Auch der Opfer von Krieg und Terror wird an diesem Samstag gedacht - als Zeichen hierfür wird am Kornsand-Denkmal auf der hessischen Rheinseite ein Blumengebinde niedergelegt.

Antifa Nierstein mit kleiner Gruppe vertreten

Die Polizei war mit einer Personalstärke im „mittleren zweistelligen Bereich“ vor Ort, erklärte der Leiter der PI Oppenheim, Frank Zimmermann. Zu nennenswerten Störungen kam es nicht. Die Antifa Nierstein war auf der B9 mit einer kleinen Gruppe vertreten; die Aktivisten waren mit Blechhelmen und Clownsnasen verkleidet. Eine Person erhielt einen Platzverweis. Während des Umzugs der Militärfahrzeuge mussten die B420 und die B9 im Bereich Rheinufer für wenige Minuten gesperrt werden. Alles lief reibungslos, so der VG-Beigeordnete Bernd Neumer.