Theatergruppe „Stückwerk“ führt Wagners Ring der...

„Im 1900“ in Bubenheim unterhielt „Stückwerk“ mit einer speziellen Interpretation von Wagners Ring.Foto: Thomas Schmidt  Foto: Thomas Schmidt

Temporeich, turbulent und teilweise skurril ging es zu auf der Bühne im Saal des altehrwürdigen „Im 1900“ in Bubenheim. Dort führte die Theatergruppe STÜCKWERK...

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BUBENHEIM. Temporeich, turbulent und teilweise skurril ging es zu auf der Bühne im Saal des altehrwürdigen „Im 1900“ in Bubenheim. Dort führte die Theatergruppe STÜCKWERK „Wagners Ring des Nibelungen an einem Abend“ auf. Mit viel Parodie, Hintersinn, Comedy- und Musikeinlagen zeigten die zehn Akteure die Geschichte um Macht, Reichtum, Gier, Verbrechen und Liebe in einer ausgesprochen unüblichen Version. Während die drei Nornen noch am Weltengeschick weben, nimmt das „Chaos“ seinen Lauf: Alberich stiehlt den Rheintöchtern den Goldschatz, Göttervater Wotan sieht sich gezwungen, ihm diesen wieder abzuluchsen, um so seine Schwägerin Freia (Göttin der Jugend) auszulösen. Diese wird nämlich von der Baufirma Fasolt und Fafner als Pfand für den Bau des Palastes Walhalla festgehalten. In Liebe zueinander entbrannt sind eine ganze Generation später Siegmund und Sieglinde, Zwillinge und seit ihrer Kindheit getrennt. Wotans Frau Fricka ist außer sich, da sie als Hüterin von Moral und Familie den Ehebruch (Sieglinde ist mit Hunding verheiratet) und Inzest nicht duldet. So setzt sich die Story um die Walküren, Siegfried und den Drachen, Gunther und Gutrune fort, bis deren Halbbruder Hagen den Siegfried ersticht, Gutrune sich selbst tötet, Brünhilde ebenfalls ins Jenseits folgt und Wallhall in Flammen aufgeht.

Kein klassisches Boulevardstück, sondern einmal „alles machen, was ein Amateurtheater so macht“, also querbeet schauspielerisch durch verschiedene Genres zu wandern, das war der Ansatz zu diesem Stück, betont Gerd Conrad, der auch den Wotan darstellt. Auch die Dialoge unterstreichen dieses Vorhaben, indem Passagen in Dialektform vorgetragen werden. Die Texte selbst, so Conrad weiter, sind aus den unterschiedlichsten Quellen speziell für dieses Stück zusammengestellt. Und auch die Musik stammt keinesfalls immer aus Wagners Hand. Dem Hang zur Übertreibung und zur Persiflage wird „STÜCKWERK“ auch bei den Kostümen gerecht: Wo findet man sonst die Weltesche in Form eines stofflosen Regenschirms oder Grabvasen, die zu Büstenhaltern umfunktioniert wurden? Der pointierte Medieneinsatz mit der Einspielung von Video-Clips kann ebenfalls als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden. Die von Erik Biegel als Regisseur bestens aufgestellte Truppe besticht durch authentische Mimik und Gestik. Leise Zwischentöne oder gezielte Seitenhiebe auf alles Menschliche werden durch die Schauspieler überzeugend dargestellt. Das Amateur-Ensemble sorgte für beste Unterhaltung, die mit anhaltendem Applaus des Publikums belohnt wurde.

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Tipp für alle, die sich die etwas andere Nibelungen-Sage, die eigentlich nur als roter Faden dient, noch ansehen wollen: Der Drache wird am Samstag, 6. Mai, um 20 Uhr auf der Theaterbühne in der „Bootshaus-Gaststätte“ in Wiesbaden-Biebrich getötet. Weitere Termine und Informationen auch im Internet.