Oberheimbacher Gastro-Brüder sind kreativ

aus Coronavirus-Pandemie

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Das Restaurant mit Grill-Station kommt zu den Kunden nach Hause. Foto: Achim Meurer

Mit dem Grill-Express vor die Haustür: Florian und Marc Lambrich trotzen der Corona-Krise mit pfiffigen Ideen.

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OBERHEIMBACH. Der Krise trotzen mit kreativen Ideen: Die Oberheimbacher Gastro-Brüder Florian und Marc Lambrich setzen auf tägliche Online-Kochkurse statt Küchenparty und Profi-Grillen am Bordstein gegen die Corona-Quarantäne.

Schnell ist der Grill aus dem Auto geschoben und vor der Haustür aufgebaut: Florian Lambrich hat als Beilagen zu rosa gebratener Ente, Rumpsteak oder Lammhüfte Gemüse-Ratatouille, Rosmarin-Kartoffeln und hausgemachte Kräuterbutter im Gepäck. Als Vorspeise wünschten sich die Kundinnen ein Carpaccio und als Nachtisch Apfelküchlein.

„Die Teller stehen auf der Fensterbank und die Bezahlung läuft über Paypal.“ Florian Lambrich kommt in Kochjacke mit seinem Grill-Express bis vor die Haustür. Lieferservice ist in der lahmgelegten Gastronomie bundesweit eine beliebte Alternative geworden zum Komplettausfall von Einnahmen. Corona zwingt zur weitgehenden Abschottung; die Verbreitung des Virus soll verlangsamt werden, um ausreichend Intensivbetten vorhalten zu können. Restaurants und Hotels mussten schließen.

„Weltweit trifft die Krise ja alle Länder und alle Menschen“, hat Lambrich viel Verständnis. Er lobt die politischen Weichenstellungen in Deutschland. „Unsere Branche leidet massiv, aber Leute sind sehr solidarisch“, sagt der Gastronom. Statt auf Mitleid setzt er auf Schlachtplan. Das Jahr startete wirtschaftlich für das Weinberg-Schlösschen vielversprechend. Im ruhigen Seitental des Rheins tritt das Hotelrestaurant hoch engagiert auf. Das Team setzt seit Jahren auf Saisonerweiterung am Mittelrhein. Küchen-Party und Firmen-Seminare bescheren dem Haus mit 36 Zimmern regelmäßig gut gefüllte Betten. Top-Weingüter aus der Region und offene Küchentüren kombinieren die Brüder gern zu besonderen Genuss-Momenten.

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Eine neue Kooperation mit der Burg Reichenstein sollte das Programm für anreisende Schlemmermäuler erweitern. Gestrichen. „Im Februar kamen die ersten Absagen und Firmen fragten wegen Videotechnik für Konferenzen an.“ Florian und Marc Lambrich können den Umbruch von Besorgnis in konkrete Betroffenheit genau datieren: „Am 7. März lief noch unsere Küchenparty, danach starteten die Einschränkungen.“ Das Hotel nicht mehr für Touristen öffnen, nur noch bis 18 Uhr Gäste bedienen und inzwischen Komplettschließung – so liest sich der Stufenplan bis hin zur Ausgangsbeschränkung vom Sonntagabend. „Wir haben alles heruntergefahren, was irgend geht.“ Der Steuerberater half bei Anträgen. Kurzarbeitergeld für alle Mitarbeiter, Steuerstundung und ausgesetzte Tilgung der Kredite helfen der Unternehmer-Familie.

„Die Kredit-Tilgung liegt auf Eis, das war sofort die Zusage unserer Hausbank“, lobt Lambrich. Vor neuerlichen Krediten zur Krisenüberwindung schreckt die Familie noch zurück. „Zurückzahlen muss man am Ende ja immer.“ Das Haus im Eigentum gibt Sicherheit. Kollegen mit hohen Innenstadtmieten stehen finanziell eher mit dem Rücken an der Wand.

Wie sein Bruder Marc hat auch Florian Lambrich in der „Traube Tonbach“ gearbeitet und ein paar Strategien aus der gehobenen Schwarzwald-Küche an den Rhein mitgebracht. So kreieren die Brüder aus Oberheimbach regelmäßig echte Sternstunden, kochen gegen die flaue Nebensaison an. Und nun eben gegen den Corona-Frust der Zwangsstubenhocker. „Wenigstens ein gutes Essen versüßt derzeit den Tag“, so die Idee des Schlösschen-Lieferdienstes. Kalbsschnitzel, Wildragout und raffinierte vegetarische Varianten bringen für Büromenschen einen Lichtblick in die Krisenzeit. Die erste Grill-Expressbuchung wurde zum Geburtstagsgeschenk einer Tochter an ihre zur Risikogruppe zählende Mutter. Aber auch ein Zusammenschluss aus Nachbarn sei vorstellbar mit dem Straßengrill und Geschirr auf der Fensterbank. Gefühlte Nähe trotz Distanz beim gemeinsamen Essen, das ist das Ziel. Am Montag starteten die Lambrichs mit einem kostenlosen täglichen Online-Kochkurs. „Wir wollen mit unserer Community wenigstens im Netz Kontakt halten“, sagt Florian Lambrich.