Japanische Schauplätze alle im Original gesehen

Krimi-Autor Christof Niedermeier nimmt die Zuhörer bei seiner Lesung in Münster-Sarmsheim mit auf eine Reise vom Mittelrheintal bis ins ferne Asien.

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MÜNSTER-SARMSHEIM. (red). „Wir hätten schon gerne gewusst, wie die Geschichte ausgeht ...“ Ulla Heil, die charmant den Krimi-Abend bei „Kultur ganz Nahe“ moderierte, sprach aus, was die von der Veranstaltung gepackten Zuhörer im Obergeschoss des Münster-Sarmsheimer Rathauscafés am Ende dachten. Aber eine Autorenlesung soll eben nicht das Selbstlesen ersparen, sondern genau dazu animieren. Und so hielt Autor Christof A. Niedermeier auch den Spannungsbogen hoch bis zum Schluss.

Die enthauptete Leiche eines Japaners auf der Loreley, die glatten Wundränder, aus denen der Gerichtsmediziner auf ein besonders scharfes Schwert als Mordwaffe schloss – in seinem Krimi „Tödliches Sushi“ hat der Autor wieder alles sehr detailreich und wirklichkeitsnah beschrieben. Nein, einen auf diese Art abgetrennten Kopf habe er noch nicht gesehen, er sei aber beim Schreiben von einer Gerichtsmedizinerin unterstützt worden, so Niedermeier. Selbst angeschaut hat er sich hingegen die vielen Originalschauplätze, die seine zentrale Romanfigur, den jungen Koch Jo Weidinger, von der Loreley bis nach Japan führten.

Er berichtete von seinen aufwendigen Recherchen in der Megametropole Tokio, wo er bei einem Vier-Tage-Trip ein schier unendlich wirkendes Programm abspulte. Die entsprechenden Schauplätze hatte er zuvor von zuhause aus zusammengestellt. Sehr beeindruckt war er vom U-Bahnfahren in dem am meisten frequentierten U-Bahn-Netz der Welt. Er schilderte seine Erlebnisse mit Hightech-Toiletten, die einen Europäer schnell überfordern können. Er erzählte vom Fischmarkt, bei dem jeden Tag über 2000 Tonnen Fisch umgesetzt werden.

Die Zuhörer erfuhren so sehr viel über die japanische Kultur, die besondere dreistufige Sprache, bis hin zur hohen Kunst des Schwertschmiedens.

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Wie man denn auf eine derartige Geschichte zwischen Loreley und Tokio komme, wurde der Autor, der als gebürtiger Oberpfälzer das Mittelrheintal liebt, aus dem Publikum gefragt. Seine Ideen entstünden alle vor Ort: „Ich bin mit dem Auto an der Loreley vorbeigefahren und hatte in dem Moment das Gefühl, dass da oben jemand umgebracht wird.“ Ihm sei dabei auch gleich klar gewesen, wie der Mord abläuft. Nur die Frage nach dem Mörder ließ er am Ende der Veranstaltung unbeantwortet.

Das Interesse der Zuhörer hatte er damit geweckt. Viele nutzten die Gelegenheit, sein Buch zu kaufen, um zuhause den Mord aufklären zu können.