Schutzgemeinschaft Laurenziberg installiert Fledermauskästen...

Unter dem Dach des Johannisberger Türmchens sollen die Fledermäuse in speziellen Kästen ausruhen können.      Foto: Thomas Schmidt, cheri131- Fotolia  Foto: Thomas Schmidt, cheri131- Fotolia

Deutschlandweit gibt es zirka 25 Fledermausarten. Doch die einzigen fliegenden Säugetiere sind vom Aussterben bedroht. In freier Natur werden sie immer seltener, weil ihr...

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GAU-ALGESHEIM. Deutschlandweit gibt es zirka 25 Fledermausarten. Doch die einzigen fliegenden Säugetiere sind vom Aussterben bedroht. In freier Natur werden sie immer seltener, weil ihr natürlicher Lebensraum eingeschränkt wird. Es gibt zu wenig Nahrung, und ihre Wochenstuben verschwinden, wenn alte Gebäude abgerissen oder saniert werden. Die Gau-Algesheimer „Schutzgemeinschaft Laurenziberg“ will daher etwas für die Fledermaus tun. „Wir haben uns entschlossen, eine Aktion zu starten“, erklärt Vereinsvorsitzende Dr. Annette Stegmayer. Und so reifte die Idee, in der Gemarkung Fledermauskästen aufzuhängen. Als geeigneten Standort ausgeguckt hat man sich das „Johannisberger Türmchen“, wo vergangenen Freitag mit fachkundiger Unterstützung von Fledermausexperten zwei solcher Kästen aufgehängt wurden.

Kästen werden in luftiger Höhe fixiert

Beim Erkunden der Balken entdeckt Nadine Müller vom Naturschutzbund Nabu „Taubenspitzen“, die vor allem in Städten Haustauben von Gebäuden fernhalten sollen. „Die sind hier sinnlos“, erklärt die Expertin. In freiem Gelände gebe es nämlich keine Haustauben, die man verjagen müsse. Die Metallspikes sind für die Fledermäuse zwar kein Problem, wohl aber für andere Vögel. Gleichwohl gehen die Naturschützer ans Werk und suchen nach dem besten Ort für die Kästen, die in luftiger Höhe fixiert werden.

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Die Fledermäuse sollen die Häuschen als Tagesquartier nutzen, um dort solange „abzuhängen“, bis es in der Dunkelheit wieder auf Futtersuche geht. Sind genügend Insekten in Reichweite, dann können die nachtaktiven Jäger schon mal einige tausend Exemplare pro Nacht vertilgen – darunter gerne auch lästige Stechmücken.

Dass es rund um den Laurenziberg Fledermäuse gibt, haben Fachleute schon beobachtet. Beispielsweise am Teich des benachbarten Klosters Jakobsberg, wo verschiedene Arten nach Insekten fahnden. Am häufigsten sehe man in der Region die Zwergfledermaus, berichtet Nadine Müller. Die Winzlinge wiegen nicht mehr als ein Stück Würfelzucker und passen bequem in eine Streichholzschachtel. „Die Babys sind so groß wie ein Gummibärchen“, erklärt die Fachfrau, die unter anderem eine Auffangstation für verletzte und verwaiste Fledermausfindelkinder betreibt.

Was kann man tun, um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern? Auch da hat die Fledermausbotschafterin Vorschläge parat: Eine kleine Teichanlage im Garten oder Pflanzen wie Geißblatt, Nachtviole und Ziertabak ziehen Insekten und damit potenzielle Nahrung an. Um den Tieren eine Bleibe anzubieten, kann man an Häusern oder in Bäumen Fledermauskästen anbringen. Mindestens vier Meter hoch sollte der Standort sein und einen freien Einflug bieten. Wenn sich Fledermäuse in Nischen ansiedelten, sei das übrigens kein Problem. „Sie machen nichts kaputt“, betont Nadine Müller, „sie nutzen nur vorhandene Hohlräume“.

Ob das „Johannisberger Türmchen“ wirklich ein optimaler Standort ist, kann die Expertin im Moment noch gar nicht sagen, denn: „Es kommt auch sehr auf das Mikroklima an.“

Die Chancen indes stehen nicht schlecht, dass es sich Fledermäuse in den nächsten Monaten hier gemütlich machen werden. Freuen würde das natürlich auch die „Schutzgemeinschaft Laurenziberg“, die sich nicht nur um Fledermäuse kümmert, sondern die Vielfalt von Fauna und Flora auf dem Hochplateau insgesamt erhalten will.

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„Wir wollen die Region schützen - auch vor dem weiterhin drohenden Sand- und Kiesabbau“, betont die Vorsitzende.