Eigene Kita wird kontrovers diskutiert

In den Augen von Nieder-Hilbersheims Ortsbürgermeisterin Rosemarie Jantz ist eine Tagesstätte in der Gemeinde nicht umsetzbar. Solch ein Projekt würde etwa 400 000 Euro kosten.

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NIEDER-HILBERSHEIM. Braucht Nieder-Hilbersheim einen eigenen Kindergarten oder sollen die Mädchen und Jungen weiterhin die Kita „Räuberhöhle“ in Ober-Hilbersheim besuchen? Diese Frage wurde in der jüngsten Sitzung des Nieder-Hilbersheimer Ortsgemeinderats kontrovers diskutiert. Den Anstoß gab ein Antrag der „Wählergruppe (WG) Marfilius“. Man solle den Bedarf ermitteln, die Zuschussmöglichkeiten prüfen und sich im geplanten Neubaugebiet auch schon mal ein Grundstück sichern, schlug Georg Marfilius vor. Eine Idee, die bei Ortsbürgermeisterin Rosemarie Jantz (FWG) auf wenig Begeisterung stieß. „Als Gemeinde mit 650 Einwohnern können wir keine eigene Kita auf die Beine stellen“, wies sie das Ansinnen zurück. Dafür habe man schlichtweg kein Geld. Im Übrigen denke Ober-Hilbersheim gerade über eine Erweiterung seiner Kita nach, was mögliche Engpässe beheben könnte.

„Ich würde aus fachlichen Gründen von einer ein- oder zweigruppigen Kita abraten“, argumentierte Verbandsbürgermeister Benno Neuhaus (CDU) in die gleiche Richtung. Je kleiner die Einrichtung, umso schwieriger sei die Personalsituation etwa bei krankheitsbedingten Ausfällen. Der Bau einer Kita, die den neusten gesetzlichen Anforderungen entspreche, würde „zwischen 350 000 und 400 000 Euro“ kosten, rechnete Neuhaus vor.

Aktuell sind es 22 Nieder-Hilbersheimer Kinder, die die rund zwei Kilometer entfernte „Räuberhöhle“ im Nachbarort besuchen. Eine Lösung, die sich bewährt habe, wie aus den Reihen der FWG festgestellt wurde. Die Kooperation funktioniere gut, und mit den Ober-Hilbersheimer Kindern habe sich eine schöne Gemeinschaft entwickelt, die für alle förderlich sei. Insoweit sah die FWG in einer Erweiterung der bestehenden Kita die sinnvollste Lösung. Die Ortsbürgermeisterin kündigte an, die Situation beim nächsten turnusmäßigen Treffen mit ihrem Ober-Hilbersheimer Amtskollegen zu erörtern. Ungeachtet dessen blieb Georg Marfilius bei der Forderung, Bedarfszahlen und Zuschussmöglichkeiten zusammenzustellen, was die Ortsbürgermeisterin zusagte.

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Weiteres Thema im Rat war der Tiefbrunnen im Gewerbegebiet, der früher von der Feuerwehr genutzt wurde. Der Brunnen sollte für Bewässerungszwecke öffentlich zugänglich gemacht werden, so ein Antrag der „WG Marfilius“. Hierzu sind freilich verschiedene Schritte nötig, wie VG-Chef Neuhaus erläuterte. Es müsste eine Zufahrt über den Radweg erschlossen und befestigt werden, weil das Feuerwehrgelände nicht überfahren werden darf. Außerdem sei die Genehmigung der „Unteren Wasserbehörde“ erforderlich. Schließlich müssten auch Wasserqualität und Ergiebigkeit des Brunnens untersucht werden. Die Investitionskosten, die auf die Ortsgemeinde zukämen, bezifferte Neuhaus auf 10 000 bis 11 000 Euro; hinzu kämen laufende Kosten von jährlich 500 bis 600 Euro. Das Thema soll nun im Bauausschuss weiter behandelt werden.

Einstimmig angenommen wurde ein Antrag der „WG Marfilius“ auf Änderung der Anzahl der Ausschussmitglieder. Damit sich die neuen Mehrheitsverhältnisse nach der Kommunalwahl auch in den Gremien des Gemeinderats niederschlagen, kann die „WG Marfilius“ künftig vier statt wie bisher nur drei Vertreter in die Ausschüsse entsenden. Die FWG hat weiterhin fünf Sitze.