Gesundheitsamtsleiter sieht Kreis Mainz-Bingen gerüstet

aus Coronavirus-Pandemie

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Szenarien zum Coronavirus hat der Krisenstab durchgespielt. Nimmt der Gesundheitsamtsleiter Hamsterkäufe noch mit Humor, hat er zum Schutzmaskenmangel ein klare Meinung.

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MAINZ-BINGEN. Der Landkreis ist gerüstet. Dr. Dietmar Hoffmann, Leiter des Gesundheitsamtes, gab im Kreisausschuss Informationen zum Coronavirus, zur aktuellen Lage im Landkreis und zu den eigenen Anstrengungen, die Dinge im Griff zu behalten. Gleichzeitig trat er einer möglichen Hysterie in einer „völlig absurden Situation“ entgegen.

Im Krisenstab innerhalb der Kreisverwaltung sind verschiedene Szenarien durchgespielt worden. Eine Hotline ist geschaltet, die Verbands- und Stadtbürgermeister sind informiert. Höchstwahrscheinlich – da macht sich das Gesundheitsamt keine Illusionen – werden wegen der Urlaubsrückkehrer, die in den Winterferien in Norditalien waren, Verdachtsfälle auftreten. Klar sei, dass das Virus früher oder später auch Rheinhessen erreiche, mutmaßte Hoffmann. Aber: Gespräche mit den beiden Krankenhäusern sind geführt, eine Supramaximalversorgung ist für den Ernstfall sichergestellt.

Der Vergleich zur Influenza tut not. Rund 40 bis 50 Meldungen darüber gehen pro Tag beim Gesundheitsamt ein. Allerdings ist die übliche „Grippe“ sowohl Ärzten als auch Patienten bekannt, gibt es wirksame Impfungen und Medikamente zur Behandlung. Das alles ist in Sachen Coronavirus ein weißes Blatt. Eine flächendeckende Impfung wird es aller Voraussicht nach im Jahr 2020 nicht geben. Die ausgesprochen gute Nachricht: „Zu gut 80 Prozent ist der Verlauf milde bis symptomlos.“ Hoffmann addierte hierzu die Dunkelziffer derer, die keine Symptome verspüren und sich deshalb nicht testen lassen. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, ernsthaft zu erkranken, ist also wohl noch weitaus niedriger.

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Jedweder Vernunft widerspricht nicht nur die Lage in Supermärkten. „Wenn bei Aldi das Klopapier ausverkauft ist, sind wir nicht zuständig“, scherzte Hoffmann. Lassen sich Hamsterkäufe noch einigermaßen mit Humor nehmen und mit der Angst der Menschen erklären, bestehen überaus ernsthafte Komplikationen, was Desinfektionsmittel und Schutzmasken betrifft. Diese nämlich sind im freien Handel nicht mehr zu haben, werden in Asien produziert und machen ein Problem der Globalisierung offenbar. Wirklich schlimm ist die Situation deshalb, weil sie für die Behandlung von Kranken, vor allem bei Operationen, unbedingt notwendig und zwingend, für Otto Normalverbraucher draußen aber absolut sinnlos sind.

Im Gesundheitsamt sei man bereits an der Grenze des Leistbaren angekommen. „Wir können auf keinen Fall die Aufgaben der niedergelassenen Ärzteschaft übernehmen“, mahnte Hoffmann an. Nur in Einzelfällen seien Hausbesuche möglich. Am Montag seien dagegen einige Personen von ihren Hausärzten in die Amtsräume geschickt worden. Die Kontraproduktivität solchen Vorgehens liegt auf der Hand.

Dass Schulen oder Kindertagesstätten geschlossen werden müssen, ist nach Hoffmanns Ansicht noch nicht zu befürchten. Aktuell sei die Bundesrepublik mit Isolierung und Quarantäne zur Eindämmung einer schnellem Ausbreitung des Virus gut gefahren. Nur in Heinsberg musste bislang Stufe zwei des nationalen Pandemieplans ausgerufen werden, was die Einschränkungen des öffentlichen Lebens bedeutet. Über die Weltgesundheitsorganisation WHO kann Hoffmann nur den Kopf schütteln. „Dass noch keine Pandemie erklärt wurde, verstehe ich selbst nicht.“