Forstrevier Waldalgesheim seit 20 Jahren FSC-zertifiziert

Sie wollen sich auch weiter für den Wald einsetzen: (v.l.) Elmar Seizinger (FSC), Förster Bernhard Naujack, Ministerin Ulrike Höfken, MdL Michael Hüttner, Bürgermeister Stefan Reichert, Forstamtsleiter Axel Henke und Landrätin Dorothea Schäfer. Foto: Jochen Werner

Das Forstrevier nimmt mit jahrelanger FSC-Zertifizierung für seinen vorbildlichen Umgang mit der Natur eine Vorreiterrolle ein. Das wurde nun auch offiziell gefeiert.

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WALDALGESHEIM. Die Gemeinden Waldalgesheim und Weiler waren Vorreiter bei der FSC-Zertifizierung, die ein nachhaltiges und naturgemäßes Waldmanagement nach internationalen Standards bescheinigt. Vor 20 Jahren hatte Dr. Gerhard Hanke, damaliger Ortsbürgermeister von Waldalgesheim und Forstamtsleiter in Bingen, gemeinsam mit Revierförster Bernhard Naujack diese Form der Waldbewirtschaftung durchgesetzt. Wohlwissend und mit Weitblick, dass Umwelt und Wald für nachfolgende Generationen erhalten werden müssen.

Ulrike Höfken lobte die Weitsicht der Initiatoren vor Ort und nahm in einer Feierstunde mit versammelter Politprominenz, nahe des Eingangs zum Ruheforst, zur aktuellen Situation in den Wäldern Stellung. Hier würden sich in Bezug auf das Waldsterben Parallelen zu den 1980er Jahren auftun. Damals mussten Maßnahmen gegen den „sauren Regen“ und den Schwefelgehalt in der Luft getroffen werden, „heute müssen wir es wieder schaffen und die Treibhausgase minimieren“, so die Forstministerin. Gerade die Kommunen als größte Waldbesitzer seien mit der Art und Weise, wie sie den Wald handhaben, gefragt. FSC (Forest Stewardship Council) sei dabei etwas Besonderes, da durch die Vorreiter-Organisation inhaltliche und Qualifizierungsdiskussionen angestoßen worden seien, das FSC-Zertifikat soziale, ökonomische und ökologische Kompetenzen miteinander vereinbare.

Die Ministerin wies darauf hin, dass klimastabile Mischkulturen notwendig sind, um vor Kalamitäten und Bränden möglichst große Sicherheiten zu bieten. Angesichts der Kosten von 25 Millionen Euro für Wildverbissschäden pro Jahr und des hohen Wildbestandes sei eine Regulierung notwendig. „Bejagung ist Waldschutz“, machte Höfken klar. Dass ein gesunder Wald für Ökosystem und Bevölkerung gleichermaßen wichtig ist, betonte Dorothea Schäfer, die Waldalgesheim besonders gefordert sah, schließlich trägt die Gemeinde den „Wald“ schon im Namen. „Das verpflichtet, gut damit umzugehen. Ihr tut das“, sagt die Landrätin. Elmar Seizinger, stellvertretender Geschäftsführer von FSC Deutschland, dachte an die Anfangszeiten im Jahr 1999 zurück. Damals sei ein breites Kreuz erforderlich gewesen, um das Thema einer zertifizierten Waldwirtschaft ins Bewusstsein zu rücken. Heute müsse vor allem mehr für den Mehrwert getan, Holz aus zertifizierten Wäldern besser bezahlt werden. Froh, dass nicht alles auf eine rein wirtschaftliche Betrachtungsweise heruntergebrochen wird, zeigte sich VG-Chef Karl Thorn. Nachhaltigkeit, Natur und Umweltschutz passten perfekt zu den Ambitionen seiner Verwaltung.

Forstamtsleiter Axel Henke wollte mit dem Partner FSC die Tendenz, besser zu jagen, ausbreiten und betonte, dass alle Teil des Ökosystems Wald seien. Allerdings müssten mit Unterstützung des Gesetzgebers Regeln geschaffen werden, wie dem Klimawandel zu begegnen ist. Hier plädierte der Bopparder Forstchef für ein schärferes Landeswald- und Landesjagdgesetz. In Waldalgesheim jedenfalls sind die Verantwortlichen davon überzeugt, dass die Natur an sich einen Wert besitzt und schützenswert ist. Zur im Jahr 1999 getroffenen Entscheidung stehen Ortschef Stefan Reichert, Förster Naujack und seine Mitarbeiter. Umso mehr, als zuletzt einige Gemeinden das FSC-Konzept infrage gestellt hatten.