Die riesige Baustelle an der B 420

aus Rhein-Selz-Park

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Noch gleicht das künftige Ferienresort einer Baustelle, die Häuser wurden komplett entkernt, jetzt geht es an den „Aufbau“. GFM- Mitarbeiterin Jihan Ghazi (Bild oben rechts) zeigt Stadtbürgermeister Günter und Beigeordnetem Rüger den Stand der Arbeiten.  Fotos: Strasser               Foto:

Die Strecke Frankfurter Flughafen – Niersteiner Rhein-Selz-Park kennt Jihan Ghazi mittlerweile aus dem Effeff. So vier, fünfmal pro Woche saust sie mit ihrem weißen...

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NIERSTEIN. Die Strecke Frankfurter Flughafen – Niersteiner Rhein-Selz-Park kennt Jihan Ghazi mittlerweile aus dem Effeff. So vier, fünfmal pro Woche saust sie mit ihrem weißen Kleinbus hin und her: holt Gäste aus Kuwait oder anderen Golfstaaten am Airport ab und kutschiert sie zum ehemaligen Kasernengelände, um ihnen zu zeigen, wo sie vielleicht schon bald Ferien machen könnten. „Das Interesse“, sagt Jihan Ghazi, „ist riesengroß.“ Die Gäste aus den Golfstaaten kommen in der Regel nicht nur zum Gucken, sondern zum Kaufen. „Rund 40 Prozent der Wohnungen sind schon weg.“

Noch gleicht das künftige Ferienresort einer Baustelle, die Häuser wurden komplett entkernt, jetzt geht es an den „Aufbau“. GFM- Mitarbeiterin Jihan Ghazi (Bild oben rechts) zeigt Stadtbürgermeister Günter und Beigeordnetem Rüger den Stand der Arbeiten.  Fotos: Strasser               Foto:

Im Sommer wollen die ersten neuen Eigentümer einziehen

Dabei sind sie noch lange nicht fertig. Das Areal mit den ehemaligen Wohnblocks und Offiziershäusern auf dem Rhein-Selz-Park, das sich die GFM Projekt Rhein-Selz GmbH (dahinter steht der kuwaitische Investor Mansour Aha Alhomoud) für knapp drei Millionen Euro gesichert hat, gleicht einer großen Baustelle. Dennoch ist Jihan Ghazi, Assistentin der Geschäftsleitung, vergnügt. „Den ersten Bauabschnitt wollen wir bis Juni dieses Jahres fertig bekommen.“ Unter anderem rund 30 Doppelhäuser umfasst dieser erste Bauabschnitt, die also in einem knappen halben Jahr bezugsfertig werden sollen.

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Auf der 160 000 Quadratmeter großen Housing Area entsteht bekanntlich ein großes Ferienresort, an diesem Morgen ist ein Ortstermin anberaumt: Der Stadtbürgermeister Thomas Günther und sein Beigeordneter Egid Rüger wollen sich vom Fortgang der Bauarbeiten überzeugen, haben sich daher mit Jihan Ghazi auf dem ehemaligen Kasernengelände verabredet. „Von der B 420 aus sieht man ja kaum etwas“, sagt Günther, „da könnte man glatt denken, es passiert nichts. Aber der Eindruck täuscht gewaltig.“

Und tatsächlich: Es wird gewerkelt, und zwar fleißig. Mehrere Bauarbeiter machen sich an der Fassade eines Wohnhauses zu schaffen: Dämmende Platten aus Styropor werden verlegt. Vor anderen Gebäuden, die völlig entkernt wurden, liegen gewaltige Schutthaufen, daneben türmt sich der Grünschnitt: Bäume und Sträucher wurden zurechtgestutzt. Gräben ziehen sich durch den Boden – hier werden die Leitungen verlegt.

In einer Hochglanzbroschüre ist dargestellt, wie das Ferienresort für betuchte Gäste aus Nahost einmal aussehen soll – wer heute im Rhein-Selz-Park steht, braucht Phantasie, um sich das vorzustellen, aber die hat Jihan Ghazi. „Hier“, sagt sie und weißt auf ein trauriges Tümpelchen, das neben dem schon lange unbespielten Basketballfeld ein Schattendasein fristet, „wird einmal das Schwimmbad für Frauen sein. Gleich neben dem für die Männer.“ Auch zwei Fitnessstudios soll es geben, in dem Männer und Frauen getrennt trainieren können – ein Zugeständnis an Kultur und Religion der künftigen Bewohner. Neben Freizeit- und Sportanlagen sind ein kleines Geschäft, ein Restaurant und eine Arztpraxis in Planung – „mit einem Arzt hier aus der Region sind wir im Gespräch, wollen mit ihm zusammenarbeiten“.

Das Konzept: Die GFM baut das Resort, betuchte Familien aus Kuwait, Dubai, Saudi Arabien kaufen die Ferienwohnungen, nutzen sie für ihren Europaurlaub, für temporäres Wohnen. „Es sind Rechtsanwälte, Ärzte, ehemalige Abgeordnete“, umreißt Ghazi die Zielgruppe. Wenn sie herkommen, um sich die künftige Wohnanlage anzusehen, zeigt ihnen Jihan Ghazi auch die Umgebung. Oppenheimer Altstadt, Mainz, Niersteiner Weinberge, Rhein. „Und ich zeige ihnen die Vorzüge der Lage auf – die Nähe zum Flughafen, zu guten Kliniken in Mainz oder Frankfurt, zu guten Unis, falls ihre Kinder hier mal studieren wollen.“

In dem Resort werden die Bewohner wohl eher unter sich bleiben. „Es wird zwei Eingänge geben“, sagt die GFM-Mitarbeiterin, „einen für die Bewohner, einen für die Gäste.“ Beide werden bewacht sein.

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Neubauten wird es auf dem Areal nicht geben. „Wir nutzen die bestehende Bausubstanz, machen die aber ganz neu – außer den Hüllen bleibt praktisch nichts stehen. Auch Spielplätze und viele Grünflächen sollen die Anlage attraktiv machen. „Übrigens hat sich der Eigentümer auch ein Haus gesichert“, erzählt Jihan Ghazi und weist auf eins der Gebäude – ein Einfamilienhaus. „Das ist wirklich schön, da hat mal der General gewohnt.“

In Zukunft wird dann darin ein kuwaitischer Investor residieren – Alhomoud gilt als bekennender Deutschland-Urlauber.