Küchenparty im Weinbergschlösschen

Marc (l.) und Florian Lambrich haben sich ein attraktives Winterprogramm für ihr Hotel und Restaurant ausgedacht. Foto: Christine Tscherner

Winterpause? Das gilt nicht für die Oberheimbacher Hoteliersfamilie Lambrich. Für das Weinbergschlösschen im Seitental des Rheins haben sie ein besonderes Konzept.

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OBERHEIMBACH. Dornröschenschlaf im Winter? Nicht für die Hoteliersfamilie Lambrich. Im stillen Seitental des Rheins tritt ihr Weinbergschlösschen gegen Tristesse-Tage an. Was die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe ins touristische Standard-Programm heben will, nimmt das engagierte Team vorweg. Saisonerweiterung heißt das Prinzip. Über ein Konzept zwischen Küchenparty, Seminar-Konzil und Kaub-Erfahrung sprach die AZ mit Florian Lambrich.

Das Weinbergsschlösschen ruft im Winter zur Küchenparty. Das Haus mit 36 Zimmern ist dann regelmäßig voll. Der Gast kann hinter die Kulissen blicken, hinein in die Küche und Töpfe. Top-Weingüter aus der Region mit offener Küchentür und besonderem Genuss auf dem Teller zu kombinieren, das zahlt sich aus.

„Wir haben hier keine Laufkundschaft“, weiß Florian Lambrich. Deshalb muss der Gast gezielt anreisen. Das Haus im Seitental des Rheins wird als Geheimtipp unter Schleckermäulern der Region gehandelt. „Nur können wir nicht jedes Wochenende den Aufwand stemmen, um 150 Leute im Haus zu haben“, sagt Florian Lambrich.

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Wie sein Bruder Marc hat er in der „Traube Tonbach“ gearbeitet und ein paar Strategien an den Rhein mitgebracht. Die Schwarzwaldstube gilt als eine der bundesweit besten Gourmet-Adressen. Auch diese Küche liegt abseits, unten in einem schmalen Tal. Winterwunderweiß von November bis März bleibt die Ausnahme. Spitzenküche lässt Gäste aber auch an grauen Tagen Betten buchen. Regelmäßig kreieren die Brüder aus Oberheimbach im Winzerverbund echte Sternstunden, kochen gegen die Tal-Tristesse an. „Für regionale Kundschaft steht 2019 die Investition in einen großen Veranstaltungsraum an.“ Das Weinberg-Schlösschen setzt verstärkt auf Veranstaltungen.

Geschäftsreisende rücken in den Fokus. Kurze Wege Richtung Köln, Frankfurt und Rhein-Neckar zählen. Die Qualität muss stimmen, die Internetseite richtig Lust machen und die Chefs persönlich Engagement zeigen. Das werde belohnt.

Viele Schlemmerkunden reisen als Stammgäste ins Heimbachtal. Dank gebuchtem Bett darf es ein Gläschen mehr sein. Der Tag danach kann für Winterwanderung oder Weineinkauf direkt beim Winzer genutzt werden – ein Wochenend-Programm auch bei Grisselgrau. Das Schlösschen kooperiert als Welterbe-Gastgeber, als Partnerbetrieb beim Rheinsteig, beim Rheinburgenweg und als Tagungshotel. „November und März sind Top-Monate für Tagungen.“ Florian Lambrich betont: „Unser Standbein ist ganz klar das Seminargeschäft.“ Nah genug und dennoch weit ab von jeder Ablenkung einer Großstadt, das scheint passend. „Eine Stunde Fahrzeit zum Frankfurter Flughafen beschert uns sogar internationale Tagungen.“

Dezember, Januar und Februar gelten für die Hoteliers im Tal trotz aller Mühen als schwierigste Phase. „Kein Geld drauflegen“, das sei im Winter die Devise. Denn ein Großteil der Personalkosten bleibt durchgehender Posten.

Zwölf bis 14 Mitarbeiter beschäftigen die beiden Chefs unter Volllast. Gute Bedingungen sind Pflicht, um Stammpersonal in Zeiten von Fachkräftemangel zu halten. Allein deshalb ist Ganzjahresbetrieb ein Muss.

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„Für Januar und Februar stehen 15 Tagungen im Buch“, verrät Florian Lambrich. Das reiche zumindest, um die laufenden Kosten zu decken. Winter-Schließung ist allerdings noch für viele Mittelrhein-Hoteliers die Variante der Wahl. Leere Häuser, dunkle Fassaden und Leblos-Look betonen den toten Eindruck in grauer Jahreszeit zusätzlich. Schlecht fürs Image.

Sein Bruder und er wissen: Die Landschaft ist ihr Kapital. Sie bietet von Ostern bis Oktober reichlich Möglichkeiten. Burgen, Wälder und Wein bleiben die wichtigsten Zutaten des touristischen Menüs Mittelrhein. Aber für den Winter braucht es Spezialisierung, eine Top-Internetseite und richtig viel Anstrengung. Die Lambrichs organisieren deshalb Gästeführungen im Winter. Eine Kellertour zu drei Oberheimbacher Winzern mit jeweils zwei Weinen gilt als Standard. Im nahen Oberwesel schätzen die Hoteliers das Menoriten-Kloster und die Beamer-Präsentation im Kulturhaus. „Indoor-Alternativen sind wichtig, wenn es draußen nasskalt ist.“

Manchmal schenkt aber gerade ein Kältetag die nötige Atmosphäre. Die Winterführung durch Kaub ist ein Beispiel. „Wie sich die 50 000 Soldaten bei der Rheinquerung an Silvester gefühlt haben müssen, da schaudert’s einen“, weiß der Hotelier. Zumal Blüchers Soldaten vor 200 Jahren keine Funktionskleidung trugen wie die Schlösschen-Gäste heute …