Bacharacher Garten ist herausragendes Grünprojekt

Jean-Marc Petit freut sich, am Denkmal-Sonntag seinen frisch ausgezeichneten Winzergarten präsentieren zu können. Foto: Jochen Werner

Schmetterlinge und Libellen sind hier zuhause: „Der Garten des Monsieur Petit“ im Haus Sickingen aus dem 15. Jahrhundert tut viel für die Biodiversitäte – und gegen die...

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BACHARACH. Große Ehre für Jean-Marc Petit, seine beiden Brüder und ihren alten Winzerhof in der Bacharacher Oberstraße, das in den Jahren 1438 bis 1450 erbaute Haus Sickingen: „Der Garten des Monsieur Petit“ wurde als einziges teilnehmendes privates Grünprojekt am Wettbewerb Bau- und Gartenkultur im Welterbe Oberes Mittelrheintal von Ministerin Doris Ahnen prämiert und steht somit in einer Reihe mit der Bundesgartenschauanlage in Koblenz, mit dem Osteinschen Park am Niederwald oder der Kurfürstlichen Burg in Boppard.

Der Aufgang zum Garten ist verwunschen, fast schon mystisch. Die von Liesel Metten geschaffene Statue eines fabelhaften Einhorns bewacht den Eingang. Nach wenigen Schritten durch ein umranktes Gewölbe öffnet sich dann an den Hängen unterhalb der Burg Stahleck ein kleines, nur wenig mehr als sechs Ar großes Paradies, das die Inhaber des Hauses an besonderen Tagen gerne ihren Gästen zeigen.

Eidechsen huschen über die Schieferstufen und den Wärme speichernden Boden, Schmetterlinge und Rotschwänzchen fliegen durch die Luft, ein Insektenhotel ist sehr gut belegt, Libellen schwirren über den kleinen Seerosenteich. Petit freut sich, etwas für die Biodiversität getan zu haben, berichtet von seinen Beobachtungen eines Mauswiesels, von Baumschläfern und Fröschen, die den Teich angenommen haben, von abends auftauchenden Leuchtkäfern, die das Gelände, das mit lokalen Materialien gestaltet wurde, fast schon mediterran erscheinen lassen. Dazu passen auch die angepflanzten Bäume und Kräuter, der Erhalt einiger alter Rieslingstöcke. Hasel und Brombeeren mussten weichen.

Petit berichtet, dass die 17-köpfige Jury besonders an der Frage interessiert gewesen sei, wie man brachliegende Weinbergsflächen nutzen und kultivieren könne. Zumal hier der Blick auf das, was passiert, wenn ähnliche Flächen jenseits des Zaunes sich selbst überlassen werden, unmittelbar ist. Ein kleines Paradies hier, eine zugewachsene Wildnis dort, wo innerhalb der Stadtmauern einmal Wingerte waren, später Ziegen für Ordnung sorgen sollten, sich jetzt aber ein bedauernswerter Zustand offenbart.

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„Ausschlaggebend für die Auszeichnung unseres Winzergartens war unser Beitrag gegen die Thematik der Verbuschung der ehemaligen Weinberge in unmittelbarer Ortslage“, sagt Jean-Marc Petit stellvertretend als Erbe des Anwesens und betont selbstbewusst: „Wir waren nicht überrascht, dass wir in die Ränge kamen, dafür aber von der Größe der anderen Gartenprojekte, die alle in öffentlicher Hand sind.“

Am kommenden Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, besteht für alle Interessierten die Möglichkeit, Haus und Garten von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen.