Denkmal in Nierstein soll die technische Leistung der...

Eine logistische Meisterleistung: die Rheinüberquerung der Amerikaner 1945 auf Höhe des Weinguts Guntrum in Nierstein.Foto:  Archiv Dr. John Provan, Kelkheim  Foto:  Archiv Dr. John Provan, Kelkheim

Der Name George Smith Patton junior soll nur eine Nebenrolle spielen. Wenn an diesem Samstag (Umzug: 10 Uhr; Festakt: 11 Uhr) am Niersteiner Rheinufer das „Rhine River...

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NIERSTEIN. Der Name George Smith Patton junior soll nur eine Nebenrolle spielen. Wenn an diesem Samstag (Umzug: 10 Uhr; Festakt: 11 Uhr) am Niersteiner Rheinufer das „Rhine River Crossing Memorial“ eingeweiht wird, soll der Name des Generals der 3. US-Armee, der letztlich den Oberbefehl über das Landungsmanöver auf der hessischen Rheinseite hatte, nur am Rande ins Gewicht fallen. „Das Denkmal erinnert an die Rheinüberquerung 1945, nicht an die Person des Generals“, stellt Hans-Peter Hexemer die technische Bedeutung des Ereignisses über seinen militärstrategischen Wert.

„Aus verschiedenen Gründen eine umstrittene Person“

Der Vorsitzende des Geschichtsvereins hat in den vergangenen Wochen zusammen mit Stadtbürgermeister Thomas Günther viel Zeit auf die Vorbereitung dieses Tages verwendet. Dass das Monument im Volksmund oftmals nur als „Patton-Denkmal“ firmiert, darüber sind beide nicht glücklich. Und für Hexemer geht es auch an der Sache vorbei. „Patton ist aus verschiedenen Gründen eine umstrittene Person, vor allem hatte er keine eindeutige Haltung zum Nationalsozialismus“, sagt der SPD-Stadtrat. Einige bezeichnen ihnen gar als Antisemiten. Wie auch immer: „Man kann seine Persönlichkeit nicht verschweigen, aber verherrlichen werden wir sie auch nicht.“

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Hexemer zählt eine ganze Reihe von Punkten auf, um diese historische Schwerpunktsetzung zu untermauern. Die Stele sei nicht der 3. Armee gewidmet, sondern speziell dem 249. Ingenieurbataillon, das vom 22. März 1945 an innerhalb weniger Tage auf mehreren Pontonbrücken 55 000 Fahrzeuge über den Rhein brachte. „Es war kein umkämpfter Übergang, sondern ein ,Silent Crossing‘. Er hat dazu beigetragen, den Krieg schneller zu beenden und Opfer und Leid zu begrenzen. Diese Leistung der Soldaten und Pioniere sollte gewürdigt werden. Ohne sie wäre die militärische Leistung Pattons nicht möglich gewesen.“

Dieser Sachverhalt komme in der Stelen-Inschrift und auf den Infotafeln zum Ausdruck. Auch wird beim Festakt nicht die Patton-Enkelin Helen sprechen, sondern Lucille Schey. Sie vertritt die „Ralph and Lucille Schey Foundation“, die den Veteranenverband des heute noch bestehenden Ingenieurbataillons unterstützt und die Stele zu 90 Prozent finanziert hat. „Das ist ein ganz enger Bezug zur technischen Leistung“, erklärt Hexemer.

Die Geschichte des Bataillons weitergeschrieben

Die Stiftung hat unter anderem auch ein Forschungsprogramm aufgelegt, das den Namen des Colonels John Kenneth Addison trägt. Der war vor 72 Jahren in Nierstein beim Brückenschlag dabei. Das „Scholarship“ erforscht die Geschichte des 249. Ingenieurbataillons, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Jetzt entdeckte Fotos zum Beispiel legen die Vermutung nahe, dass die Amerikaner damals nicht nur drei Pontonbrücken über den Rhein legten, wie bisher angenommen, sondern sogar deren vier.

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Dass es im Vorfeld des Festaktes und der Denkmal-Enthüllung am Niersteiner Rheinufer von der Wählergruppe NEU, aber auch aus anderen Kreisen Kritik am militärischen Charakter des Tages gab, ist für Hexemer nicht nachvollziehbar. Eine Ablehnung von Stele und Feier wäre ein Affront gewesen, zudem müsse man die Befindlichkeiten der Amerikaner in diesem Punkt respektieren und mit ihr umgehen. „In Amerika ist das alles selbstverständlich“, sagt Hexemer zu Uniformen, Militärfahrzeugen und Nationalhymne. „Wir mussten an diesem Punkt auf sie eingehen – und sie auf uns.“ Man habe sich bemüht, das Militärische nicht überzubetonen. So berichtet Hexemer, dass auf Betreiben von Günther die Zahl der Militärfahrzeuge, die vor dem Festakt durch Nierstein paradieren, auf 15 beschränkt wurde. „Es geht gerade in diesen Zeiten darum, das Verbindende zwischen Deutschland und den USA zu betonen“, sagt Hexemer. Man sei sich über Parteigrenzen hinweg einig, dass in Nierstein die Erinnerung an eine logistische Meisterleistung im Fokus stehen soll. Und eben nicht ein „Exzentriker und Macho“ (Hexemer) namens George Smith Patton junior.

Von Ulrich Gerecke