Zukunftspläne für das Waldalgesheimer Bergwerk Amalienhöhe

Rundgang in einer Ruine. Das einstige „Versailles der Industriekultur“ bietet aktuell einen trostlosen Anblick. Foto: Jochen Werner  Foto: Jochen Werner

Die Grube Amalienhöhe hat die Kommune von 1887 bis zum 31. Dezember 1971 geprägt. Schon 40 Jahre zuvor hatte der Bergbau in der Knappengemeinde begonnen, insgesamt wurden 5,5...

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WALDALGESHEIM. Die Grube Amalienhöhe hat die Kommune von 1887 bis zum 31. Dezember 1971 geprägt. Schon 40 Jahre zuvor hatte der Bergbau in der Knappengemeinde begonnen, insgesamt wurden 5,5 Millionen Tonnen Manganerz abgebaut, nach der Umstellung 1952 schließlich weitere 2,6 Millionen Tonnen Dolomit. Das Bergwerk, in dem in Spitzenzeiten 1200 Menschen in Lohn und Brot standen, ist in Teilen denkmalgeschützt, durch seine Architektur laut eines Zeitungsberichts als „Zechenschloss im Binger Wald“ einzigartig und eine der schönsten oberirdischen Bergwerksanlagen Deutschlands. Als Industriedenkmal gehört der Komplex seit 2002 zum Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Bis 2013 grüßte ein Förderturm als Wahrzeichen, dann musste dieser wegen akuter Einsturzgefahr abgerissen werden.

Gerüchte um die Zukunft des „Versailles der Industriekultur“ bestehen nicht erst seit dem Turmfall. Ein Safaripark, eine Golfanlage mit angeschlossenem Hotel? Beide Pläne sind Jahrzehnte alt. Dr. Gerhard Hanke und der CDU-Gemeindeverband brachten nun erstmals die beiden heutigen Eigentümer des Geländes zusammen, damit diese genau in dem repräsentativen Raum, in dem die Angestellten früher mit ihren Zeugnissen zitternd dem Chef gegenübertraten, mehr als 50 Interessierte über Ist-Stand und Zukunftspläne informieren konnten.

Blick zurück: Martin Perger erwarb das zweigeteilte, insgesamt 15 Hektar große Areal mit einem Bekannten im Jahr 2002 bei einer Zwangsversteigerung für 100 000 Euro, alles in desolatem Zustand. Sein Ziel: Ein Kulturzentrum errichten. Die Gebäude im vorderen Teil konnte der heute 66-Jährige peu à peu renovieren und erhalten, der hintere Teil wurde durch Brände zerstört. Perger blieb, wirkte als Einzelkämpfer, von seinem knapp acht Hektar-Anteil waren einmal 2,4 Hektar Bauerwartungsland. Die Gemeinde plante aber anders, erschloss Wohngebiete an der Waldstraße. Ein Baumhauscafé, ein Caravan- und Zirkuswagenstellplatz, alles kam nicht zustande. Die Fläche rund um die repräsentativen Gebäude sind heute ausgewiesenes Weideland. Enttäuscht ist der Immobilienkaufmann, der bis heute eine siebenstellige Summe investierte, besonders vom Denkmalschutz. „Bekommen habe ich von denen außer einer Tasse Kaffee und einer Brezel nichts“, klagt er.

Die Besitzer des hinteren Bergwerkteils wechselten. In den Jahren 2010/11 übernahm die Mainzer Immobiliengruppe von Wolfram Richter schließlich den Geländeteil mit den Ruinen von Turm, Erzbunker, Brunnen, Querriegel und Maschinenhalle. Richters Ziel: „Ich möchte das Bergwerk wachküssen“, sagt er. Nur allein funktioniere das nicht, die Politik sei gefordert.

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Rahmenvertrag für Wohngebiet

Zu Beginn des Jahres 2014 schlossen er und die Gemeinde Waldalgesheim einen städtebaulichen Rahmenvertrag, um so schnell als möglich ein Wohngebiet mit rund 30 Ein- und drei Mehrfamilienhäusern vom Bergwerk aus Richtung Weiler entstehen zu lassen. Für den Turm gibt es ohnehin klare Richtlinien: Die Untere Denkmalschutzbehörde nannte das Jahr 2030 als spätesten Zeitpunkt, zu dem er wieder stehen soll. Richter gab an, die Erlöse aus den Vermarktungen von Häusern und Wohnungen für den Wiederaufbau des Turms verwenden zu wollen. „Ohne Baugebiet wird das nicht funktionieren“, machte er seinen Standpunkt klar. Dagegen stünde leider die Regionalplanung.

Hanke fasste die Meinung aller, die sich dem Rundgang angeschlossen hatten, zusammen: „Jeder hat gesehen, dass hier Handlungsbedarf ist.“ Wo also ist die Lösung? „Die Bundesgartenschau 2031 als Argument wäre eine Riesenchance“, so der frühere Ortschef. Alles sieht er als „Allparteienprojekt“ und hofft auf Unterstützung von Land und Bund.