Grenzenlos inspiriert

Wolfgang Olm mit seinem Buch „Guten Tag, ich bin der Tod“ und dem „Rucksackengel“, in dessen Biefkasten Trauernde Zettel mit Nachrichten, Wünschen, Sorgen und Hoffnung werfen können. Foto: hbz/Michael Bahr

Mit seinem Buch „Guten Tag, ich bin der Tod“ widmet sich Wolfgang Olm aus Dolgesheim einem schwierigen Thema. Geschrieben hat der inspirierte Trauerbegleiter das Buch an einem Tag.

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DOLGESHEIM. Ein Buch an einem Tag schreiben? Das klingt nach einer unmöglichen Aufgabe. Doch genau so entstand Wolfgang Olms „Guten Tag, ich bin der Tod“. Passende Illustrationen und handgefertigte Kerzenhalter aus Holz ergänzten wenig später das Werk. Der hauptberufliche Systemadministrator aus Dolgesheim erzählt stolz von der Entstehungsgeschichte seines ersten Buches.

Der Tod ist ein schweres Thema. Und vor allem ist es eine schwere Aufgabe, so darüber zu schreiben, dass es Betroffenen die Last von den Schultern nimmt, statt sie noch mehr zu belasten. Als ehrenamtlicher Priester und Trauerbegleiter – Letzteres zusammen mit seiner Frau Manuela Olm – hat sich Wolfgang Olm aber genau das zur Aufgabe gemacht.

Der erste Anstoß zu der Idee, ein Buch zu schreiben, war, trotz der Vertrautheit mit dem Thema ungewöhnlich. „Ich hatte an diesem Abend einfach nur ein Gefühl“, erzählt Olm, „und sagte dann zu meiner Frau: ,Ich weiß, dass ich mal ein Buch schreiben werde. Ich weiß noch nicht, was oder wann, aber den Titel hab ich schon.“

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Wenig später, bei einem Treffen des Kreises der Trauerbegleitung seiner Kirche überkam ihn dann das anfängliche intuitive Gefühl erneut. „Auf einmal kam der Impuls. Ich habe mir Zettel und Stift genommen und angefangen zu schreiben“, berichtet Olm. Und – kaum zu glauben: „Am Abend war das Buch fertig.“

Zweifel ließen nicht lange auf sich warten. Ist das Buch überhaupt lang genug? Mit der Trennung in inhaltliche Absätze verflüchtigten sich die Zweifel und Olm kam zu der Erkenntnis: „Jeder Absatz hat eine Botschaft.“ So wurde ihm auch klar, dass zu jeder dieser Botschaften ein Bild gehörte. „Aber der Text wurde seit dem Abend nicht mehr verändert“, verdeutlicht Olm.

An einem Tag war das Buch geschrieben – aber bis es tatsächlich verkauft werden konnte, dauerte es noch rund zwei Monate. Grafik, Layout und Schriftart waren nur einige der Entscheidungen, die getroffen werden mussten, bevor Olm das Buch fertigstellte.

Was ihm außerdem noch fehlte, war eine Art „persönliche Signatur“. Auch dabei ließ er sich ganz von seiner Intuition leiten. „Die Zahlen 3 – 2 – 5 waren auf einmal in meinem Kopf.“

Gedacht, getan – ohne genauer darüber nachzudenken, setzte er die Zahlen unter das Symbol eines Engels. Und damit begann eine Reihe an Ereignissen, die Olm und seine Frau nicht erwartet hatten. Das Ehepaar stellte fest, dass ein berühmtes Kirchenlied aus dem Gesangbuch ihrer Kirche, nämlich „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“, die Liednummer 325 trägt. Das Besondere daran war für die beiden, dass das Lied thematisch genau zu den Texten Olms passte. In beiden Schriften wird versucht, dem Tod ohne Angst entgegenzusehen. Mindestens genauso verblüfft stellte Olm erst vor Kurzem fest, dass das Buch, so wie es seit Juni 2019 zum Verkauf steht, am 21. November 2018 fertiggestellt wurde – oder anders ausgedrückt am 325. Tag im Jahr. Ob das nun Schicksal oder einfach nur Zufall ist, darüber lässt sich streiten. Olm jedoch betrachtet diese Zusammenhänge als „Gruß aus der geistigen Welt“.

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Inspiriert vom Vorschlag seiner Frau, Kerzenhalter aus den Illustrationen anzufertigen, baute Olm wenig später den Keller zu einer Werkstatt um. „Es musste alles raus, außer das, was ich für die Kerzenhalter brauchte“, erklärt Olm. Und mittlerweile gehören nicht mehr nur Kerzenhalter in Form von Händen und Engeln zu Olms Kollektion. Ein hölzerner „Redekuchen“ beispielsweise kann in Gruppengesprächen als Zeitlimit genutzt werden.